WORT ZUM SONNTAG - Zum 4. Fastensonntag:
28.03.2025 Wort zum SonntagDer barmherzige Vater! Oder: Wie Gott mir – so ich dir!
Am 4. Fastensonntag wird uns als Evangelium das Gleichnis vom verlorenen Sohn, oder besser „Das Gleichnis vom barmherzigen Vater“ (Lk 15,11-32) verkündet. Dieses ...
Der barmherzige Vater! Oder: Wie Gott mir – so ich dir!
Am 4. Fastensonntag wird uns als Evangelium das Gleichnis vom verlorenen Sohn, oder besser „Das Gleichnis vom barmherzigen Vater“ (Lk 15,11-32) verkündet. Dieses Evangelium im Evangelium erzählt von einem Menschen, dem nichts am Zuhause, nichts am Vater liegt. Er zieht in die Fremde, verprasst sein Erbteil, gibt sich mit Schweinen ab. Steckt bis zum Hals im Dreck. Tiefer kann ein Mensch nicht sinken. Absoluter Tiefpunkt menschlichen Seins. So erzählt es uns Jesus.
In dieser Lage setzt er den Schritt der Umkehr und kehrt zum Vater zurück. Zeichen der Rehabilitation werden seitens des Vaters gesetzt. Umarmung und Kuss stellen das Vater-Sohn-Verhältnis wieder her. Ring, Schuhe und Festkleid geben dem Menschen Würde und Freiheit zurück. Das geschlachtete Mastkalb steht für ein Fest von großer Freude. Alles in allem ein Gottesbild also, das nicht getoppt werden kann.
Der niederländische Maler Rembrandt van Rijn hat im Jahr 1669 die Begegnung zwischen dem heimkehrenden Sohn und dem Vater in diesem Evangelium gemalt. Ausdrucksstark und von ungeheurer Zärtlichkeit greift das Bild die innige Szene auf.
Von vielen Menschen unbeachtet und nicht erkannt gibt uns Rembrandt van Rijn sein Gottesbild mit auf den Weg: die Figur des Vaters malt Rembrandt mit zwei verschiedenen Händen und Ärmelabschlüssen. Es sind dies eine Männer- (links) und eine Frauenhand (rechts)!
Gott ist für uns da wie ein gütiger Vater und eine liebende Mutter! Das befreit.
Leben wir nicht oft mit einem Gottesbild, das mit Angst, Rache, Strafe einhergeht? Nichts davon entspricht dem Gottesbild, das Jesus uns gebracht hat.
Haben nicht auch wir als Kirche dazu beigetragen, dass die lähmende Furcht vor Gott zu den großen menschlichen Tragödien gehört? Alle loben uns, wenn wir brav sind. Keiner liebt uns, wenn wir im Dreck stecken. Aber genau dann, genau dann brauchen wir Liebe am dringendsten. So ist unser Gott.
Gott, der Barmherzige, liebt uns. Bedingungslos. Gerade dann, wenn wir mit keiner Vorleistung aufwarten können oder das ganze geistliche Guthaben scheinbar aufgebraucht haben. Darauf dürfen wir vertrauen. Und dieses Vertrauen ist Auftrag. Wie Gott mir – so ich dir!
Unser Gottesbild, unsere Frömmigkeit suchen ihren Niederschlag in der Begegnung mit dem Nächsten. Wir sollen barmherzig sein, wie auch unser Vater im Himmel uns gegenüber barmherzig ist.
„Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht – die Versuchung ist mächtig und seine Kraft gering! Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut.“ (Martin Buber) Wir sollen den Schritt der Umkehr setzen. Zu Gott. Er sieht uns jetzt schon voll Liebe von weitem.
Andreas Lechner