„Als Er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu Ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen Deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch niemand ...
„Als Er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu Ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen Deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch niemand verführt!“ (Mt 24,3-4)
Kinder und unsere Verantwortung
Geborgenheit ist ein Urbedürfnis des Menschen. Das hier vorgestellte Bild wurde von dem spanischen Maler Juan Lucena mit Blick auf die hinter uns liegenden Jahre der Pandemie gemalt. Der unmittelbar erzeugte Eindruck des Bildes ist aufrüttelnd. Jesu Worte aus Mt 24 sind es auch.
Das Bild appelliert auf eindrückliche Weise an unsere menschliche Verantwortung unseren Kindern gegenüber. Verantwortung ist Präsenz. Wenn Jesus in Vers 4 sagt, dass wir achtgeben sollen, nicht verführt zu werden, dann wird Er Bezug nehmen auf destruktive Kräfte, die mehr und mehr (global) an Durchsetzungskraft gewinnen. Ob ihre Durchsetzungskraft gebrochen werden kann oder nicht, hängt gerade auch von uns Christinnen und Christen ab, von unseren Gebetseinsätzen und unserem zuverlässigen Handeln aus der Kraft des Glaubens vor allem mit Blick auf die Kinder dieser Erde. Die Kraft wird auf dem Bild durch die helleren Farben assoziiert. Die hellen Farbtöne geben Anlass zur Hoffnung und stehen den intergenerationalen Traumata der Vergangenheit, die sich in dunklen Tönen spiegeln, entgegen.
In unserer Zeit werden wir Zeugen von größeren Umbrüchen. Dass schürt Unsicherheit. Reaktivierte Traumata der Vergangenheit entladen sich über Ablehnung, Hass, Gewalt und Krieg. Dabei geht es bei Weitem nicht um die Beobachtung, dass sich Geschichte wiederholt, sondern darum, sich nicht von menschlich befeuerten Irritationen und Ängsten täuschen zu lassen.
Aus der Perspektive des Bildes werden zwei Reaktionsweisen ersichtlich.
Erstens, die unreflektierte Rückwendung (vgl. 1Mo 19,26 Und Lots Frau sah hinter sich und ward zur Salzsäule), die zur inneren Lähmung bis zur Erstarrung führt: Das Herz, die Seele frieren ein. Dafür steht die zurückblickende Frau. Sie ist die Einzige, die verzweifelt etwas von ihren verpassten Chancen bezüglich der gezielten Übernahme von Verantwortung wahrnimmt. Alle anderen am oberen Bildrand haben sich voller Angst dem scheinbar Unvermeidlichen (Schicksal) hingegeben.
Die zweite Möglichkeit ist der Impuls, unseren Geist, unsere Seele, unser Herz für das zu öffnen, was wir in Jesus – aus der Gnade Gottes – erkennen können. Dafür stehen die Kinder am unteren Bildrand. Ihre Körperhaltung symbolisiert einen Spagat zwischen Furcht und der Abkehr von jeder Form der Hoffnungslosigkeit.
Wird das Bild als eine Art Schmelztiegel des menschlichen Lebens oder Prüfung gesehen, kann daraus die Kraft zum Wandel erwachsen. Es bedarf jedoch einer eindeutigen Durchsetzungskraft aus IHM heraus, aus Glaube/n, und dafür steht der Begriff: Lebens-Präsenz.
Und dafür stehen unsere Kinder.
Dr. Meinhard Beermann