Fahrzeugsegnung, Leistungsbewerb und Bungee Jumping: Die Freiwillige Feuerwehr Stein an der Enns feiert ihr 100-jähriges Bestandsjubiläum. Ein Zeitzeuge erinnert sich an tragische Einsätze und die bescheidenen Mittel zu den Beginnzeiten der Wehr.
Der 3. ...
Fahrzeugsegnung, Leistungsbewerb und Bungee Jumping: Die Freiwillige Feuerwehr Stein an der Enns feiert ihr 100-jähriges Bestandsjubiläum. Ein Zeitzeuge erinnert sich an tragische Einsätze und die bescheidenen Mittel zu den Beginnzeiten der Wehr.
Der 3. Juni 1926 ist das Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr Stein an der Enns. Einsätze, Technik und Kameradschaft haben sich im Laufe der Jahrzehnte verändert, sagt Ferdinand Fischbacher. Fischbacher feiert heuer ebenfalls seinen 100. Geburtstag und gilt als dienstältester Feuerwehrmann des Bezirkes. „Wir sind mit Pferden zu den Einsätzen gefahren“, erinnert sich Fischbacher. Motorisierte Fahrzeuge kamen erst später. Oft bedeutete das, unter schwierigsten Bedingungen zu helfen – bei Lawinenabgängen, Hochwasser oder der gefährlichen Holztrift entlang der Bäche.
Schlechte Ausrüstung kostete Menschenleben
Gerade diese Triftarbeiten gehörten zu den risikoreichsten Aufgaben. Holzstämme wurden über Gewässer transportiert und nicht selten kam es zu lebensgefährlichen Situationen. Eine Tragödie blieb bei Fischbacher besonders im Gedächtnis: Ein junger Kamerad ließ sich an einem Seil in den reißenden Sölkbach hinab, um verkeilte Stämme zu lösen. Das Seil riss – vermutlich geschwächt durch jahrelangen Einsatz im Wasser. Der Mann wurde mitgerissen und blieb bis heute verschollen. „Wir haben ihn noch treiben sehen, konnten aber nichts mehr tun“, sagt Fischbacher. Schuldzuweisungen habe es viele gegeben – doch letztlich fehlte es schlicht an besserer Ausrüstung. Die Mittel waren im Allgemeinen begrenzt. Beim Großbrand in Reith, einem der prägendsten Einsätze seiner Laufbahn, musste die Feuerwehr mit einfachsten Geräten arbeiten. Eine Motorspritze, getragen von vier Männern, und aufgestautes Bachwasser dienten als einziges Löschmittel. Die Katastrophe konnte nicht verhindert werden: Fast alle Gebäude im Ortsteil Reith brannten nieder.
Lebensgefährliche Einsätze
Neben Bränden waren Hochwasser eine ständige Bedrohung. Besonders die Enns und der Sölkbach traten immer wieder über die Ufer und setzten ganze Ortschaften unter Wasser. Ein dramatischer Einsatz ereignete sich an der Eisenbahnbrücke in Stein an der Enns, wo sich Treibholz gefährlich aufstaute. Um die Konstruktion zu retten, sollte ein Feuerwehrmann eine kleine Sprengladung anbringen. Doch bevor es dazu kam, löste sich die Verklausung – der Mann wurde unter den Holzmassen begraben und kam ums Leben. Solche Ereignisse zeigen, wie gefährlich der Dienst früher war – und wie oft Entscheidungen unter Zeitdruck und ohne ausreichende Mittel getroffen werden mussten.
Kameradschaft und Feierlichkeiten
„Wir hatten oft nicht viel, aber wir haben geholfen, wo wir konnten“, fasst Fischbacher zusammen. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Gefahren war die Kameradschaft ein zentraler Bestandteil des Feuerwehrlebens. Feuerwehrbälle, kleine Feste und sogar eine eigene Kegelbahn hinter dem Rüsthaus sorgten für Gemeinschaft. „Da war immer etwas los“, erzählt Fischbacher schmunzelnd. Am nächsten Wochenende feiert die Freiwillige Feuerwehr Stein an der Enns ihr 100-jähriges Bestehen. Am Freitag, dem 12. Juni, findet ab 18.30 Uhr der feierliche Festakt statt. Am Samstag, dem 13. Juni, folgt ab 13 Uhr ein abwechslungsreiches Festprogramm mit FLA-Bewerb, spektakulärem Bungee-Jumping von einem 65-Meter-Kran und einem gro- ßen Festzelt.