Versprechen des Lichts
03.04.2026 Wort zum SonntagDas Osterfeuer gehört für viele von uns am Karsamstag-Abend einfach dazu. Man trifft sich draußen, es ist noch dunkel, vielleicht ein bisschen kalt – und dann wird das Feuer entzündet. Erst ein paar Funken, dann Flammen, die höher und heller werden. Plötzlich ...
Das Osterfeuer gehört für viele von uns am Karsamstag-Abend einfach dazu. Man trifft sich draußen, es ist noch dunkel, vielleicht ein bisschen kalt – und dann wird das Feuer entzündet. Erst ein paar Funken, dann Flammen, die höher und heller werden. Plötzlich ist da Licht. Wärme. Leben. Es ist ein besonderer Moment, den viele einfach als „schön“ beschreiben würden. Aber eigentlich steckt viel mehr dahinter.
Dieses Feuer ist nicht nur Brauchtum. Es ist ein Zeichen, das zeigt: Die Nacht hat nicht das letzte Wort. Das Dunkel bleibt nicht für immer. Da kommt Licht – und verändert alles. Genau aus diesem Feuer heraus wird in der Osternacht die Osterkerze entzündet. Sie wird in die dunkle Kirche getragen. Am Anfang sieht man fast nichts. Und dann, Schritt für Schritt, wird es heller. „Lumen Christi (Latein) – Christus, das Licht“ wird gesungen. Und nach und nach entzünden sich die Kerzen der Menschen an dieser einen Flamme. Aus einem Licht werden viele. Und auf einmal ist die ganze Kirche erfüllt von einem warmen, lebendigen Leuchten. Das ist kein Zufall. Das ist die Botschaft von Ostern: Das Licht Christi bleibt nicht für sich. Es breitet sich aus. Es will weitergegeben werden. Es will unser Leben hell machen.
Das ganze Jahr hindurch werden dann an dieser Osterkerze die Taufkerzen entzündet. Vielleicht erinnern sich manche noch daran. Vielleicht steht diese Kerze irgendwo zuhause – gut aufgehoben, aber ehrlich gesagt längst aus dem Blick geraten. Doch ihre Bedeutung ist geblieben. Dieses Licht gehört zu uns. Seit unserer Taufe. Es ist kein schönes Symbol für einen besonderen Tag, sondern ein Versprechen Gottes: Dein Leben soll hell sein. Ich bin bei dir. Mein Licht ist in dir. Und vielleicht ist genau das die Hernur irgendwo stehen zu lassen, sondern es immer wieder neu anzuzünden. Nicht nur einmal im Leben – sondern immer wieder. Gerade in unserer Zeit ist das wichtiger denn je. Wenn wir auf die Welt schauen, sehen wir genug Dunkelheit: Krieg, Terror, Leid, Unsicherheit. Bilder, die uns nicht loslassen. Nachrichten, die uns manchmal ratlos machen. Und auch im eigenen Leben gibt es diese dunklen Momente: Sorgen um die Zukunft, Konflikte, Einsamkeit, Angst. Ostern sagt nicht: All das ist plötzlich weg. Aber Ostern sagt ganz klar: Das Dunkel hat nicht das letzte Wort. Es gibt ein Licht, das stärker ist. Und dieses Licht ist kein fernes Ideal. Es ist uns anvertraut. Vielleicht heißt das ganz konkret: die eigene „Taufkerze“ wieder anzuzünden. Im übertragenen Sinn – im Gebet, im Vertrauen. Oder sogar ganz praktisch, zuhause. Sich bewusst daran zu erinnern: Ich bin nicht allein. Gott ist da. Sein Licht ist in meinem Leben. Das Evangelium vom Ostersonntag (Joh 20,1–18) passt genau gut zu dieser Erfahrung. Da ist nichts von gro- ßer Show, nichts von einem lauten Triumph. Im Gegenteil: Es beginnt im Dunkeln.
Maria von Magdala kommt früh am Morgen zum Grab. Sie sieht den weggewälzten Stein – und ist erst einmal erschrocken. Alles ist anders als erwartet. Sie läuft zu Petrus und zum anderen Jünger. Die beiden machen sich sofort auf den Weg. Sie laufen, so schnell sie können. Man spürt förmlich die Unruhe, die Fragen, vielleicht auch die Angst. Am Grab angekommen, sehen sie die Leinenbinden. Sie sehen das leere Grab. Und dann steht da dieser kurze, fast unscheinbare Satz: „Er sah und glaubte.“ Mehr nicht. Kein fertiges Verstehen. Keine große Erklärung. Nur dieser Moment, in dem etwas aufleuchtet. Ein erster Funke. Ein Anfang von Vertrauen. Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem wir uns wiederfinden. Auch wir haben nicht auf alles Antworten. Auch unser Glaube ist manchmal kein strahlendes Feuer, sondern eher ein kleines Licht. Manchmal flackert es. Manchmal droht es sogar auszugehen. Aber Ostern beginnt genau dort. Nicht bei den Perfekten. Nicht bei denen, die alles verstanden haben. Sondern bei denen, die sich auf den Weg machen. Die hinschauen. Die diesem kleinen Funken trauen. Das Osterfeuer draußen, die Osterkerze in der Kirche und das Licht unserer Taufe – sie gehören zusammen. Sie erzählen uns eine Geschichte: Gott bringt Licht in diese Welt. Und er traut uns zu, dass wir dieses Licht weitertragen. Vielleicht ganz unspektakulär. In einem guten Wort. In Zeit, die ich jemandem schenke. In einem offenen Ohr. In Mut, wo andere sich zurückziehen. In Hoffnung, wo vieles dagegenspricht. Gerade dort wird dieses Licht sichtbar. Gerade dort verändert es etwas.
Ostern ist deshalb kein altes Ritual, das wir einfach wiederholen, weil es immer schon so war. Ostern ist eine Einladung. Eine Einladung, neu zu vertrauen. Neu zu glauben. Neu Licht ins eigene Leben zu lassen. Und vielleicht auch: selbst ein Stück Licht für andere zu werden. Das Osterfeuer erinnert uns daran, dass schon ein kleiner Funke die Nacht verändern kann. Die Osterkerze zeigt uns, dass ein Licht viele entzünden kann. Und unsere Taufkerze sagt uns: Dieses Licht ist dir anvertraut. Also: Lass es nicht ausgehen. Zünde es neu an. Gerade jetzt. Ich wünsche Euch diese Erfahrung des Osterlichtes verbunden mit einem gesegneten Osterfest!
Pater Vinzenz Schager OSB, Pfarrer