Armut – und es gibt sie doch!
30.05.2025 Wort zum SonntagWas veranlasst mich, hier über dieses Thema zu schreiben? Wird Armut im Ennstal und Ausseerland in Frage gestellt? Meine Antwort auf diese Frage lautet: Ja.
Schon mehrmals bin ich mit Aussagen konfrontiert worden, wie: „Im Ennstal leben nur reiche Menschen, arme können ...
Was veranlasst mich, hier über dieses Thema zu schreiben? Wird Armut im Ennstal und Ausseerland in Frage gestellt? Meine Antwort auf diese Frage lautet: Ja.
Schon mehrmals bin ich mit Aussagen konfrontiert worden, wie: „Im Ennstal leben nur reiche Menschen, arme können sich das gar nicht leisten.“ Der Eindruck trügt. Unsere Region hat einen sehr großen touristischen Stellenwert, ist mit dem Nachtslalom und dem Narzissenfest weit über die Grenzen hinaus bekannt geworden. Die wunderschöne Landschaft bietet vielfältige Freizeitangebote, man könnte hier tatsächlich eine heile Welt vermuten.
Meine Tätigkeit als Regionalkoordinatorin ermöglicht es mir, tiefer zu blicken, mit den Menschen hier in Kontakt zu treten, die Not wahrzunehmen.
Armut hat viele Gesichter. Sie kommt daher bei Kindern, die nicht oder nur sehr schwer an Schulausflügen teilnehmen können, die keine gesunde Jause mithaben, die nach Ausreden suchen, warum sie nicht ins Kino mitgehen können. Viele Familien sind auf kostenlose Lebensmittel von den Ausgabestellen angewiesen, weil sie vor der Wahl stehen, den Kühlschrank zu füllen oder die Wohnung warm zu halten. Auch vor dem Alter macht die Armut nicht halt. Steigende Lebenserhaltungskosten und Ausgaben für medizinische Zwecke oder betreutes Wohnen stellen diese Generation oftmals vor große existentielle Herausforderungen. Nicht zu unterschätzen ist darüber hinaus auch die emotionale Verarmung durch Einsamkeit. Spätestens hier bemerkt man, dass Armut keine Grenzen kennt und nicht halt vor einer schönen Landschaft macht.
Glücklicherweise gibt es aber auch in unserer Region Hilfsangebote, Menschen die sich hauptoder ehrenamtlich mit dieser Problematik beschäftigen. Menschen, die nicht wegschauen, für die Nächstenliebe nicht nur ein Wort ist.
Gerade bei der Caritas engagieren sich sehr viele Menschen ehrenamtlich, leisten unbezahlbare Arbeit im Kampf gegen die Armut. Sie persönlich profitieren davon, indem sie selbst durch ihren Einsatz besser vor Einsamkeit und sozialer Isolation geschützt sind, da sie neue und zusätzliche soziale Interaktionen erfahren, mehr Verbundenheit erleben sowie neue Bekanntschaften machen. Freiwillige profitieren auch von interkulturellen Erfahrungen und entwickeln ein breiteres kulturelles Verständnis, erwerben wichtige interkulturelle Kompetenzen, die für das Funktionieren einer diversen Gesellschaft wichtig sind. Menschen, die sich für andere einsetzen, werden durch ihren als positiv wirksam erlebten Beitrag für die Gemeinschaft oder Gesellschaft in ihrer Selbstwirksamkeit und sozialen Handlungsfähigkeit gestärkt.
Sichtbar gemacht werden diese beiden Themen Armut und Menschen, die sich dagegen einsetzen, am heurigen Pfarrcaritastag, der am Dienstag, dem 3. Juni um 17.30 Uhr im Alten Kino in Liezen, im Beisein von Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler, stattfindet.
Nähere Infos und Anmeldung bei Tamara Kaltenegger, 0676/ 880157069 oder tamara.kaltenegger@caritas-steiermark.at.
Tamara Kaltenegger
Regionalkoordinatorin der Caritas