WORT ZUM SONNTAG
10.07.2026 Wort zum SonntagZuhören
„Lous zua!“ – so fordern wir jemanden zum Zuhören auf. Jesus sagt im Matthäus-Evangelium öfter: Wer Ohren hat zu hören, der höre. – Also: Wer Ohren hat, soll „zualousn“.
Jesus muss ...
Zuhören
„Lous zua!“ – so fordern wir jemanden zum Zuhören auf. Jesus sagt im Matthäus-Evangelium öfter: Wer Ohren hat zu hören, der höre. – Also: Wer Ohren hat, soll „zualousn“.
Jesus muss jedenfalls ein begnadeter Redner und Erzähler gewesen sein, wenn ihm so gro- ße Menschenmengen zugehört haben, wie öfter berichtet wird. Jeder von uns kennt Menschen, denen man einfach gerne zuhört. Höre ich dann wirklich zu, dann nehme ich das Gehörte zu mir, ich nehme es ernst. Wirklich zuzuhören stärkt die Verbindung zwischen Menschen und ist die Grundlage für eine gute Beziehung.
Von Jesus sagen wir sogar: Er ist der „Logos“ – das Wort, auf das wir hören sollen, das Heil bringt, das uns rettet. Jesus spricht teilweise in Gleichnissen zu den Menschen. Deren bildhafte Sprache soll einerseits Sachverhalte leichter verständlich machen und andererseits können Symbole oder Bilder auf vielfältige Art ausgelegt werden. Die Gleichnisse wurden damals aber offensichtlich nicht von allen verstanden, wenn sogar die Jünger danach fragen, was denn das bedeutet. Manche konnten auch nicht mehr zuhören, weil seine Lehre „unerhört“ war und sie empört hat.
An diesem Sonntag erzählt das sehr bekannte Gleichnis vom Sämann davon, dass das Wort Gottes, das allen Menschen Heil und Rettung verspricht, doch eben nicht überall so gut ankommt. Wenn es aber Frucht bringt, führt es zu einem Leben in Fülle.
Danach kommt ein schwierigerer Textteil, der nur in der Langfassung des Evangeliums zu hören ist. Er spricht von der Realität, dass wir manchmal halt auch nicht hören wollen: „Mit ihren Ohren hören sie schwer und ihre Augen verschließen sie, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen und sich bekehren und ich sie heile.“
Die Menschen verschließen also selbst Augen und Ohren, um nicht zu sehen und zu hören. Was würde denn passieren, würden sie Augen und Ohren öffnen?
Das Evangelium stellt das gut dar: Das Hinhören (Zualousn) führt zur inneren Einsicht, Einsicht führt zu Bekehrung (d.h. zu einem Tun), Bekehrung führt zur Heilung. Kurz gesagt: Wenn ich wirklich (auf Gott) hinhöre, könnte ich mein Leben ändern müssen.
„Zualousn“ kann im Umgang miteinander sehr positive Auswirkungen haben. Jemandem zuhören bedeutet, jetzt ganz da zu sein für den anderen und ihm oder ihr einen Raum zu öffnen. Hinhören, was zwischen den Zeilen gesagt wird, Ängste und Sorgen ernst nehmen. So kann Verbundenheit und Beziehung entstehen, die unsere Welt so nötig braucht.
Mit digitalen Geräten kann man über die ganze Welt kommunizieren. In den sozialen Medien passiert viel Interaktion – doch bin ich wirklich interessiert am anderen oder suche ich nur Bestätigung für meine eigenen Ansichten? Kann ich in den ausgewählten Inhalten, die jemand von sich zeigt, eine Person erkennen? Bringen uns die sozialen Medien als Menschheit weiter?
Für den Frieden, nach dem sich viele sehnen, für einen achtsamen Umgang miteinander und mit unserer Umwelt – hören wir einander zu!
Barbara Hofer
Pastoralreferentin
