WORT ZUM SONNTAG
26.06.2026 Wort zum SonntagGedanken zum „Pride Month“
Die LGBTIQ-Community verwendet unter anderem den Regenbogen als ein wichtiges Symbol für die Vielfältigkeit der Menschen. Der Regenbogen ist ein Symbol des Bundes Gottes mit uns Menschen.
Nach der Sintflut wurde ...
Gedanken zum „Pride Month“
Die LGBTIQ-Community verwendet unter anderem den Regenbogen als ein wichtiges Symbol für die Vielfältigkeit der Menschen. Der Regenbogen ist ein Symbol des Bundes Gottes mit uns Menschen.
Nach der Sintflut wurde Noah aufgetragen, eine Arche für alle Tiere und Menschen (stellvertretend für die Fülle an Geschöpfen wurden einige angeführt) zu bauen. Als Zeichen der bleibenden Treue erschien ein wunderschöner Regenbogen. Der Prophet Jesaja präzisiert diese Treue: Dein Name ist in meine (Gottes) Hand geschrieben (vgl. Jes 49). Mit dieser unauslöschlichen Treue ist jeder Mensch, egal welcher Herkunft, welcher religiösen Überzeugung, welcher sexuellen Orientierung, gemeint. Die Liebe Gottes trifft uns schon von Anfang an. Die dreifache Liebe (zu Gott, zum Nächsten, zu mir selbst; vgl. Mt 5) ist die notwendige Antwort darauf.
Die umfassende Liebe zum Nächsten kann uns ganz schön herausfordern. Jesus meint dabei, dass diese alle Menschen umfassen soll und nicht im eigenen Dunstkreis, der eigenen Bubble, stecken bleiben darf. Im Zukunftsbild der Diözese Graz-Seckau wird in der ersten Botschaft formuliert: „Wir gehen vom Leben der Menschen aus!“ Dies kann sehr unterschiedlich sein und ein genaues Hinhören kann eine Herausforderung sein. Ich denke hier an einige Beispiele aus meinem Dienst in den Krankenhäusern: Ich denke an ein junges Mädchen, das zeitlebens extrem sportlich war. Aufgrund einer Krankheit verlor sie schrittweise einen Fuß und die Wunde wächst aufgrund einer Wundheilungsstörung nicht zu, Wie kann ich ihr Hoffnung schenken, ohne oberflächlich einige Floskeln zu sagen, die die Beziehung unterbrechen würde?
Ich denke hier an unheilbar kranke Menschen, die in der Sterbephase die unterschiedlichsten Gerüche abgeben. Wie kann ich trotz eines Ekelgefühles die Botschaft vermitteln, dass auch in dieser Situation noch ein würdevolles Dasein möglich ist? Wie kann ich den Pflegekräften auf der Intensivstation vermitteln, dass bei einem intubierten Patienten auch das Dasein in Stille ein Beitrag zum Heil werden sein kann? Wie begegne ich Mitmenschen, von denen ich weiß oder besser gesagt ahne, dass wir ganz konträre Ansichten vom Miteinander zu Schutzsuchenden, ganz unterschiedliche Spiritualitäten etc. haben.
Ich bin mir sicher, dass jede und jeder von uns ähnliche Beispiele nennen kann. Und die gleiche Herausforderung gilt es, wenn wir uns Menschen zuwenden, deren Lebensrealität wir nicht verstehen können. Auch ihr Name ist in Gottes Hand geschrieben.
So ermutige ich Sie: Gehen wir auf Menschen, denen wir nicht alltäglich begegnen, zu und leisten so im Kleinen einen Beitrag für eine friedlichere Welt.
Martin Weirer
Krankenhausseelsorger
