WORT ZUM SONNTAG
05.06.2026 Wort zum SonntagDemenzfreundliche Gottesdienste
Wir alle brauchen Gemeinschaft, Trost und suchen spirituelle Geborgenheit. Demenzfreundliche Gottesdienste schaffen dafür einen geschützten Raum, in dem wir uns alle sicher bewegen können.
Demenzfreundliche ...
Demenzfreundliche Gottesdienste
Wir alle brauchen Gemeinschaft, Trost und suchen spirituelle Geborgenheit. Demenzfreundliche Gottesdienste schaffen dafür einen geschützten Raum, in dem wir uns alle sicher bewegen können.
Demenzfreundliche Gottesdienste werden so gestaltet, dass Menschen mit Demenz aktiv teilnehmen können, sich sicher fühlen und spirituell angesprochen werden. Solche Gottesdienste richten sich nicht nur an Personen mit Demenz, sondern auch an An- und Zugehörige und die gesamte Gemeinde. Ausgezeichnet wird dieser Gottesdienst durch Vertrautheit und Wiederholung, bekannte Elemente werden verwendet, wie traditionelle Kirchenlieder (bei denen auch die erste Strophe mehrmals gesungen wird), bekannte Psalmen und Gebete und einfache liturgische Formen. Die Sprache soll kurz und konkret sein. Abstrakte und komplexe theologische Gedanken können im Hintergrund bleiben und werden durch Bilder, Gefühle und konkrete Botschaften ersetzt. Mit Musik, Kerzenlicht, vertrauten Symbolen und vertrauten Gerüchen werden mehrere Sinne angesprochen. Menschen sollen ohne Druck teilnehmen können und Unruhe, spontane Äußerungen oder das Weitersummen der Melodie werden akzeptiert. Gottesdienste sollen uns allen ja immer Zugehörigkeit, Identität und Würde schenken. Menschen mit Demenz, die im täglichen Leben vielfältige Verluste erleben und Abhängigkeit empfinden, können sich hier wieder als angenommen und wertvoll erleben. Wir können diese Gottesdienste als Zeichen einer inklusiven Kirche bewusst feiern und damit zeigen: Jeder Mensch bleibt Teil der Gemeinschaft. Unser Auftrag: Wir sollen alle Mitglieder unserer Gemeinschaft als Gemeinde tragen und begleiten.
Im Hintergrund steht immer unser Verständnis von Menschenwürde, Gemeinschaft und Gottes Beziehung zu den Menschen. Unsere Würde, die Gott uns geschenkt hat, hängt niemals von Erinnerung, Leistung oder Selbstständigkeit ab. Selbst wenn Menschen vergessen, „vergisst“ Gott sie nie. Gott verliert niemanden von uns allen aus den Augen. „Kann denn eine Mutter ihr Kindlein vergessen…? Und selbst wenn sie es vergessen würde: Ich vergesse dich nicht.“ – Jesaja 49,15
Unser Glaube kann sich ohnehin nie rational erklären lassen, er lebt durch unsere Gefühle und stärkt sich mit unseren Erfahrungen. „Unauslöschlich habe ich deinen Namen auf meine Handflächen geschrieben, deine Mauern habe ich ständig vor Augen“ Jesaja 49,16
Martina Kirbisser
Leiterin der „Lebenslinien“
Demenzberatung des Pflegeverbandes Liezen