WORT ZUM SONNTAG
29.05.2026 Wort zum SonntagGlaube, Hoffnung und Liebe als Schlüssel zur Dreifaltigkeit
Ich möchte mich dem Thema „Dreifaltigkeit“ mit einer Betrachtung von Glaube, Hoffnung und Liebe annähern, denn wie Paulus im 1. Brief an die Korinther schreibt, bleiben diese drei und am ...
Glaube, Hoffnung und Liebe als Schlüssel zur Dreifaltigkeit
Ich möchte mich dem Thema „Dreifaltigkeit“ mit einer Betrachtung von Glaube, Hoffnung und Liebe annähern, denn wie Paulus im 1. Brief an die Korinther schreibt, bleiben diese drei und am größten unter ihnen ist die Liebe (1 Korinther 13,13).
Glauben braucht mein Vertrauen in das, was ich erhoffe. Glaube ist nicht leise, nicht taub, sondern die Hörkraft auf das, was mir von Christus her zugesagt ist. Hoffnung braucht mein Vertrauen in die Gestaltbarkeit meiner Zukunft mit einem realen Blick auf das Mögliche. Hoffnung ist nicht blind, sondern die Sehkraft für die kleinen und großen Wunder in meinem Leben. Liebe braucht meinen Glauben und meine Hoffnung, die Hörkraft und die Sehkraft, um daraus auch eine Tatkraft zu entfalten, die mich zur Hingabe begabt.
Nach dem Soziologen Hartmut Rosa entsteht ein gelingendes Leben nicht durch Reichtum oder Anerkennung, sondern durch resonante Beziehungen. Liebe ist die höchste Form der Resonanz. Im Blick auf das Evangelium des Dreifaltigkeitssonntags geht es für mich um die Frage, ob ich aus dem Glauben an einen liebenden Gott, der bereit ist, durch die Hingabe seines Sohnes alles für jeden von uns zu geben, Antworten für mein Leben bekomme. Hingabe ist mit Selbstverzicht oder Opfer verbunden.
In einer Gesellschaftsordnung, die Solidarität als Verantwortung füreinander durch Selbstmaximierung des individuellen Lebensglücks ersetzt, ist kein Raum für Hingabe oder Opfer. Das Fehlen von Glück wird auf persönliches Unvermögen und nicht auf gesellschaftliche Ungleichheiten zurückgeführt. Die Selbstüberhöhung des Glücks basiert auf Kosten der Erniedrigung von Hingabe und Opfer für etwas oder jemanden. Es gibt keine Resonanz. Es geht aber um die Rettung des ganzen Menschen und aller Menschen. Dazu braucht es nicht individuelle Begünstigungen, sondern gesamtgesellschaftliche Ermöglichungen. Es braucht eine Kultur der Hingabe für die Menschen, damit wir nicht in einer Unkultur der Preisgabe des Menschen landen.
Die Schriftlesungen zum Sonntag sagen mir knapp zusammengefasst: Es geht für mich um den Glauben daran, dass Gott unabhängig von meiner Nähe zu ihm, immer der mir voll Barmherzigkeit, Treue und Liebe Zugewandte bleibt. Es geht für mich um die Hoffnung darauf, dass mich der Geist des Friedens in die Einheit mit den Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen führt. Es geht für mich um die Liebe zu einem Leben der Hingabe, konkret meiner Bereitschaft, die mir geschenkten oder zugefallenen Begabungen, all das was ich gegenleistungsfrei empfangen habe, absichtslos für meine Nächsten, in die Gesellschaft einzubringen.
Die Frage an diesem Sonntag ist nicht nur jene nach der Gestalt der Dreifaltigkeit, sondern auch nach der Gestaltbarkeit gelingenden Lebens. Leben kann gelingen, wenn ich es unter folgenden Aspekten betrachte: Wachstum – lässt mich das, was ich tue im Glauben wachsen? Ermutigung – ermutigt mich das, was ich tue zur Hoffnung? Vollendung – vollendet das, was ich tue meine Fähigkeit zur Hingabe, zur Liebe?
Jakob Kabas
Vorsitzender des
PGR Liezen