Anlässlich einer Reise ins Heilige Land stand der Besuch des Lazarusgrabes am Programm. In Betanien, am südöstlichen Ölberg direkt an der Straße, öffnete unser Fremdenführer eine schmale Tür. Nach 24 Stufen nach unten erwartete uns ein sieben Quadratmeter ...
Anlässlich einer Reise ins Heilige Land stand der Besuch des Lazarusgrabes am Programm. In Betanien, am südöstlichen Ölberg direkt an der Straße, öffnete unser Fremdenführer eine schmale Tür. Nach 24 Stufen nach unten erwartete uns ein sieben Quadratmeter großer Vorraum. Noch weiter unten befanden wir uns in der eigentlichen Grabkammer, höchstens zwei Quadratmeter groß. Schwer vorstellbar, dass hier eine Auferstehung hätte stattfinden können.
Für die Lesung und Betrachtung der Bibelstelle im Johannesevangelium wechselten wir in die nahe gelegene Lazaruskirche der Franziskaner. Hier konnte man sich schon eher in die Zeit und Handlungsweise Jesu versetzen.
Hier gilt es, von drei Aspekte auszugehen:
1. Die emotionelle Beziehungen zwischen den Geschwistern und Jesus
Jesus liebt Lazarus, Maria und Marta. Jesus wirkt erregt und erschüttert. Jesus weint. Lazarus ist als Freund Jesu in einer tiefen Beziehung. Maria und Marta sind Schwestern. Judäer trösten die Schwestern. Alle helfen mit, dass letztendlich Lazarus wieder ins Leben zurückkann. Jesu befiehlt: „Nehmt den Stein weg und löst ihm die Binden“.
2. Die Frage nach dem Tod
Tod ist für Menschen immer ein Rätsel. Was heißt sterben? Ist der Tod bloß ein Schlaf? Der Apostel Thomas will mit Jesus gehen, um mit ihm zu sterben, vermutlich weiß Thomas nicht, was der Tod ist? Die Antwort Jesu klingt spektakulär: „Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.“
3. Die Antwort lautet: Auferstehung
Marta, die Jüdin, spricht von der Auferstehung „am Ende aller Zeiten.“ Juden glauben nämlich, dass der Messias von Osten über das Kidron Tal und über den Ölberg (jüdischer Bestattungsort) kommen wird, die Toten aus den Gräbern holt und dort das jüngst Gericht abhält (vgl. Altes Testament). Jesus korrigiert sie: Die Auferstehung des Lazarus passiert HIER und JETZT. So wie er (Jesus) selber mitten im Leben, unter den Menschen in der Gemeinschaft lebt und wirkt: HIER und JETZT als Sohn des Vaters, der lebendig macht. Lebendig machend im Lieben, Weinen und Erschüttertsein, im Mitleiden mit anderen Menschen. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“, sagt er.
Abschließend ein Gedanke: Hinter allen Erklärungsversuchen von Exegeten, Theologen, Wissenschaftern steht das „Geheimnis des Glaubens“.
In diesem Sinne einen gesegneten 5. Fastensonntag!
Christa Heiß
Gröbming