WORT ZUM SONNTAG
06.03.2026 Wort zum SonntagVom Fragen…
„Wer hat 21 Augen und kann doch nicht sehen?“ Solche oder ähnliche Fragen begegnen mir bei meinen Wanderungen auf dem Natur- und Umwelterlebnispfad am Sattelberg in der Ramsau immer wieder. Es ist natürlich eine Scherzfrage, ...
Vom Fragen…
„Wer hat 21 Augen und kann doch nicht sehen?“ Solche oder ähnliche Fragen begegnen mir bei meinen Wanderungen auf dem Natur- und Umwelterlebnispfad am Sattelberg in der Ramsau immer wieder. Es ist natürlich eine Scherzfrage, die nicht so ganz ernstgemeint ist. Zurück im Alltag bin ich dann schnell mit den vielen tiefgehenden Fragen konfrontiert, die Menschen so haben.
Das „Fragen“ – dazu lässt sich viel sagen. Es kann mir helfen, eine Lücke in meinem Wissen zu schließen. Das Fragen kann mir auch gänzlich Neues erschließen. Es kann mich aber auch einfach nerven, wenn es zum falschen Zeitpunkt kommt. Kaum eine andere Form menschlicher Kommunikation kann zu so unterschiedlichen Ergebnissen führen. Denn die Wirkung, die ich erziele, die hängt von vielen Dingen ab, von der Situation und auch von meinen Formulierungen. Da gibt es simple Fragen wie die nach dem Weg oder nach der Uhrzeit. Hier ist eine klare Antwort gefragt und keine Erörterung „Was ist Zeit?“ oder eine Gegenfrage. Dann gibt es aber auch sehr komplexe Fragen, wie die nach der Ungerechtigkeit in der Welt oder warum Unschuldige bei einem Unfall sterben. Da ist eine Antwort in einem Halbsatz nicht angebracht und unbefriedigend.
Auch in der Bibel spielen Fragen eine große Rolle. Rund 3300 kommen im Alten und Neuen Testament vor. Schon ganz zu Beginn hat eine von ihnen weltverändernde Auswirkungen. Die Schlange fragt Adam und Eva: „Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?“ (1 Mose 3, 1)
Und schon ist das Misstrauen gesät zwischen Gott und den beiden ersten Menschen! Diese erste Frage weckt Zweifel an den Regeln – aber auch das Interesse an Neuem.
Nun ist Fragen nichts Schlechtes. Gott hat uns Menschen mit der Fähigkeit dazu geschaffen. Er wollte keine Roboter, denen er Befehle gibt und die diese dann Stück für Stück abarbeiten. Gott schuf ein Gegenüber, das sich bewusst für ihn entscheiden kann – und das Rückfragen stellt.
Auch Jesus hat den Menschen immer wieder Fragen gestellt. Im Neuen Testament sind mindestens 30 Fragen von Jesus aufgeschrieben. Sehr oft antwortet Jesus auf Fangfragen seiner Gegner mit einer neuen Frage. Doch die ist anders als die der Schlange. Ihre Frage ist ja manipulativ, denn eigentlich ist die Antwort klar: Gott hat das Essen der Früchte eindeutig verboten.
„Glaubt ihr denn, dass ich euch helfen kann?“ (Matthäus 9, 28) Das ist eine typische Frage von Jesus. Zwei Blinde, die geheilt werden wollen, stellen sie ihm. Solche Fragestellungen lassen den Menschen die Entscheidung offen. Sie sind echte Fragen und öffnen Wege, die uns wieder zu Gott führen. Denn Gott sucht uns vom Anfang an bis zum Ende – das drückt auch seine erste Frage an Adam aus: „Wo bist du?“ (1 Mose 3, 9)
P.S.: Die Antwort auf meine Scherzfrage ist natürlich: Der Würfel… Die beiden Blinden antworten Jesus übrigens: „Ja, Herr!“ Danach hat Jesus keine Fragen mehr und sagt: „Was ihr mir zutraut, das soll sich erfüllen.“ Danach konnten beide sehen.
Dr. Bernhard Hackl
Evang. Pfarrer
