Auf dem Boden der Realität
Ja, die guten alten Zeiten! Früher war alles besser. Ach, wenn wir doch das Rad der Zeit zurückdrehen könnten…
Es passiert uns manchmal, dass wir die Vergangenheit durch eine verklärte Brille betrachten. Daran ...
Auf dem Boden der Realität
Ja, die guten alten Zeiten! Früher war alles besser. Ach, wenn wir doch das Rad der Zeit zurückdrehen könnten…
Es passiert uns manchmal, dass wir die Vergangenheit durch eine verklärte Brille betrachten. Daran ist nichts Schlechtes zu finden, dass wir frühere Zeiten unseres Lebens in „bester Erinnerung“ haben. „Woaßt noch, domois…“ – Das Erzählen dieser wunderbaren Erlebnisse aus der Jugendzeit beschert uns manche frohe Momente in der Gegenwart. Wir können darüber lachen und uns wundern. Daraus schöpfen wir Kraft, verbunden mit der Hoffnung, dass diese frohen Zustände wieder einmal kommen könnten oder sollten. Wir leben in der Gegenwart, gestärkt durch gute Erinnerung aus der Vergangenheit. Gelingt es uns wirklich, darauf unsere Zukunft aufzubauen? Oder bleiben wir an den Träumen aus der Vergangenheit hängen? Hindert uns vielleicht sogar die verklärte Sicht auf die Vergangenheit daran, die Probleme der Gegenwart anzupacken? Weil der verklärte Blick auch ein enttäuschter Blick ist: Es wird eh nie mehr so, wie es früher war.
In den katholischen Kirchen wird am 2. Sonntag der Fastenzeit die Perikope über die „Verklärung Jesu“ zu Gehör gebracht. Das Matthäus-Evangelium (Mt 17,1- 9) erzählt davon, wie Jesus vor den Augen von Petrus, Jakobus und Johannes „auf einem hohen Berg“ in eine leuchtende Gestalt „verwandelt“ wird. „Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija und redeten mit Jesus.“ Petrus möchte diese wunderbare Situation festhalten und hier auf dem Berg an Ort und Stelle für diesen Zweck drei Hütten bauen – eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elija. Dazu kommt es nicht. Jesus fasst die Jünger an und forderte sie zum Aufstehen auf. Sie müssen wieder vom Berg hinunter.
Hinunter in die „Niederungen“ des Alltagslebens. Hier auf dem Boden der Realität gibt es viel zu tun für uns Menschen. Die Erinnerung an „gute, alte Zeiten“ und die Hoffnung auf „bessere Zeiten“ sollten uns ermutigen, jetzt das Beste aus dieser Welt zu machen.
OStR Mag. Karl Edegger
Öblarn Religionsprofessor am BG/BRG Stainach