WORT ZUM SONNTAG
20.02.2026 Wort zum SonntagErster Fastensonntag
„…und siehe, es kamen Engel und dienten ihm (Jesus)“, so hören wir am Ende des Evangeliums vom 1. Fastensonntag. Was geschah vorher? Was berichtet Matthäus im 4. Kapitel, das die Engel veranlasst, Jesus zu dienen?
Das ...
Erster Fastensonntag
„…und siehe, es kamen Engel und dienten ihm (Jesus)“, so hören wir am Ende des Evangeliums vom 1. Fastensonntag. Was geschah vorher? Was berichtet Matthäus im 4. Kapitel, das die Engel veranlasst, Jesus zu dienen?
Das Kapitel ist überschrieben mit: „Die Versuchung Jesu“. Wenn ich das Wort „Versuchung“ näher betrachte, entdecke ich die beiden Wörter Suche und Versuch. War Jesus also auf der Suche oder hat er einen Versuch gemacht? Schlägt man im Wörterbuch nach, woher das Wort Versuchung kommt, so stößt man auf das mittelhochdeutsche Wort „versuochunge“, das so viel wie Prüfen, Erproben oder Kosten bedeutete – an sich ja nichts Schlechtes.
Heute bezeichnet Versuchung im religiösen Sinn einen starken Anreiz, ein verführerisches Verlangen, eine Aufforderung, eine Verlockung, eine Handlung zu begehen, die oft gegen moralische Prinzipien, Regeln oder die eigene Vernunft verstößt. Da kommt auch der Versucher (auch Teufel genannt) ins Spiel, der jemanden vom göttlichen Weg abbringen will, den Glauben auf Alltagstauglichkeit testen will. Die Frage, die sich dabei regelrecht aufdrängt, ist: Ist Jesus, der Sohn Gottes, auch versucht worden? Kann Jesus überhaupt versucht werden als Gottes Sohn? Es ist wohl, weil Jesus zugleich Gott und ganz Mensch ist und er uns zeigen will, wie wir damit umgehen sollen. Jesus wurde versucht zu mehr Haben-wollen, zu mehr Ruhm und zu mehr Macht. Der Teufel wollte also Jesus hereinlegen, aber Jesus lässt sich nicht herausfordern. Er will und braucht nichts von dem, was ihm der Versucher anbietet, denn er vertraut nur auf Gott, seine Liebe und Treue. Was kann das für uns Menschen bedeuten? So viele größere und kleinere Verlockungen, Versuchungen (nicht nur die süßeste Versuchung) und Verführungen begegnen uns in unserem Leben. Manche sind ganz offensichtlich, manche auch unscheinbar. Soll ich ihnen nachgeben oder widerstehen? Das ist meine Entscheidung und wahrlich nicht immer einfach zu treffen. Meist gehört auch gro- ßer Mut dazu, dem vordergründig Coolen zu widerstehen. Wer will nicht genießen, berühmt sein oder etwas Macht haben? Ich bin kein Mensch der großen Fastenvorsätze, aber in den kommenden 40 Tagen der Fastenzeit nehme ich mir vor, zu überdenken und mir bewusst zu machen, was so meine größeren und kleineren Versuchungen sind, die mich vom Weg der Liebe abbringen wollen. Ein paar fallen mir sofort ein: Aufschieberitis, nicht nein sagen können, Zeit im Internet usw. Vielleicht gelingt es mir durch das Bewusstmachen sogar, das nächste Mal zu widerstehen, denn die Aussicht ist einmalig: „…und siehe, es kamen Engel…“
Barbara Riemelmoser
Religionslehrerin
