WORT ZUM SONNTAG
28.11.2025 Wort zum SonntagGott begibt sich auf Talfahrt
Erstaunliche Bauwerke gibt es viele. Sie aber ist beeindruckend: die Huanjing-Brücke mit einer Höhe von 625 Meter. Doppelt so hoch wie der Eiffelturm. Ende September wurde sie in der chinesischen Provinz Guizhou, dem Eldorado der ...
Gott begibt sich auf Talfahrt
Erstaunliche Bauwerke gibt es viele. Sie aber ist beeindruckend: die Huanjing-Brücke mit einer Höhe von 625 Meter. Doppelt so hoch wie der Eiffelturm. Ende September wurde sie in der chinesischen Provinz Guizhou, dem Eldorado der Brückenbauer, eröffnet. In leuchtendem Türkis überbrückt die Hängebrücke eine gewaltige Schlucht. Nun braucht es keine zwei Stunden mehr, um über das Tal zu kommen, sondern angeblich nur noch zwei Minuten. Überhaupt gilt die gebirgige Provinz Guizhou als „brückenreich“ – etwa 32.000 Brücken gibt es bzw. befinden sich in Planung.
Wir wissen: wo viele Brücken, da gibt‘s auch viele Täler. Was aber passiert in Folge mit diesen Tälern? Vermutlich kommen dort (noch) weniger Leute hin. Denn der Weg runter und dann wieder rauf ist mühsam. Die Täler sind nicht mehr von Interesse. Täler zu überwinden ist aber nicht nur ein Ziel von Brückenbauern und Ingenieuren. Denn die Täler gibt es auch in unserem eigenen Leben. Niemand will freiwillig durch ein „finsteres Tal“ gehen. Denn das ist immer anstrengend. Es geht hinunter und dann wieder hinauf. Wer beim Wandern ganze Täler quert, weiß um die Strapazen. Darum versuchen wir nicht nur beim Wandern sondern auch im persönlichen Leben diese Täler zu vermeiden, zu umgehen, zu überqueren, sie hinter uns zu lassen, Brücken zu bauen. Und das ist auch gut so. Aber was, wenn wir das nicht hinkriegen?
Der sehr bekannte 23. Psalm hat in diesem Zusammenhang schon viele Menschen durchs Leben begleitet. Ein vertrauter Vers daraus lautet: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“
Gott baut Brücken, auch in unserem Leben. Aber noch viel wichtiger: In Jesus Christus kommt er zu uns herunter, bis hinunter in die finsteren Täler. Er wandert mit uns im Tal. Er nimmt sich die Zeit, die Tiefen zu durchqueren. Mit uns gemeinsam. Auf- und ab. „Deshalb fürchte ich kein Unglück“, heißt es in Psalm 23. Deshalb auch darf uns gerade in dieser beginnenden Adventzeit ein „Licht aufgehen“. Denn der allmächtige Gott ist auch in den Tälern nicht fern. Woran kann das greifbarer werden als am Kreuz Christi? Jesus Christus, das Licht der Welt, baut eine Brücke zum Vater und begibt sich gleichzeitig in das tiefste menschliche Tal hinein. Das Tal von Einsamkeit, Verrat, Leid, Not und Tod. Und ja, dieses Tal ist finster, aber sein Licht ist stärker.
Brücke und Tal. Jesus, der Brückenbauer und Taldurchquerer. Das ist eine der absolut staunenswerten Seiten des lebendigen Gottes. So wissen wir: Er meint es ernst mit seiner Liebe zu uns. Die Gewissheit seiner Nähe begleite Dich jeden Schritt des Weges – über Brücken und durch die Täler!
Eine lichtvolle Adventzeit wünscht
Pfarrerin Martina Ahornegger
