Spuren im Sand
Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich mit meiner Familie am Strand. Der Sand ist warm von der Sonne, und vor mir ziehen sich Spuren durch die Weite: Fußabdrücke, mal dicht nebeneinander, mal einsam und vereinzelt. Einige sind tief und ...
Spuren im Sand
Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich mit meiner Familie am Strand. Der Sand ist warm von der Sonne, und vor mir ziehen sich Spuren durch die Weite: Fußabdrücke, mal dicht nebeneinander, mal einsam und vereinzelt. Einige sind tief und deutlich, andere flüchtig, schon vom Wind verweht oder von den Wellen sanft ausgelöscht.
Diese Bilder lassen mich innehalten. So wie im Sand hinterlassen wir auch im Leben Spuren – bewusst oder unbewusst. Mal sind sie klar sichtbar, mal kaum zu erkennen. Manchmal gehen wir Seite an Seite mit anderen, manchmal glauben wir, ganz allein unterwegs zu sein. Doch der Glaube erinnert uns: Wir sind nie wirklich allein. Gott geht mit, auch wenn wir seine Spuren nicht immer sehen. Gerade in schweren Zeiten begleitet er uns, trägt uns vielleicht sogar, ohne dass wir es merken.
Auch im Alltag hinterlassen Menschen Spuren bei uns. Oft erkennen wir es erst im Rückblick: ein gutes Wort, eine helfende Hand, ein gemeinsames Lachen. Auf dem Land, wo die Strukturen kleiner und überschaubarer sind, spüren wir das besonders deutlich. In der Gemeinde, in Vereinen, in der Nachbarschaft – überall zeigt sich, wie viele kleine Beiträge ineinandergreifen und Gemeinschaft gestalten. Es sind diese unscheinbaren Momente, die unsere Strukturen lebendig machen und das Miteinander spürbar werden lassen.
Besonders sichtbar wird das in den Familien. Jeder hinterlässt dort Spuren – in Worten, in Gesten, im täglichen Zusammensein. Oft sind es kleine Eindrücke, die dennoch tief wirken und ein Leben lang begleiten. Ich denke dabei besonders an meine Großeltern, die mir viel mitgegeben haben und deren Spuren ich in meinem Leben immer wieder entdecke. Dafür bin ich dankbar. Vielleicht lohnt es sich für uns alle, genauer hinzuschauen und hinzuhören, wer in unserem Leben solche bleibenden Spuren hinterließ – und es noch immer tut.
So wünsche ich uns, dass wir die Spuren, die andere hinterlassen, bewusster wahrnehmen. Und dass wir selbst Spuren des Miteinanders setzen – im Vertrauen darauf, dass Gott uns begleitet und unsere Wege mitträgt.Dann werden unsere Spuren, so vergänglich sie auch sein mögen, zu Zeichen der Hoffnung, der Gemeinschaft und der Verbundenheit.
Gregor Radlingmaier, Universitätsassistent und AHS-Lehrer