WORT ZUM SONNTAG
27.06.2025 Wort zum SonntagZukunft – Hoffnung – mit dem Adler fliegen
Im ersten Korinther 13,13 finden wir das Wort „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Größte aber von diesen ist die Liebe.“
Nach diesem Hohelied der ...
Zukunft – Hoffnung – mit dem Adler fliegen
Im ersten Korinther 13,13 finden wir das Wort „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Größte aber von diesen ist die Liebe.“
Nach diesem Hohelied der Liebe-Wort reicht „Hoffen“, wie „Glauben“ und „Lieben“ bis in das Bleibende unseres Lebens. Aber was dürfen wir hoffen?
Mehr als 200 Passagen in der Bibel beschäftigen sich auf unterschiedlichste Weise mit Hoffnung. Als Hoffende gehören Christinnen und Christen in den Kreis der geschichtlichen Verhei- ßungen Gottes an seine Kinder und der Versuche dieser Menschen, der biblisch verheißenen Zukunft treu zu sein, indem sie sie erkennen und danach handeln. Christinnen und Christen hoffen für ihren Ort, für ihr Land, für die Erde. Sie verleihen ihrer Hoffnung gesellschaftliche Relevanz und Gestalt, sie reden entscheidend mit. Besonders in Widerfahrnissen von Nöten, Leiden, Kriegen und vielen Herausforderungen bewähren sich an Jesus Christus glaubende Menschen, denn ER ist erweckt aus dem Tode und „zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren“ (1Petr 1,3).
Sich mit den Konfliktherden in der Welt auseinanderzusetzen, aber auch individuelle Konfliktlösungen im kleinsten Rahmen aus der Kraft des Hoffens neu zu denken und aus Glauben zu überwinden: Die Hoffnung ist der Schlüssel, der Glaube aber bringt den Schlüssel ins Schloss und dreht ihn um, damit sich die Tür in eine göttliche Perspektive öffnet.
Sowohl für Juden als auch für Christinnen und Christen ist das Hoffnungsziel ihre Befreiung, das heißt der „Ausbruch“ aus jeder irdischen Enge. Diese Befreiung ist das Ziel, das Gott unserem unbeirrten Vertrauen gesetzt hat.
Diese Zielgerichtetheit verlangt nach stetig wachsendem Vertrauen in Gott und Seinen Plänen mit uns.
Das Neue, auf das uns Gott ansetzt, steht nicht allein in der Zeit, sondern drückt sich qualitativ in einem neuen christlichen Denken aus: Es ist ein von ihm uns gegebenes Ziel ausgerichtetes Hoffen. Das hören wir aus den vielen alt- und neutestamentlichen Verheißungen, dass er uns zum Miteinander, zur Einheit, zur Mitfreude einlädt, in biblischer Zuversicht intensiver und weiter zu hoffen, zu glauben und zu lieben.
Hier hören wir zuerst das Wort aus Jeremia 29,11: „Denn ich kenne die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht zum Leiden oder Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu ge- währen.“ Doch hilft uns auch diese Verheißung nicht darüber hinweg, dass wir zuerst nur in einer Zuversicht dessen hoffen können, „was man nicht sieht“ (Hebr 11,1): „Der Glaube aber ist eine Wirklichkeit dessen, was man hofft, ein Überzeugt-Sein von Dingen, die man nicht sieht.“
Gezeichnet sind viele Menschen in unserer Gesellschaft von einer diffusen Ziel- und Hoffnungslosigkeit, deren Abgrund darin besteht, sich zunehmend einer nicht mehr fassbaren „Realität“ gegenüber zu sehen. Aber auch das eigene menschliche Ende steht unserem grundsätzlichen Hoffnungswillen entgegen. Wenn wir jedoch unser Leben weiter auf Glauben und Vertrauen setzen, auf Jesus Christus, ist das die Befreiung von jedem „Ende“, und das heißt, dass wir (dieses) Hoffen neu denken dürfen und neu denken können.
Ein letztes Mal: Herzlichst Ihr Pfarrer
Dr. Meinhard Beermann