„Ich kann Gott nicht verstehen…“ Diesen Satz höre ich oft. Und ehrlich: Ich kann es auch nicht. Besonders nicht, wenn Menschen leiden – wenn eine Mutter ihr Kind verliert, ein Vater am Grab seiner Frau steht, ein junger Mensch mit einer schweren Diagnose lebt. Dann ...
„Ich kann Gott nicht verstehen…“ Diesen Satz höre ich oft. Und ehrlich: Ich kann es auch nicht. Besonders nicht, wenn Menschen leiden – wenn eine Mutter ihr Kind verliert, ein Vater am Grab seiner Frau steht, ein junger Mensch mit einer schweren Diagnose lebt. Dann fehlen auch mir die Antworten. Aber ich glaube: Gott fehlt nicht. Er ist da – nicht als Erklärung, sondern als Gegenwart. Als Nähe. Als Kraft. Am Kreuz, im Leid, in der Liebe. Denn unser Gott ist nicht fern, sondern kommt uns so nahe, dass er sogar Mensch geworden ist. In Jesus. Und noch näher: Er wohnt in unseren Herzen durch seinen Heiligen Geist.
Am Dreifaltigkeitssonntag feiern wir dieses große Geheimnis: Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist – und doch ein Gott. Nicht drei Götter, nicht drei Rollen - sondern drei Personen in ewiger Liebe verbunden. Ein göttliches Miteinander. Ein Wir, das unser Ich trägt.
Gott ist größer als unser Denken. Und das ist gut so. Der englische Schriftsteller Graham Greene hat einmal gesagt: „Ich würde mich weigern, an einen Gott zu glauben, den ich verstehen könnte.“ Und doch lässt Gott sich erkennen – im Zeichen des Kreuzes, das uns durchs Leben begleitet: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Von der Taufe bis zum Grab.
Ich glaube an diesen Gott, weil ich ihn nicht nur in der Frage spüre, sondern auch in der Antwort. Wenn zwei Menschen sich lieben. Wenn Versöhnung gelingt. Wenn ein Neuanfang geschieht. Wenn jemand in schwerer Zeit sagen kann: Ich halte durch, weil ich nicht allein bin. Wenn meine Hoffnung wächst und blüht.
Vielleicht werden wir vieles erst am Ende begreifen. Vielleicht wird manches, was heute wie ein Bruch wirkt, sich einmal als Teil einer größeren Melodie erweisen. Gott schreibt keine geraden Lebenslinien – aber er führt sie alle zu einem guten Ziel.
Deshalb feiern wir die Dreifaltigkeit: Nicht um alles zu verstehen, sondern um zu staunen. Um zu vertrauen. Und um zu sagen: Dieser Gott ist größer als mein Herz – und doch ganz nah. Nicht erklärbar, aber erfahrbar. Nicht begreifbar, aber verlässlich.
Er bleibt. Immer. Und das genügt.
Adrian Aileni
Pfarrer im Seelsorgeraum Mittleres Ennstal u. Paltental