WORT ZUM SONNTAG
23.05.2025 Wort zum Sonntag„Papa, Papa, was hast du uns mitgebracht?“ – So haben früher meine Geschwister und ich meinen Vater bestürmt, wenn er von einer längeren Reise nach Hause kam. Da war für uns selbstverständlich: er beschenkt uns. Er gibt uns irgendetwas. Dabei konnten wir ...
„Papa, Papa, was hast du uns mitgebracht?“ – So haben früher meine Geschwister und ich meinen Vater bestürmt, wenn er von einer längeren Reise nach Hause kam. Da war für uns selbstverständlich: er beschenkt uns. Er gibt uns irgendetwas. Dabei konnten wir uns über alles Mögliche freuen, z.B. über eine Brosche oder ein Andenken oder sonst irgendetwas.
So ging es uns als Kinder – als Erwachsene sieht nun alles anders aus. Wir tun uns so schwer, uns beschenken zu lassen. Wir wollen uns etwas erarbeiten, wollen bezahlt werden, wollen das Gefühl haben: Ja, ich habe das selbst geschafft. Geschenke in kleinen Maßen sind okay, sofern ich sie wieder erwidern kann. Aber wenn sie zu groß werden und mich in eine Abhängigkeit bringen, dann kommen sie mir wie Almosen vor, und das will ich nicht. Ich will nicht darauf angewiesen sein.
Und gerade darauf legt Jesus den Finger – etwa im Matthäusevangelium 18, 3: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen, in die Herrschaft Gottes, in seinen Einflussbereich, unter seine Regie, in seine Wirklichkeit.
Jesus sagt: Du kannst dir das nicht kaufen, du kannst es dir nicht erarbeiten, so sehr du dich auch bemühst. Du kriegst es nicht hin. Das sind die beiden liebsten Dinge, die wir tun, sondern lasse dich wie ein Kind beschenken. Strecke einfach unverschämt, fröhlich die Hände aus, die leeren Hände! Hör endlich auf mit dem: ich habe ja etwas anzubieten. Das ist typisch Religion: wir wollen etwas geben, damit wir etwas bekommen. Und da gibt es die schrägsten Formen. Es werden auch Geschäfte damit gemacht: Wenn du viel gibst, dann wirst du viel erhalten. Das ist das Verlogenste, was es überhaupt gibt. Es ist etwas typisch Heidnisches. Wir geben, damit wir empfangen. Wir glauben: Gott muss etwas gegeben werden, damit er uns segnet. Die Voraussetzung ist aber:
Kehrt um, werdet wie die Kinder – lasst euch beschenken!
Das hat Jesus einem der führenden Männer Israels gesagt, dem Nikodemus. Der kommt zu ihm und Jesus sagt ihm: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren wird, sonst kann er nicht in die Gottesherrschaft kommen, wie ein Kind neu geboren wird (Johannes 3).
Das heißt also im Klartext: Du kannst es nicht selbst machen, es geschieht dir. Durch die Vergebung der Sünden, die Jesus auch für dich am Kreuz erworben hat, und zweitens durch das Erfülltwerden mit dem Schöpfergeist Gottes. Darauf kommt es an. Und das muss Gott geben, und jeder kann es haben. Denn es wird geschenkt gegeben.
Wir brauchen nur umkehren, ihm die leeren Hände hinstrecken und werden wie die Kinder und sagen: Danke Herr Jesus, dass du mir alles vergibst, was nicht gut war in meinem Leben; dass du mich wieder annimmst, dass ich jetzt zu dir gehören darf. Mache nun etwas aus meinem Leben! Mein Leben soll widerspiegeln, was es heißt, dich zu kennen und zu lieben. Ich möchte die Geschenke, die du mir gibst, weitergeben an Menschen in meiner Umgebung. Amen.
Mag. iur. Friedrich Rößler MTh
Pfarrer
8970 Schladming