WORT ZUM SONNTAG
04.04.2025 Wort zum SonntagDie Lasten des Lebens tragen
In Papua-Neuguinea im pazifischen Ozean haben die Einwohner und Einwohnerinnen alle ein sogenanntes Bilum. Das ist eine große Tasche, die für viele Zwecke eingesetzt werden kann. Einerseits schenken sich die Menschen so ein Bilum ...
Die Lasten des Lebens tragen
In Papua-Neuguinea im pazifischen Ozean haben die Einwohner und Einwohnerinnen alle ein sogenanntes Bilum. Das ist eine große Tasche, die für viele Zwecke eingesetzt werden kann. Einerseits schenken sich die Menschen so ein Bilum gegenseitig als Zeichen der innigen Freundschaft, andererseits werden mit dieser Tasche die Früchte der Feldarbeit transportiert, Einkäufe vom Markt oder Geschäft nach Hause getragen. Für Schülerinnen und Schüler dient sie zum Tragen der Schulsachen und für andere wiederum als Aktentasche für Ordner, Bücher oder sonstige Unterlagen. Selbst kleine Babys werden mit diesem Bilum in Geborgenheit umhüllt und getragen.
In der Passionszeit hängen die Menschen Papua-Neuguineas ein großes Bilum an die Kreuze in den Kirchen. Damit wird symbolisiert und daran erinnert, wofür der Leidensweg Christi bis zum Tod am Kreuz für uns Menschen gegangen worden ist. Untermauert wird dieses Arrangement mit dem Satz: „Jisas i karim hevi bilong yumi“ – zu Deutsch: „Jesus trägt unsere Lasten!“
In der Passionszeit sollen wir immer wieder auch daran denken, dass wir mit unserer Schuld und mit unseren Lasten nicht alleine gelassen sind, sondern Christus sich an unsere Seite stellt, um uns dabei zu helfen. Er trägt alles, was unser Leben schwer macht, ohne dass dieses Bilum reißt, egal wie vollgefüllt es auch sein mag. Er hält die Lasten aus – bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz.
Aber was bedeutet das eigentlich: Jesus trägt am Kreuz unsere Sünden, unsere Schuld? Es soll uns vergegenwärtigen: Jesus begleitet uns und trägt alles für uns, trägt es mit! Mit allen unseren Sorgen und Nöten dürfen wir zu Jesus kommen. Er will uns die Last abnehmen.
Und wenn wir trotzdem manchmal das Gefühl haben: ich halte meine Last nicht aus, ich bin mit allem überfordert, meine Sorgen drohen mich zu überwältigen, meine Ängste zu groß zu werden; oder mich quält meine Krankheit, ich habe Angst, daran zu zerbrechen, meine Hoffnung schwindet und meine Kraft reicht nicht aus; oder so viel anderes mehr, was uns im Leben bedrückt und bedrängt – gerade dann ist das Bild von dem „Bilum“ am Kreuz ein Hoffnungsträger darauf zu vertrauen, dass wir in Jesus einen Begleiter haben, der unsere Lasten mitträgt oder sie sogar ein Stück weit abnimmt!
Denn auch von Jesus wird erzählt, dass er zweimal zusammenbrach, als er sein Kreuz zur Hinrichtungsstätte trug. Beide Male kam er mit Hilfe anderer Menschen wieder hoch, denn manchmal brauchen wir andere Menschen, die unser Kreuz zumindest eine kleine Wegstrecke für uns tragen, wodurch uns verdeutlicht wird: Jesus, Gott selbst trägt unsere Lasten mit, auch wenn wir es vielleicht nicht merken. „Verlier nicht die Geduld, inmitten aller Schuld ist Gott am Werke! Denn der in Jesus Christ ein Mensch geworden ist, bleibt unsre Stärke!“ (EG 623,4)
Gernot Hochhauser