WORT ZUM SONNTAG
04.10.2024 Wort zum Sonntag27. Sonntag im Jahreskreis
Das heutige Evangelium aus dem Markus-Evangelium im 10. Kapitel hält uns heute zwei Aspekte vor Augen. Im ersten Aspekt lehrt Jesus, dass niemand seine Frau entlassen dürfe, auch wenn Mose dies im Gesetz vorgesehen habe. Er ...
27. Sonntag im Jahreskreis
Das heutige Evangelium aus dem Markus-Evangelium im 10. Kapitel hält uns heute zwei Aspekte vor Augen. Im ersten Aspekt lehrt Jesus, dass niemand seine Frau entlassen dürfe, auch wenn Mose dies im Gesetz vorgesehen habe. Er verschärft dies noch durch seine Aussage: „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.“ (Mk 10, 11-12) Der zweite Aspekt betrifft die Kindersegnung. Menschen, die die Kinder segnen lassen wollen, werden von den Aposteln zurückgewiesen und die Apostel kassieren dafür eine Rüge von Jesus, der ausdrücklich sagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen (…).“ (Mk 10, 14)
Der erste Punkt scheint der heutigen Gesellschaft und Lebensrealitäten fern zu sein. Immer wieder hört man, es würden die Ehescheidungen steigen oder konstant hoch bleiben. Und dennoch hält die römisch-katholische Kirche fest, dass diese Ehe unauflöslich, d. h. untrennbar, sei. Selbst aus dem eigenen Familienumfeld erfährt man, dass Paare, die teilweise über 30 Jahre miteinander gelebt haben, auf einmal sich scheiden. Die Gründe hierfür sind derlei viele. Es betrifft also nicht nur die jungen Generationen, sondern kann auch die älteren Generationen treffen. Nimmt man dieses Faktum, scheint die Haltung der römischen Kirche und die Haltung der Kirche, wie bereits gesagt, realitätsfern. Dennoch bleibt es eine Herausforderung, denn Jesus tritt hier als Prophet und Gesetzeslehrer auf und in seinen Aussagen, die hier zu lesen sind, sind vermutlich bereits von frühchristlichen Erfahrungen und der Naherwartung des zweiten Kommens Jesu geprägt. Also ist es nicht relevant, allein Ausdruck der damaligen Zeit? Hier scheint, die Schrift und Jesus uns ein Gegenwelt aufzuzeigen. Bindung bis zum Lebensende wird nach dieser Bibelstelle zum Garanten geglückten Lebens. Dabei wird wohl es gut sein, sich vorerst kennen zu lernen, ja vielleicht sogar ein paar Jahre in sogenannter „wilder Ehe“ zu leben.
Denn es ist wie bei tiefen Freundschaften, die man normalerweise an einer Hand abzählen kann, sie brauchen Zeit, um eine Atmosphäre des Vertrauens aufzubauen, dass ich dann mich später bei einem guten Freund oder guten Freundin wie ein Kind vertrauensvoll gegenüber den Eltern öffnen kann. So ist es wohl auch in der Ehe. Es ist also eine provokante Anfrage, an unseren Freundschaftsbegriff im Allgemeinen und dann im Besonderen im Falle der Ehe, die ein besonderer Fall von Freundschaft ist. Und natürlich sollte erwähnt werden: Jede Freundschaft und Ehe ist was Eigenes und daher kann an dieser Stelle nur aus den eigenen Beobachtungen im eigenen Familienkreis abstrahiert – heißt verallgemeinert – geschrieben werden.
Mag. Fr. Petrus Dreyhaupt OSB
Religionslehrer