Zwischen bangen und hoffen
09.01.2026 RegionalesDie Diagnosen Blutkrebs und ein Gendefekt stürzen zwei Familien in ein emotionale Achterbahnfahrt. Bezirkscup-Komitee übergibt Spenden an vom Schicksal geprüfte Menschen.
Im Sommer des vergangenen Jahres trug der „Ennstaler“ den 5. Bezirkscup ...
Die Diagnosen Blutkrebs und ein Gendefekt stürzen zwei Familien in ein emotionale Achterbahnfahrt. Bezirkscup-Komitee übergibt Spenden an vom Schicksal geprüfte Menschen.
Im Sommer des vergangenen Jahres trug der „Ennstaler“ den 5. Bezirkscup aus. Neben der sportlichen Herausforderung steht der Bewerb von Beginn an unter einem karitativen, sozialen Aspekt. Sämtliche Eintrittsgelder werden an unverschuldet in Not geratene Menschen aus der Region gespendet. Auch die Schiedsrichter der Staffel Enns haben sich von Beginn an dem karitativen Gedanken angeschlossen und füllen mit einem eigens organisierten Losverkauf den Spendentopf auf. Ende Dezember übergab das Komitee in Summe über 7000 Euro. Der Betrag kommt zwei Familien aus der Region zugute.
Der kleine Kämpfer Levi
Der zweieinhalb Jahre alte Levi aus dem Enns-Paltental war ein echtes Energiebündel – fröhlich, aufgeweckt und immer in Bewegung. Als kleiner Naturbursche liebte er es, mit seinen zwei älteren Geschwistern draußen zu spielen, über Wiesen zu toben und begeistert jedem Traktor hinterherzuwinken. Ende August hat sich das Leben von Levi und seiner Familie schlagartig verändert und aus einem unbeschwerten Alltag wurde ein Kampf ums Überleben. Die schockierende Diagnose: Akute myeloische Leukämie (AML) – eine seltene und aggressive Form von Blutkrebs. Wenige Stunden später liegt Levi auf der Intensivstation. Keine Zeit zum Verarbeiten – nur Fassungslosigkeit, Angst und tiefe Verzweiflung.
Seit Monaten im Krankenhaus
Levi zählt zu den „High-Risk“- Patienten, was bedeutet, dass seine Leukämie besonders schwer zu behandeln ist und sich damit die Therapie noch intensiver, belastender und langwieriger hinzieht. Eine sofortige Verlegung in einen abgeschirmten Trakt der Kinderonkologie war die Folge. Vor ihm liegt eine monatelange, kräftezehrende Chemotherapie mit unzähligen Eingriffen und schlaflosen Nächten. Doch Levi gibt nicht auf. Mit unbändigem Mut kämpft er sich gemeinsam mit seiner Familie durch jeden einzelnen Tag. Ein persönliches Treffen für die Spendenübergabe war nicht möglich. Levi hat das Krankenhaus seit August kaum einen Tag verlassen können. Um dem Kleinen rund um die Uhr beistehen zu können, hat sich die Familie eine Wohnung in Graz genommen. Praktisch im Schichtbetrieb wechseln sich Familienmitglieder ab und pendeln zwischen Heimatort und der Landeshauptstadt.
Finanzielle Sorgen lindern
Neben der enormen emotionalen Belastung hat die Familie auch hohe Zusatzkosten zu tragen – insbesondere durch die vielen Fahrtkosten und die Unterkunft in Graz. Auf der Webseite gofundme.com wurde ein Spendenkonto eingerichtet, wo direkt unterstützt werden kann. Mit den Spenden sollen zumindest die finanziellen Sorgen gemildert werden, um sich auf das Wichtigste konzentrieren zu können: Die Genesung von Levi.
Regelmäßig in der Notaufnahme
Bei Elli und ihrer Mutter Christine gestaltete sich eine persönliche Übergabe schwierig. Elli und Christine heißen in Wirklichkeit anders, die Redaktion hat die Namen aus Datenschutzgründen geändert. „Die beiden ersten vereinbarten Termine waren Chaostage. An einem davon landeten wir in der Notaufnahme“, erzählt Christine, als ein Treffen im dritten Anlauf gelingt. Besuche in der Notaufnahme seien jedoch keine Seltenheit. „Jeder Tag ist bei uns eine Wundertüte“, beschreibt die alleinerziehende Mutter ihren Alltag.
„Demenz, Parkinson und Autismus“
Die ersten Monate ihres Lebens entwickelt sich Elli unauffällig. Erst dann schöpft ihre Mutter Verdacht, dass etwas nicht passen könnte. Bis es zu einer Diagnose kommt, vergehen weitere Monate im Ungewissen. Nach mehreren Arztbesuchen bei verschiedenen Medizinern folgt die Gewissheit: Elli wurde mit einem seltenen Gendefekt geboren. „Es ist eine Mischung aus Demenz, Parkinson und Autismus“, beschreibt es Ellis Mama.
Rund um die Uhr in Bereitschaft
Elli lebt mit ihrer Mutter und ihrer vier Jahre älteren Schwester im mittleren Ennstal. Ihr Vater konnte die Bürde nicht tragen und verließ die Familie. Das Mädchen baut in Schüben ab, bei denen sie mühsam erlernte Fähigkeiten wieder verliert. Konnte sie vor wenigen Jahren noch an der Hand ihrer Mutter gehen, ist derzeit daran nicht zu denken. Sie muss wie ein großes Baby getragen werden. Auch sprechen kann Elli nicht und schlucken ist schwierig für sie. Die starken Medikamente und ihre Nahrung müssen mittels Magensonde verabreicht werden. Zweimal musste das Mädchen bisher reanimiert werden. Ihr Leben spielt sich zwischen zuhause, verschiedenen Therapien im Umkreis von 100 Kilometern und dem Krankenhaus ab. „Ich hab gar nicht erwartet, dass ich sie so lange haben darf“, sinniert Christine, die 24 Stunden für ihre Tochter in Bereitschaft ist.
Hohe Investitionen
Anschaffungen sind laufend zu tätigen. Die Familie benötigt Hilfsmittel, um ihren Tagesablauf meistern zu können. Und die können ins Geld gehen, denn die Krankenkasse übernimmt vieles, aber nicht alles. Einen Duschsessel hat Christine vor einiger Zeit gebraucht auf der Anzeigenplattform „Willhaben“ erstanden. Der ist aber mittlerweile viel zu klein und es muss ein größerer her. Die Spendenübergabe kam dafür gerade rechtzeitig, denn die Spezialanfertigung kostet 6500 Euro. Somit kann ein großer Teil davon finanziert werden.
Im Sommer geht der „Ennstaler“-Bezirkscup in die sechste Runde. Und auch heuer steht das Turnier wieder unter einem karitativen Stern.

