„Wussten, so geht es nicht mehr weiter
17.04.2026 RegionalesDie Lebenshilfe Ennstal geht neue Wege in der Personalrekrutierung. Seit Mitte März arbeiten zwei Fachkräfte aus Kolumbien in der sozialen Organisation. Zwei weitere Mitarbeitende aus Südamerika werden im Sommer erwartet.
Mit rund 250 ...
Die Lebenshilfe Ennstal geht neue Wege in der Personalrekrutierung. Seit Mitte März arbeiten zwei Fachkräfte aus Kolumbien in der sozialen Organisation. Zwei weitere Mitarbeitende aus Südamerika werden im Sommer erwartet.
Mit rund 250 Mitarbeitenden zählt die Lebenshilfe Ennstal zu den größten Arbeitgebern der Region. Betreut werden jährlich zwischen 1200 und 1400 beeinträchtigte Menschen an den vier Standorten in Liezen, Stainach, Admont und Rottenmann durch Neba-Projekte und die Mobilen Dienste. Die Liste an Leistungen ist lang, dementsprechend groß ist auch der Umfang an benötigten Berufsbildern. Zwar sei man glücklich, über Stammpersonal zu verfügen, doch gebe es trotzdem immer wieder auch Stellen, die es neu zu besetzen gelte, sagt Geschäftsführer Andreas Steer. Eine Herausforderung, die man in der Vergangenheit immer wieder bewältigen konnte. Doch im Sommer des Vorjahres habe sich die Lage derart zugespitzt, dass es „auf drei Stellenausschreibungen keine einzige Bewerbung gab“, klagt Steer. Da man keine neuen Mitarbeitenden gewinnen konnte, habe man versucht, intern umzustrukturieren, doch „Löcher zu stopfen ist keine Dauerlösung“, bringt es der Geschäftsführer auf den Punkt. „Wir wussten, so geht es nicht mehr weiter und haben uns nach anderen Möglichkeiten umgesehen“, erzählt Steer. Diese habe man dann auch mit dem Wiener Fachkräfte-Recruitment-Unternehmen Talent & Care, das in der internationalen Personalvermittlung tätig ist, rasch gefunden. Der Austausch mit der Agentur sei unkompliziert gewesen, Bewerbungsgespräche mit qualifiziertem Fachpersonal aus Kolumbien habe man in Videokonferenzen geführt.
Fachlich und sprachlich kompetent
Die ersten beiden Fachkräfte aus Bogota sind bereits Anfang März in Liezen eingetroffen. Beide haben das Diplom in der Gesundheits- und Krankenpflege, arbeiten jedoch bis zum Abschluss des Nostrifizierungsprozesses in der Pflegeassistenz. Neben den fachlichen Kompetenzen seien auch sprachliche Kenntnisse eine notwendige Anforderung gewesen, sagt Steer: „Beide sprechen Deutsch auf dem Niveau B1 und ihre Sprachgewandtheit steigert sich von Tag zu Tag, was für uns sehr wichtig ist, da die Verständigung mit unseren Kundinnen und Kunden funktionieren muss.“ Lediglich der Dialekt stelle noch eine Hürde dar, fügt Steer hinzu.
Wahl fiel auf Österreich
Dieser neue Weg im Personalrecruiting ist nicht nur für die Lebenshilfe Ennstal ein großer Schritt, auch die beiden Mitarbeitenden „lassen ihr ganzes Leben hinter sich, um in ein Land zu kommen, in dem sie noch nie zuvor waren und um sich klimatischen Bedingungen zu stellen, die ihnen bislang unbekannt waren. Zudem ist auch das Arbeitsumfeld ein komplett anderes, da sie zuvor in einem Krankenhaus tätig waren“, fasst Steer die veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen zusammen. Jobangebote habe es in mehreren europäischen Ländern gegeben. Warum die Wahl gerade auf Österreich gefallen sei, liege vor allem an der niedrigen Kriminalitätsrate, so Steer über die Beweggründe der kolumbianischen Fachkräfte, das Jobangebot der Lebenshilfe Ennstal anzunehmen.
Toleranz, Vielfalt, Inklusion
Aufgrund der guten Erfahrungen, die man in der internationalen Personalvermittlung gemacht habe, wolle man diese Art der Mitarbeitergewinnung vertiefen. Und so erwartet die Lebenshilfe Ennstal die nächsten beiden Mitarbeitenden aus Kolumbien bereits diesen Sommer. „Wir stehen für Toleranz, Vielfalt und Inklusion. Uns ist es egal, aus welchem Land unsere Mitarbeitenden stammen. Wichtig ist, dass sie Empathie für unsere Kundinnen und Kunden mitbringen, die Arbeitshaltung passt und die Ausbildung stimmt“, wie Steer betont.
Neue Angebote in Werkstätten
Neue Wege möchte der Sozialdienstleister jedoch nicht nur in der Fachkräftegewinnung einschlagen, auch das Angebot in den Tageswerkstätten soll sich weiterentwickeln. Seit dem Inkrafttreten der gesetzlichen Neuregelung, dass auch Menschen mit Behinderung in Pension gehen können, seien immer wieder Plätze in den Tageswerkstätten der Lebenshilfe Ennstal verfügbar. Nun sei man bemüht, „neue Betätigungsfelder in den Werkstätten zu schaffen, um vor allem auch für junge Menschen attraktiver zu werden“, sagt Steer. Bereits umgesetzte Vorzeigeprojekte sind der Gartenbau in Raumberg-Gumpenstein, die Kooperation mit dem Imlauer-Hotel Schloss Pichlarn und die beiden Postshops, die die Lebenshilfe Ennstal in Stainach und nun auch in Rottenmann betreibt.
Standorte adaptieren
Neben den Tagesstätten bietet die Lebenshilfe Ennstal auch betreute Wohneinrichtungen für gehandicapte Menschen an. In Liezen wurde Mitte März das neu entstandene Wohnhaus am Fronleichnamsweg eröffnet, in dem der Sozialdienstleister Wohnraum für 14 Kundinnen und Kunden angemietet hat. Dabei handle es sich jedoch um keinen Wohnraum, sondern um eine Verlegung eines bereits bestehenden Standorts, hält Steer fest. Das zuerst als Wohneinrichtung genutzte Gebäude in der Salzstraße in Liezen soll in Kürze adaptiert und einer anderen Verwendung zugeführt werden. Aktuell befinde man sich noch in der Planungsphase. Auch in Rottenmann gebe es konkrete Überlegungen, den Standort der Tageswerkstätte zu erweitern oder zu verlegen. Einen konkreten Zeitplan gebe es hierfür jedoch noch nicht, so Steer, denn „viele Standorte zu erhalten, bedeutet auch hohe Kosten tragen zu müssen. Daher müssen wir sehr gut überlegen, welche Schritte man als nächstes setzt.“



