„Worauf kann ich vertrauen?“
22.05.2026 RegionalesDieser Frage werden die diesjährigen Dachstein-Dialoge vom 18. bis 24. September in Ramsau am Dachstein und Filzmoos auf den Grund gehen. Austragungsorte: Scheunen, Kirchen, Bauernstuben und historische Plätze.
„Die aktuelle Geschichte überrollt ...
Dieser Frage werden die diesjährigen Dachstein-Dialoge vom 18. bis 24. September in Ramsau am Dachstein und Filzmoos auf den Grund gehen. Austragungsorte: Scheunen, Kirchen, Bauernstuben und historische Plätze.
„Die aktuelle Geschichte überrollt uns in einem Ausmaß, das wir zur Gründung der Dachstein-Dialoge nicht annehmen konnten“, bezieht sich Regina Stocker auf die weltpolitischen Geschehnisse. Daher sei es „das Gebot der Stunde, Toleranz und Demokratie“ in den Mittelpunkt zu stellen und „mit Überzeugung gegen diese Entwicklung zu arbeiten – unserer Welt, unseren Kindern, unserer Gesellschaft zuliebe“, so die Obfrau des Festivals für Toleranz. Nach „Wer gehört zu uns?“ beschäftigten sich die diesjährigen Dachstein-Dialoge daher mit der Frage: Worauf kann ich vertrauen?
Vorträge, Diskussionen, Workshops
„Woher weiß ich, dass es die Antarktis wirklich gibt“, fragt Philipp Blom, künstlerischer Leiter des Festivals, der sich selbst eine Antwort gibt: „Weil ich Institutionen, Wissenschaft und Forschung sowie Landkarten vertraue. Vor allem aber, weil ich Menschen vertraue“, so Blom. Dieses Grundvertrauen werde jedoch durch Deepfakes, Verschwörungstheorien und die weltpolitischen Ereignisse immer mehr erschüttert, weshalb „wir uns heuer intensiv diesem Thema widmen möchten“, sagt Blom. Welche Quellen in Zeiten der KI zuverlässig sind, welche Basis es für Vertrauen braucht und wie man Vertrauen fördern und stärken kann, erfahren Festival-Besuchende der Dachstein-Dialoge in Vorträgen, Diskussionen und Workshops in Ramsau am Dachstein und Filzmoos. Neben diesen Veranstaltungsformaten wird es auch zwei Filmvorführungen und eine historische Wanderung geben, die sich mit Bibelschmuggel und heimlichem Protestantismus beschäftigt.
Menschen und Musik im Dialog
Beim diesjährigen Festival werden unter anderem Journalistin Alexandra Föderl-Schmid, Diplomat Wolfgang Petritsch, Migrationsforscher Gerald Knaus, Schriftsteller Christoph Ransmayr, Aktivistin Marlene Engelhorn und Schauspieler Wolfram Berger erwartet. Eröffnet wird die diesjährige Ausgabe des Festivals von der österreichischen Philosophin, Dozentin und Autorin Lisz Hirn mit einem Plädoyer für Urteilsfähigkeit in unsicheren Zeiten. Für musikalische Highlights sorgen das Simply Quartet, Trio Bohémo, Peter Havlicek und AU-Tländisch.family. Aufgrund des großen Erfolgs im Vorjahr werden auch dieses Jahr Late-Night-Konzerte stattfinden. Heuer konnte man dafür den Cellisten Christophe Coin gewinnen, der an drei Abenden in der katholischen Kirche in Ramsau am Dachstein auftreten wird. Zudem werden auch heimische Chöre in Klassikabende eingebunden.
Fördersumme verdoppelt
Die große Bedeutung des Festivals für Toleranz werde auch durch die Verdoppelung jener Fördersumme unterstrichen, die das Land Steiermark zur Verfügung stelle, so Regina Stocker. Zusätzliche Unterstützung kommt von Seiten der Wirtschaft, wie etwa der Planai-Hochwurzen-Bahnen: „Wir engagieren uns nicht nur im Sport- sondern auch im Kultursponsoring. Eine Veranstaltung wie die Dachstein-Dialoge braucht die Welt dringend und daher unterstützen wir sie gerne“, so Marketingleiter Markus Zeiringer.
Orte des täglichen Lebens
Statt in großen Eventzentren finden die einzelnen Veranstaltungen an Orten des täglichen Lebens statt: in Kirchen, Scheunen, Bauernstuben, Gaststätten, Feuerwehrdepots. Neu ist, dass auch der Shuttle-Bus, der Gäste von Veranstaltung zu Veranstaltung bringt, mit einer Lesung und Wein zur Eventlocation wird. Warum man gerade Ramsau am Dachstein und Filzmoos als Austragungsorte für das Festival der Toleranz gewählt hat, begründet Regina Stocker mit tiefen gesellschaftlichen Gräben, die im Zuge der Reformation und Gegenreformation entstanden: „Gerade in unserer Region, die lange Zeit von Konflikten geprägt wurde, ist der Dialog besonders wichtig“, wie sie betont. Nun wolle man „in die Zukunft sehen, aus der Vergangenheit lernen und die Gegenwart aktiv gestalten“, so Stocker.
Freiwillige gesucht
„Zwei Festivalbabys gibt es schon, nun wollen wir das dritte erfolgreich über die Bühne bringen“, sagt Philipp Blom. Neben engagierten Menschen aus der Region haben im Vorjahr Volontiers aus Deutschland und sogar aus London vor Ort unterstützt. Aufgrund der zahlreichen Veranstaltungen hoffe man auch heuer auf Freiwillige jeden Alters, die in unterschiedlichen Aufgabenbereichen der Festivalfamilie unter die Arme greifen wollen, so Blom.


