Am Dachstein regnete es am Montag Sterne: Die Verleihung der Guide-Michelin-Plaketten zeigt, dass Österreich gute Chancen hat, sich international als Kulinarik-Destination zu behaupten. Doch gibt es Regionalität am Teller und Transparenz auf der Speisekarte?
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Am Dachstein regnete es am Montag Sterne: Die Verleihung der Guide-Michelin-Plaketten zeigt, dass Österreich gute Chancen hat, sich international als Kulinarik-Destination zu behaupten. Doch gibt es Regionalität am Teller und Transparenz auf der Speisekarte?
Österreichs Landwirtschaft ist geprägt von kleinstrukturierten Familienbetrieben, die teilweise seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergeführt werden. Die Bäuerinnen und Bauern produzieren nicht nur hochwertigste Lebensmittel, sondern sind auch verantwortlich für die Grundlage des österreichischen Tourismus. Denn nicht zuletzt aufgrund der Landschaft machen Menschen in Österreich Urlaub.
Dass Landwirtschaft, Tourismus und Gastronomie nicht ohne einander können und daher enger zusammenarbeiten müssen, war auch der gemeinsame Tenor am Sonntag im Schladminger Bauernladen Heimatgold: Anlässlich der Guide-Michelin-Feierlichkeiten lud der Verein „Land schafft Leben“ zu einer Diskussionsrunde ein. Vereinsgründer Hannes Royer diskutierte mit seinen Gästen Alois Rainer, Gastronomie-Obmann der Wirtschaftskammer, und Manuel Hofer, Geschäftsleiter des Großhändlers Transgourmet, darüber, warum die österreichische Gastronomie dringend umdenken muss. Das Gespräch wurde im Rahmen der Podcast-Reihe „Wer nichts weiß, muss alles essen“ aufgezeichnet und kann auf allen gängigen Plattformen nachgehört werden.
Österreich am Teller oft Mangelware
Hannes Royer, selbst Bio-Bergbauer aus Rohrmoos, kritisierte die derzeit mangelhafte Partnerschaft zwischen Landwirtschaft und Gastronomie: „Während Bäuerinnen und Bauern unsere Kulturlandschaft hegen und pflegen, setzt die Gastronomie oft auf ausländisches Schweinefleisch fürs Schnitzel – obwohl es genug aus Österreich gäbe.“ Österreichische Lebensmittel seien gefragt, allerdings sei das entscheidende Kaufargument bei vielen Gastronomiebetrieben dann doch der billigere Preis der Importware, erläutert Großhandel-Experte Manuel Hofer. Heimische Lebensmittel könnten mit ausreichender Planung problemlos geliefert werden, betont er und fordert: „Es braucht ein starkes Bekenntnis zur Herkunft Österreich. Die Regionalität muss beworben werden wie eine Top-Marke.“ Fest steht: Die Zukunft des Tourismus entscheidet sich nicht nur auf der Skipiste oder beim Wandern, sondern zunehmend auch am Teller.
Weg von der anonymen Speisekarte
Um die Herkunft eines Lebensmittels gebührend in den Fokus zu stellen, braucht es allerdings Klarheit auf der Speisekarte. Die Podcast-Runde war sich einig, dass eine Herkunftskennzeichnung ein zentraler Hebel sei. Mittlerweile setzen viele Betriebe in Österreich stark auf Transparenz und greifen vorrangig zu heimischen Lebensmitteln. Während Alois Rainer und Manuel Hofer für eine freiwillige Herkunftskennzeichnung plädieren, kontert Hannes Royer: „Österreich hat alles, was es braucht: eine einzigartige Kulturlandschaft, hochwertige Lebensmittel, eine starke touristische Nachfrage und eine kulinarische Top-Liga. Das müssen wir nutzen und uns gegenseitig stärken. Ohne verpflichtende Herkunftskennzeichnung gelingt es aber nicht.“ Warum Landwirtschaft und Tourismus untrennbar miteinander verbunden sind und warum es für die Zukunft des heimischen Tourismus mehr Österreich am Teller braucht, hat „Land schafft Leben“ ausgiebig recherchiert. Der Report „Landwirtschaft, Lebensraum und Tourismus“ steht kostenlos auf www.landschafftleben.at zum Download bereit.