Wir müssen toleranter werden
19.06.2026 Junges EnnstalVergangenes Wochenende zog zum 30. Mal die Regenbogenparade um den Wiener Ring. Eine Demonstration, die wir längst nicht mehr brauchen sollten.
Sie ist laut, bunt und vor allem eines: Eine Demonstration für Menschenrechte und Gleichberechtigung und gegen ...
Vergangenes Wochenende zog zum 30. Mal die Regenbogenparade um den Wiener Ring. Eine Demonstration, die wir längst nicht mehr brauchen sollten.
Sie ist laut, bunt und vor allem eines: Eine Demonstration für Menschenrechte und Gleichberechtigung und gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Seit 30 Jahren zieht die kunterbunte Pride-Parade einmal jährlich im Juni durch die Wiener Innenstadt, um ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen, das es immer noch braucht, obwohl es längst hinfällig sein sollte. Denn wie kann es sein, dass wir 2026 noch Menschen aufgrund ihrer Sexualität diskriminieren? Es ist Liebe, von der wir hier sprechen. Sollte das nicht eigentlich das Schönste auf der Welt sein?
Sinnlos oder notwendig?
Eine Umfrage des Linzer Market-Instituts im Auftrag der Tageszeitung „Der Standard“ zeigt, dass knapp die Hälfte der Befragten die Regenbogenparade für überflüssig halten. Es brauche also eigentlich gar keine Demo für Gleichberechtigung mehr. Dabei ist es erst sieben Jahre her, dass die „Ehe für alle“ in Österreich gesetzlich verankert wurde. Zum Vergleich: In den Niederlanden war dies bereits 2001 der Fall – 18 Jahre früher. Zahlen der letzten Jahre aus dem Gesundheitsministerium zeigen, dass sich in Österreich bis zu 75 Prozent der LGBTIQ (also lesbische, schwule, bisexuelle, trans, inter und queere Personen) aufgrund ihrer sexuellen Orientierung mit alltäglicher Diskriminierung konfrontiert sehen. So ganz unnötig kann die Regenbogenparade ja dann doch nicht sein.
Woher kommt der Hass?
Aber Schluss mit den ganzen Zahlen. Denn alle Studien sind wertlos, wenn die Ergebnisse – und vor allem Einstellungen – sich nicht ändern. Homosexuelle sind vielen Menschen immer noch ein Dorn im Auge. Würde man diesen endlich entfernen, hätten definitiv alle was davon. Die eine Seite mehr Respekt und Gleichberechtigung, die andere weniger Hass und Groll in sich. Aus der Geschichte sollte jede/r zumindest eines wissen: Andere Menschen aufgrund ihres Aussehens, ihrer Religion oder Sexualität anders zu behandeln, hat uns offensichtlich nicht ans Ziel geführt. Aber damit aufgehört haben wir trotzdem nie.
Es fällt sichtlich schwer, die Ursprünge dieses Hasses zu verstehen. Homosexualität stört niemanden, sie tut nicht weh, nimmt keinen Raum ein und hat keinen Einfluss auf das Leben aller, die sie nicht selbst leben. Regenbogenfahnen tun nichts, außer schön auszuschauen – und ein bisschen mehr Farbe zwischen dem Grau des Alltags schadet uns allen nicht.
Dabei ist Homosexualität auch kein neues Phänomen. Sie ist kein Trend, nichts „das man mitmacht“. Homosexualität existiert vermutlich schon, seit es Menschen gibt. Auch bei zahlreichen Tierarten wurde gleichgeschlechtliches Verhalten dokumentiert. Nur dass Tiere keine Regenbogenparade brauchen. Fraglich also, ob wir auch bei Wertvorstellungen die intelligentesten Lebewesen der Erde sind.
Liebe ist keine Bedrohung
Wie schön wäre die Welt, wenn wir jede/n leben lassen und uns auf die Schönheit unseres eigenen Lebens fokussieren würden. Wenn wir allen Menschen dieselben Rechte zugestehen würden und Liebe endlich als das anerkennen, was sie ist: Wertvoll und wunderschön – und die Gewissheit, dass wir alle Menschlichkeit in uns tragen. Was für ein schöner, bunter, fröhlicher Planet wäre diese Erde, wenn wir Liebe nicht als Bedrohung, sondern als Chance und Geschenk sehen würden.
Bis es so weit ist, wird die Regenbogenparade weiter ihre Runden durch die Straßen ziehen. Immer mit der leisen Hoffnung, dass es irgendwann die letzte sein wird.
Elisa Schütz

