„Wir dürfen den Sinn für das Schöne nicht verlieren“
08.05.2026 Junges EnnstalWas der philippinische Nationalbaum mit seinem Künstlernamen gemein hat – und ob der Ennstaler je in seine Heimat zurückkehren wird.
Bühne statt Büro, Mikrofon statt Marketing: Johannes Holzinger hat sich bewusst gegen eine klassische Karriere ...
Was der philippinische Nationalbaum mit seinem Künstlernamen gemein hat – und ob der Ennstaler je in seine Heimat zurückkehren wird.
Bühne statt Büro, Mikrofon statt Marketing: Johannes Holzinger hat sich bewusst gegen eine klassische Karriere entschieden. Dabei schien sein Weg lange vorgezeichnet. Matura am Gymnasium, BWL-Studium in Graz, anschließend ein Marketingstudium in London, dazu ein Auslandssemester in Brasilien. Im Büro sitzt der heute 33-Jährige allerdings nicht mehr. Vor mehr als einem Jahr machte er sich als Singer-Songwriter selbstständig. Seither sind die Bühnen des Landes sein Arbeitsplatz. Unter seinem Künstlernamen Jo Nara veröffentlichte der Musiker sein gleichnamiges Debütalbum, mit Songs auf Englisch und im Dialekt. Warum er seinen heimischen Dialekt als Songsprache wählt, erklärt Johannes so: „Ich spreche ja auch im Alltag Dialekt. Die Emotionen in meinen Liedern kann ich nur in dieser Weise authentisch ausdrücken. Auf Hochdeutsch würden diese niemals so zur Geltung kommen.“
K ünstlernamen und Bäume
Wie die Sprache seine Lieder ist auch sein Künstlername Jo Nara eine Hommage an seine Herkunft, erzählt Holzinger mit einem Lächeln: „Jo kommt von meinem Vornamen. Narra ist der philippinische Nationalbaum.“ Eine Anlehnung an das Herkunftsland seiner Mutter und gleichzeitig ein Wortspiel mit seinem eigenen Nachnamen. „Der Einfachheit halber habe ich das zweite R aber weggelassen. So ist das alles für mich eine runde G’schicht.“ Selbst nach all den Jahren, in denen der Musiker dem Ennstal den Rücken gekehrt hat, ist er seinem Dialekt stets treu geblieben. Wo Johannes aufgewachsen ist, hört man immer nach den ersten paar Sätzen. Nicht nur sein Dialekt, auch die Liebe zur Musik wurde ihm von klein auf mitgegeben. Gemeinsam mit seiner Stimme entwickelte sich das Klavier im Laufe der Jahre zu einem seiner wichtigsten Arbeitsinstrumente – im wahrsten Sinne des Wortes.
„Wir sprechen zu wenig übers Scheitern.“
Nach einigen Jahren in seiner Wahlheimat Wien und etlichen Auftritten als Backgroundsänger – unter anderem für Pizzera und Jaus - veröffentlicht er seinen ersten eigenen Song. Mit dem Start seiner Musikerkarriere erfüllt er sich und einen Traum – und muss gleichzeitig der Realität ins Auge blicken: „Wir sprechen zu wenig übers Scheitern, sondern immer nur vom Erfolg. Es wirkt dann oft so, als wäre der über Nacht geschehen, obwohl niemand sieht, wie oft man davor gescheitert ist. Dabei ist es genauso wichtig, Fehler zu machen und daraus zu lernen.“ Mit Selbstzweifeln und Ängsten hat der 33-Jährige mittlerweile gelernt umzugehen: „Das wichtigste ist, dass man überzeugt ist, von dem was man macht. Man selbst muss daran glauben, dass es funktioniert und dass es gut ist.“
Sichtbarkeit und Aufklärung
Kurz nach seinem Sprung in die Welt der Solokünstler:innen bekommt Johannes Holzinger die Chance, mit einem Song beim ESC für Österreich anzutreten. Bei dem internationalen Großevent wird Jo Nara als solcher zwar nicht zu sehen sein, den dafür entstandenen Song veröffentlichte er im April jedoch trotzdem. Die Single „Take it for granted“ handelt von der Lebensrealität queerer Menschen. Als homosexueller Mann kennt Johannes die vielen Hürden, denen queer lebende Personen nach wie vor begegnen. Er weiß, wie viel Mut es kosten kann, öffentlich so zu sein, wie man wirklich ist. Der Song soll queere Menschen ermutigen, für sich und ihre Rechte einzustehen. Er soll zum Denken anregen und Bewusstsein schaffen, für Menschen, die noch nicht dieselben Privilegien wie heterosexuelle Menschen genießen. „Dass wir 2026 noch immer über die Benachteiligung von queeren Personen reden müssen, zeigt die Notwendigkeit von Aufklärung innerhalb der Bevölkerung. Auch wenn es am Papier so scheint, als wären alle gleichgestellt, sind wir in der Realität noch nicht da angekommen, wo wir sein sollten“, so Johannes Holzinger.
Bis heute führt den Musiker sein Weg regelmäßig zurück ins Ennstal. „Die Region wird für mich immer Heimat sein – und ich komme wahnsinnig gerne nach Hause. Hier ist es auch einfach wunderschön, und genau darum geht’s mir auch bei der Musik: Wir dürfen nie den Sinn für das Schöne zu verlieren“, lacht der 33-Jährige. Ob er seinen Lebensmittelpunkt jemals wieder zurück in die Region verlagern wird, kann der Solokünstler heute noch nicht beantworten: „Gerade steht es nicht am Plan, aber sag niemals nie.“ Johannes Holzinger alias Jo Nara ist ein Künstler, der Worten mit seiner Musik Wirkung verleiht und Menschen auf vielen Ebenen berührt. Er ist eine Bereicherung für die Region – und ein Ennstaler, den man kennen sollte.
Elisa Schütz

