Wildtiere im Winter – warum Rücksicht lebenswichtig ist
09.01.2026 Junges EnnstalWer draußen in den Bergen oder Wäldern unterwegs ist, bewegt sich im Zuhause vieler Wildtiere. Rehe, Gämsen, Murmeltiere und Co. sind scheue Lebewesen – sie brauchen Ruhe, Rückzugsorte und möglichst wenig Störungen. Die Rücksichtnahme macht ...
Wer draußen in den Bergen oder Wäldern unterwegs ist, bewegt sich im Zuhause vieler Wildtiere. Rehe, Gämsen, Murmeltiere und Co. sind scheue Lebewesen – sie brauchen Ruhe, Rückzugsorte und möglichst wenig Störungen. Die Rücksichtnahme macht nicht nur die Natur lebenswerter, sondern sorgt auch für schöne Begegnungen.
Der Winter stellt für Wildtiere eine der größten Herausforderungen des Jahres dar. Tiefer Schnee, niedrige Temperaturen und ein eingeschränktes Nahrungsangebot zwingen viele Tierarten dazu, ihren Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Während Menschen die verschneite Landschaft für sportliche Aktivitäten und Erholung nutzen, kämpfen Rehe, Hirsche, Gämsen oder Hasen ums Überleben. Umso wichtiger ist ein bewusster und respektvoller Umgang mit der Natur – insbesondere in der kalten Jahreszeit.
Viele Wildtiere haben sich über Jahrtausende an den Winter angepasst. Sie bewegen sich weniger, ziehen sich in geschützte Lebensräume zurück und leben von den Fettreserven, die sie sich im Sommer und Herbst angefressen haben. Jede unnötige Flucht kostet wertvolle Energie. Wird ein Tier im Winter wiederholt aufgeschreckt, kann dies fatale Folgen haben: die Reserven schwinden, das Immunsystem wird geschwächt. Der dabei entstehende Energieverlust lässt sich kaum ausgleichen und kann dazu führen, dass Tiere geschwächt aus dem Winter kommen oder ihn nicht überleben. Gleichzeitig erfreuen sich Winteraktivitäten abseits präparierter Wege zunehmender Beliebtheit. Skitouren, Schneeschuhwanderungen oder Winterspaziergänge führen immer häufiger in sensible Lebensräume. Besonders problematisch ist das Verlassen markierter Routen. Was für den Menschen wie ein harmloser Abstecher wirkt, kann für Wildtiere massiven Stress bedeuten – vor allem in Rückzugsgebieten, die sie bewusst aufsuchen, um ungestört zu bleiben. Ein achtsamer Umgang mit Wildtieren beginnt daher bei der eigenen Routenwahl. Auf ausgewiesenen Wegen zu bleiben, schützt nicht nur die Tiere, sondern auch die Natur insgesamt. Jungwälder, Dickichte oder Wildruhezonen sind keine unberührten Abenteuerspielplätze, sondern überlebenswichtige Rückzugsräume. Auch Lärm sollte möglichst vermieden werden, denn viele Tiere reagieren äußerst sensibel auf Geräusche und plötzliche Bewegungen.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert der Umgang mit Hunden. Freilaufende Hunde können Wildtiere aufscheuchen oder verfolgen
– oft ohne, dass die Halterinnen und Halter dies bemerken. Gerade im Winter ist es daher wichtig, Hunde an der Leine zu führen und so zusätzliche Stresssituationen zu vermeiden. Ebenso sollte auf Aktivitäten in der Dämmerung oder nachts verzichtet werden, da viele Wildtiere zu diesen Zeiten aktiv sind oder ihre Ruhephasen haben.
Nicht zuletzt spielt auch das eigene Umweltverhalten eine zentrale Rolle. Müll, Essensreste oder achtlos zurückgelassene Gegenstände beeinträchtigen Lebensräume und können für Tiere gefährlich werden. Wer sich in der Natur bewegt, trägt Verantwortung – für das eigene Verhalten ebenso wie für dessen Auswirkungen. Wer achtsam unterwegs ist, hilft mit, dass unsere heimischen Wildtiere den Winter gut überstehen. Rücksicht ist dabei kein Mehraufwand, sondern ein selbstverständlicher Beitrag zum Erhalt unserer Natur.
Simone Prüggler


