Wie Social Media die Wahrnehmung verzerrt
12.06.2026 Junges Ennstaltreiben bedeutet viel zu oft einem Ideal hinterherzujagen, das realistisch gesehen nicht erreichbar ist. Meist dienen als Vorbilder Influencer/innen. Diese posten ihren Trainingsalltag, ihre Zeiten, Gewichte oder neuen Rekorde. Die Schattenseite von Sport-Content.
...treiben bedeutet viel zu oft einem Ideal hinterherzujagen, das realistisch gesehen nicht erreichbar ist. Meist dienen als Vorbilder Influencer/innen. Diese posten ihren Trainingsalltag, ihre Zeiten, Gewichte oder neuen Rekorde. Die Schattenseite von Sport-Content.
Nein, es ist nicht normal sich ständig selbst zu übertreffen, eine Kilometer Pace von unter vier Minuten auf fünf Kilometer zu laufen, eine Human-Flag zu können oder sechsmal pro Woche Zeit für Trainings zu haben. Was auf Social Media als normal verkauft wird, ist nur eines: Nicht normal.
Es ist nicht möglich so viel Sport wie Sport-Influencer/innen zu treiben. Neben einem 40-Stunden-Job und einem Alltag mit Familie und Freunden hat nicht jede Person Zeit, jeden Tag mehrere Stunden in Sport zu investieren. Das Problem an der Sport-Influencer-Bubble ist nicht der Sport an sich. Im Gegenteil – andere für einen bewegten und sportlichen Alltag zu motivieren ist sogar gut. Aber dabei entsteht schnell das Bild eines perfekten Lebens. Neben den Sporteinheiten leben diese Personen scheinbar ein Leben, das für die meisten unerreichbar wirkt. Sie fliegen auf Trainingslager, trainieren mit Profis oder probieren regelmäßig neue Sportarten aus. Was dabei jedoch oft vergessen wird: Social Media zeigt nur einen kleinen Ausschnitt. Selten posten Menschen die Tage, an denen das Training ausfällt, die Motivation niedrig ist oder der Körper einfach zu erschöpft ist, um zu trainieren. Verletzungen, Rückschläge oder private Probleme finden viel seltener ihren Weg in den Feed. Meistens werden nur persönliche Bestleistungen oder die bereits hingelegte beeindruckende Transformation öffentlich gezeigt. Genau dadurch entsteht ein verzerrtes Bild davon, wie Sport im echten Leben aussieht. Viele Follower/innen beginnen sich oftmals unbewusst mit diesem scheinbar perfekten Lebensstil und Inhalten zu vergleichen. Wer zum Beispiel nach einem anstrengenden und langen Arbeitstag noch die Kraft dazu findet, eine Runde Joggen zu gehen oder ins Fitnessstudio zu gehen, fühlt sich plötzlich weniger sportlich als jemand, der täglich zwei Stunden lang trainiert und dann jedes Wochenende Wettkämpfe bestreitet. Dabei sind das zwei Lebensstile, die absolut nicht vergleichbar sind. Influencer/innen verdienen Geld damit, diesen Sport auszuüben. Sie üben ihn nicht neben einem anderen Job aus. Das ist ihr Job und so können sie diese Zeit investieren. Es ist keine Freizeitbeschäftigung mehr. Es ist Arbeit. Und das sehen leider die wenigsten, die sich damit vergleichen.
Das andauernde Vergleichen kann dazu führen, dass die eigene Leistung nicht mehr gut genug ist und nicht wertgeschätzt wird. Ein 10-Kilometer-Lauf erscheint plötzlich nicht mehr weit und spektakulär genug, weil so viele Personen im Internet einen Marathon laufen. Der Bezug zur Realität geht immer mehr verloren. Ein Klimmzug ist plötzlich nichts mehr wert, weil jemand im Internet zehn Klimmzüge mit 20 Kilogramm Zusatzgewicht machen kann. Dabei wird vergessen, dass erstens jede Peron individuell ist, genauso wie der sportliche Fortschritt individuell ist. Hinzu kommt, dass die Inhalte auf Social Media darauf ausgelegt sind, maximale Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Gleichung ist einfach: extreme Leistung ist gleich extreme Aufmerksamkeit. Auch die Darstellung von Körperbildern spielt in dieser Szene eine Rolle. Durch gute Lichtverhältnisse, gute Perspektive und oftmals gezielte Bildbearbeitung wirkt vieles ästhetischer als es in Wirklichkeit ist. Mit der Realität hat das wenig bis gar nicht zu tun. Werden diese Inhalte langfristig und oft konsumiert, kann dabei das Bild entstehen, dass mit einem bestimmten Ausmaß an Sport auch ein bestimmtes Aussehen einhergeht. Das ist falsch. Um es zu verdeutlichen ein Beispiel: Egal wie viel ein Corgi trainiert, abnimmt, Muskeln aufbaut, er wird nie aussehen können wie ein Windhund. Aber genau das erwarten Menschen, wenn sie wie eine bestimmte Person trainieren. Das wird nicht passieren. Denn jede Person ist einzigartig und jeder Körper ist individuell. Aus einem Corgi kann kein Windhund werden, sondern es wird ein starker Corgi sein. Und ich glaube mit diesem Beispiel kann gut vor Augen geführt werden, dass das was viele Menschen versuchen zu erreichen, auf die Art und Weise nicht möglich ist. Und dass sich ständiges Vergleichen nichts bringt. Der Vergleich mit anderen ist nicht gesund und man darf nicht vergessen, wie viel auf Social Media nicht echt ist.
Christina Gösweiner



