Wenn die Alm zur Partitur wird
10.04.2026 RegionalesZwischen Kuhglocken und Berggipfeln wurden Jodler aufgezeichnet. Das lebendige Zeitdokument konserviert das kulturelle Erbe und animiert zum Mitmachen.
Rauschende Wälder und Gebirgsbäche, ein plätschernder Brunnen vor der Almhütte ...
Zwischen Kuhglocken und Berggipfeln wurden Jodler aufgezeichnet. Das lebendige Zeitdokument konserviert das kulturelle Erbe und animiert zum Mitmachen.
Rauschende Wälder und Gebirgsbäche, ein plätschernder Brunnen vor der Almhütte und eine idyllische Berglandschaft. Aus der Ferne lässt sich Kuhglockengeläute vernehmen. Dazu verweben sich Melodien, wie sie schon vor Jahrhunderten an diesem Ort gesungen wurden. Schon vor mehreren Jahren hatten die Jodelexpertin Olivia Koland und der Kulturmanager Hans Johann Danklmayer die Idee, das kulturelle Erbe des Jodelns für die Nachwelt festzuhalten. „Ich bin mit Hans auf der Alm im Englitztal gesessen. Wir haben einen Jodler angestimmt, in die Ferne geblickt und die Landschaft genossen. Es ist so etwas Besonderes, was wir da haben. Da dachten wir: Das müssen wir für die Nachwelt festhalten“, erzählt Olivia Koland. Über mehrere Jahre trug sie die Idee mit sich herum, bis bei einem Spaziergang am Ödensee der endgültige Startschuss für das Projekt fiel. „Ich hörte Kuhglocken, erinnerte mich wieder an die Situation im Englitztal und rief sofort Hans Johann an, dass wir loslegen müssen.“
Kraftgesang der Lebensfreude
Hans Johann Danklmayer ist Gründungsobmann des Kunst- & Kulturhauses Öblarn und hat sein Leben der Kultur verschrieben. Olivia Koland kommt aus der Klima- und Umweltforschung und für sie gehören Jodler und Natur zusammen. „Es ist ein Ausdruck für Lebensfreude, ein Kraftgesang und eine Verbindung mit den Wurzeln“, sagt sie. Als Koland vor Jahren einen Jodelstammtisch in Graz besuchte, war ihre Leidenschaft dafür geweckt. „Obwohl ich nicht damit aufgewachsen bin, waren mir diese Klänge so vertraut und sie haben mich ganz tief im Herzen berührt. Genau das wollen wir im Projekt herausholen“, so die Initiatorin. Das Ziel ist es, dass das kulturelle Erbe weitergetragen wird.
Alm statt Tonstudio
Unter dem Titel „Sound of Alm“ erarbeiteten Koland und Danklmayer ein Konzept für ein Leader-Projekt. Die Idee: Gesangsformationen, Bläser und Streicher aus dem Ennstal und Ausseerland interpretieren Jodler aus ihrer Region. Dafür gehen sie nicht ins Tonstudio, sondern wandern auf die Alm. Typische Almklänge wie Vogelstimmen, knisterndes Feuer, grollender Himmel, plätscherndes Wasser oder prasselnder Regen am Hüttendach sind nicht nur Nebengeräusche, sondern eine bewusste Kulisse der Aufnahmen. Danach werden die Stücke in ein Notenheft niedergeschrieben. Ähnlich der Sprache, gibt es beinahe in jedem Seitental eine eigene Färbung in der Musik. „Die unterschiedlichen Musikgruppen haben sich ihre Stücke im Laufe der Zeit ‚zurechtgejodelt‘. Dadurch entstanden eigene Regionalstile und individuelle Interpretationen“, erklärt Olivia Koland. Die Musik ist großteils von Generation zu Generation weitergegeben worden. Im Ennstal und Ausseerland gibt es noch vergleichsweise viele Gruppen, die dieses Kulturgut weitertragen. Andererorts ist es schon weit in den Hintergrund gerückt. Fallen einmal zwei Generationen hintereinander aus, drohen die Jodler zu verschwinden.
Zugang zu Musik und Natur
Die beiden Projektleiter sowie ein Tontechniker verbrachten sechs Tage mit sechs Musikgruppen an sechs verschiedenen Naturschauplätzen. „Die Stücke klingen auf der Alm ganz einfach anders als in einem Studio. Wir nahmen uns viel Zeit, verweilten ein, zwei Stunden vor Ort und stimmten uns ein, ehe wir mit den Aufnahmen begannen. Am Stubegg waren wir beispielsweise von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang“, erzählt Hans Johann Dankl mayer. Um das Almgefühl noch besser einfangen zu können, gibt es auch Videodokumentationen. Die Aufnahmen zeichnen nicht nur ein Stimmungsbild von der idyllischen Landschaft, auch die Musiker erörtern ihren Zugang zu Musik und Natur.
„Wirklich etwas Schönes“
Das Ergebnis wird am Freitag, dem 24. April, im Öblarner Haus für alle der Öffentlichkeit präsentiert. Jeder Besucher erhält einen Tonträger mit 25 Stücken und ein Notenheft. Die teilnehmenden Gruppen werden vor Ort sein und ihre Stücke live zum Besten geben. Später können die Jodler auch auf Streamingplattformen angehört werden. „Ich hab mir die Aufnahmen angehört und bin in Almstimmung gekommen. Da dachte ich mir: ‚Das ist es‘. Ich hab eine große Freude, wir haben wirklich etwas Schönes gemacht“, freut sich Olivia Koland. Der „Sound of Alm“ verhallt nicht am Abend der Präsentation, sondern lebt auf Streamingplattformen und im Notenheft weiter. Die Unterlagen sollen Mut machen, die Jodler selbst aktiv am Leben zu erhalten.
Projektpräsentation
Freitag, 24. April im Öblarner Haus für alle, 19.30 Uhr
Teilnehmende Gruppen
Hollerschnapszuzler | Fensageiger | 234Xang
Ennstaler Viergesang | K&K Viergesang | Wetterloch Blos
Reservierungen
0664/86 00 300 (telefonisch oder via WhatsApp) tickets@kultur.st




