Wenn Brücken brechen und Mauern wanken
29.05.2026 RegionalesDer Katastrophenhilfsdienst probte in Trieben den Ernstfall. Über hundert Einsatzkräfte stellten sich einem Szenario mit Brückenbau und einsturzgefährdeten Gebäuden.
Das angenommene Szenario: Ein massives Naturereignis hat im ...
Der Katastrophenhilfsdienst probte in Trieben den Ernstfall. Über hundert Einsatzkräfte stellten sich einem Szenario mit Brückenbau und einsturzgefährdeten Gebäuden.
Das angenommene Szenario: Ein massives Naturereignis hat im Paltental mehrere Schadenslagen verursacht. Eine Brücke ist nicht mehr passierbar, ein Gebäude droht einzustürzen, eine Person befindet sich in einem Gefahrenbereich. Für die örtliche Feuerwehr wäre ein derartiges Ereignis rasch zu groß. Genau dann kommt der Katastrophenhilfsdienst ins Spiel. Insgesamt waren die zwei technische Züge mit 18 Fahrzeugen und 85 Einsatzkräften eingebunden, der Bezirksführungsstab war mit 20 Mitgliedern besetzt und wurde von Vertretern der BH Liezen unterstützt. Während draußen Fahrzeuge anrücken, Geräte ausgeladen und Mannschaften eingeteilt werden, laufen im Führungsstab die Fäden zusammen. Dort werden Informationen gesammelt, Entscheidungen vorbereitet und alle Maßnahmen dokumentiert. Der KHD ist streng gegliedert, die Abläufe sind klar geregelt. Wer welchen Auftrag bekommt, wer welche Lage meldet und wer welche Entscheidung trifft, muss jederzeit nachvollziehbar bleiben. Denn bei einem Großschadensereignis zählt nicht nur Schnelligkeit, sondern vor allem Struktur. Organisiert wurde die Übung von der Freiwilligen Feuerwehr Trieben-Werk unter der Leitung von HBI Monika Haberl, welche gleichzeitig als KHD-Kommandantin des Bezirkes fungiert.
Realitätsnahe Übungsszenarien
Auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma Zöchling zeigt sich, was das in der Praxis bedeutet. Die Zugskommandanten und Gruppenkommandanten erkunden die Lage, besprechen sich kurz, geben die Informationen an ihre Mannschaften weiter. Dann setzt sich die erste Gruppe in Bewegung. Geräte werden aus den Fahrzeugen geholt, zur Schadstelle getragen, Material wird sortiert, Sicherungen werden aufgebaut. Eine der Aufgaben: Eine offene Künette muss abgesichert werden, in dem sich eine Person befindet. Daneben gilt es, eine einsturzgefährdete Wand so zu sichern, dass sie nicht nach außen kippen kann. Die Gruppen wechseln im Laufe der Übung durch die Stationen. Einige Kilometer weiter, im Bereich der Kläranlage, wartet die zweite große Schadenslage. Dort wird angenommen, dass eine Brücke durch massive Unwetter beschädigt wurde und nicht mehr befahrbar ist. Für Fußgänger soll eine behelfsmäßige Querung über den Triebenbach geschaffen werden. Die Feuerwehren nähern sich der Einsatzstelle von zwei Seiten. Ein Teil kommt über Schwarzenbach, ein anderer über Dietmannsdorf. Mit Greifzügen werden Seile gespannt, darauf Europaletten gelegt, verbunden und mit einem Seil als Geländer versehen. Schritt für Schritt entsteht so eine einfache, aber funktionale Querung.
Ungewöhnliche Lösungswege
Nicht weniger ungewöhnlich ist eine weitere Station: der Bau einer Leonardo-Brücke. Die Konstruktion geht auf Leonardo da Vinci zurück und besteht aus ineinander verkeilten Holzstücken. Schrauben, Nägel, Dübel oder Seile sind nicht nötig, das Bauwerk trägt sich selbst. Für die Feuerwehrmitglieder ist diese Aufgabe mehr als eine technische Spielerei. Sie fordert räumliches Denken, Abstimmung und die Bereitschaft, ungewohnte Lösungswege zu gehen. Genau das war von den Übungsorganisatoren beabsichtigt: Hangrutschungen sichern, Keller auspumpen, bekannte technische Szenarien abarbeiten – all das wird regelmäßig trainiert.
Diesmal sollten es bewusst andere Aufgaben sein. „Es geht um außergewöhnliche Arbeiten, damit man auch einmal anders denken muss“, erklärt Monika Haberl. Im Hintergrund spiele auch das Teambuilding eine große Rolle. Der Bereichsfeuerwehrverband Liezen ist mit mehr als 6000 Mitgliedern der größte Bereichsfeuerwehrverband der Steiermark. Gerade in einem so weitläufigen Bezirk ist es entscheidend, dass die Feuerwehren über Gemeindegrenzen hinweg zusammenarbeiten können. Bei dieser Probe für den Ernstfall waren unter anderem Kräfte aus Altenmarkt, Palfau, Trieben-Werk, Wildalpen, St. Gallen, Wörschach, Gröbming, Altaussee, Stein an der Enns und Donnersbach eingebunden. Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie breit das Einsatzspektrum der Feuerwehren im Katastrophenfall ist. Neben technischem Können braucht es Führungsdisziplin, Improvisationsfähigkeit, Kommunikation und Vertrauen innerhalb der einzelner Feuerwehren.



