Vom Gärtner zum Zirkus
29.05.2026 RegionalesDer Circus Althoff macht Station in Gröbming und Schladming. Der „Ennstaler“ traf Christoph Drexler, der sein sesshaftes Leben aufgegeben hat. Ein Blick hinter den Vorhang der Manege.
Ein rotes Zelt steht seit vergangener Woche auf der Festwiese. In einem ...
Der Circus Althoff macht Station in Gröbming und Schladming. Der „Ennstaler“ traf Christoph Drexler, der sein sesshaftes Leben aufgegeben hat. Ein Blick hinter den Vorhang der Manege.
Ein rotes Zelt steht seit vergangener Woche auf der Festwiese. In einem Gehege tummeln sich Ponys, Esel und Ziegen und rundherum hat sich ein Fuhrpark aus Wohnwägen und Lastautos arrangiert. „Circus Althoff“ prangt auf den Planen in gelben Lettern. Für zwei Wochen hat der Tross in Gröbming Quartier bezogen. Die Althoff-Dynastie blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück. Laut eigenen Angaben gibt es das Unterhaltungsunternehmen seit über 300 Jahren und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Es ist alles andere als leicht verdientes Geld, sagt Christoph Drexler. Besucherzahlen sinken und gleichzeitig steigen die Kosten. Der „Ennstaler“ traf den Assistenten zu einem Hintergrundgespräch.
Sesshaftes Leben aufgegeben
Der 40-jährige Korneuburger ist gelernter Gärtner. Einen Hinweis darauf geben die Pflanzen, die er vor seinem Wohnwagen drapiert hat. Später war er in der Hauskrankenpflege tätig. „Der Zirkus hat mich schon als Kind in seinen Bann gezogen“, erzählt Drexler mit strahlenden Augen. Schon als Jugendlicher hat er in seiner Heimatstadt mitgeholfen, wenn Zirkusse zu Gast waren. Als sich die Gelegenheit ergab Teil des Trosses zu werden, hat Drexler nicht lange überlegt. Er hat sich einen Wohnwagen zugelegt und tourt mittlerweile seit zehn Jahren mit dem Circus Althoff durch ganz Österreich. Zwischendurch hat sich Drexler als Clown in der Manege versucht. Mittlerweile kümmert er sich überwiegend um administrative Tätigkeiten und verschiedenste allfällige Aufgaben. „Anpacken muss ohnehin jeder überall“, sagt er mit einem Lachen. Während die Artisten proben, kümmert er sich um die Tiere, verteilt Flugblätter oder pinselt Plakate. Vor den Aufführungen gilt es das Zelt zu säubern, das Geschirr der Tiere aufzupolieren und das Popcorn zu richten.
Drei Generationen und Gastartisten
Drexler kann sich kaum etwas Schöneres vorstellen, wenngleich von goldenen Zeiten keine Rede sein kann. Das schillernde Showgeschäft hat auch seine Schattenseiten. Verpflegung der Tiere, Fuhrpark, Gehälter – ein Zirkus hat hohe Fixkosten zu bedienen und lebt von den Aufführungen. „Die Besucherzahlen haben sich seit Corona nicht mehr richtig erholt. Kürzlich gaben wir eine Aufführung für 18 zahlende Gäste. Das tut schon weh“, sagt Drexler. Die Leidenschaft lässt man sich dennoch nicht vermiesen. Drei Generationen sind bei der Familie Althoff unterwegs. Ob Messer werfen oder dressierte Ponys – jeder steht mit unterschiedlichen Programmpunkten in der Manege. Nachwuchsclown Alessio ist der jüngste Spross in der Manege der Familie Althoff. Die Schule besucht er immer in jenem Ort, an dem der Zirkus gerade Halt macht. Ob das nicht eine Belastung für den Jungen ist? „Er hat die Gabe, Menschen rasch für sich zu vereinnahmen. Meistens ist er sofort beliebt bei seinen Kurzzeitklassenkollegen“, sagt Drexler. Neben den familieneigenen Einlagen lädt der Zirkus jedes Jahr Gastartisten aus ganz Europa ein, die für ein Jahr angestellt sind. Heuer ist es ein Paar aus Tschechien, das sich auf Jonglieren spezialisiert hat.
Ortswechsel im Wochenrhythmus
Länger als zwei Wochen verweilt man an keinem Ort, dann spätestens zieht die Karawane weiter. Beim Zeltab- und -aufbau sind wieder alle gefragt, auch die Artisten packen an. Und die Handgriffe müssen sitzen, denn das Zeitkorsett ist eng. An die 40 bis 60 Orte werden pro Jahr besucht. Bis kommenden Sonntag ist der Zirkus noch in Gröbming stationiert. Heute, Freitag, und morgen, Samstag, gibt es jeweils eine Aufführung um 16 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr. Dann geht es weiter in Richtung Schladming, wo man am Reiteralm-Parkplatz die Zelte aufschlägt.

