„Vieles umgesetzt, was jahrelang nur versprochen wurde“
31.01.2025 RegionalesRottenmanns Bürgermeister Günter Gangl wurde beim vergangenen Stadtparteitag der ÖVP einstimmig zum Spitzenkandidaten für die bevorstehenden Gemeinderatswahlen gewählt. Im Interview spricht das amtierende Gemeindeoberhaupt über einen schwierigen Start ...
Rottenmanns Bürgermeister Günter Gangl wurde beim vergangenen Stadtparteitag der ÖVP einstimmig zum Spitzenkandidaten für die bevorstehenden Gemeinderatswahlen gewählt. Im Interview spricht das amtierende Gemeindeoberhaupt über einen schwierigen Start nach einer unerwarteten Amtsübernahme, ein mögliches Leitspital in Rottenmann und über Projekte in der Pipeline.
Mit dem überraschenden Rücktritt Ihres Vorgängers wurden Sie unerwartet Bürgermeister. Das ist nun ziemlich genau drei Jahre her. Ihr selbst ausgestelltes Zeugnis über Ihre bisherige Amtszeit?
Der Anfang war schwierig. Wenn man andere Gemeinden als Beispiel heranzieht, hatten die Nachfolgenden fast ein Jahr Zeit, um in das Amt als Bürgermeister hineinzufinden und zu lernen. Diese Zeit hatte ich nicht. Aus diesem Grund hätte ich zu Beginn meiner Amtszeit sicher einiges besser machen können. Doch wenn ich aus heutiger Sicht auf die letzten drei Jahre blicke und sehe, was alles umgesetzt wurde, bin ich trotzdem sehr zufrieden.
Auf welche Umsetzungen beziehen Sie sich?
Dass wir für die Mittelschule so rasch eine Lösung gefunden haben. Und auch für die Musikschule, die nun im Technologiepark untergebracht ist. Ich selbst bin vor zirka zwanzig Jahren in die Musikschule gegangen und schon damals hat man das räumliche Problem diskutiert. Nun gibt es endlich eine Lösung. Darüber hinaus haben wir auch vieles umgesetzt, was zuvor jahrelang nur versprochen wurde, wie der Parkplatz in Oppenberg. Dort konnten wir nun auch die Kinderbetreuung absichern und in einen Kindergarten umwandeln.
In Ihre Amtszeit fiel auch die Schließung des Pflegeheims aufgrund eines Gebäudeschadens. Wird die Einrichtung wieder eröffnet werden?
Nachdem die Caritas, die das Pflegeheim betrieben hat, den Vertrag gekündigt hat, haben wir alles versucht, um einen anderen Träger zu finden. Wir haben viele Gespräche geführt und waren auch mit dem Gesundheitslandesrat in Kontakt. Doch durch das geänderte Pflegemodell kann ein Pflegeheim mit 32 Betten einfach nicht wirtschaftlich geführt werden.
Konnte man eine passende Nachnutzung finden?
Ja, es soll ein Kinderhaus werden. Vor ein paar Jahren haben wir eine Nachmittagsbetreuung für Kinder eingeführt und diese erfreut sich eines so großen Zulaufs, dass die Räume in der Mittelschule dafür nicht mehr ausreichen. Das einstige Pflegeheim wäre für die Unterbringung der Nachmittagsbetreuung optimal, da es in unmittelbarer Nähe beider Schulen liegt und die Kinder nicht einmal eine Straße queren müssen, um dort hinzugelangen. Zusätzlich könnte auch die Kinderkrippe dort untergebracht werden. Die Warteliste ist schließlich so lang, dass wir eine weitere Gruppe eröffnen könnten. Wenn dann noch Platz verfügbar wäre, könnte man auch noch Wohnungen für Tagesmütter realisieren. Aktuell ist die ÖWG dabei, die letzten Details zu klären. Wenn alles gut läuft, könnte das Kinderhaus schon bis zum Jahresende fertig sein. Zuvor muss das Projekt natürlich noch vom Gemeinderat abgesegnet werden.
Stichwort Leitspital. Wie optimistisch sind Sie, dass die Entscheidung auf den Ausbau von Rottenmann fallen wird?
Ich bin immer sehr vorsichtig, wenn es bei diesem Thema um Optimismus geht und werde auch nicht müde zu sagen, dass es vorerst nur um die Prüfung eines Plans B geht. Das Leitspital in Rottenmann ist derzeit so fix wie es vor drei Monaten noch fix war, dass es in Stainach gebaut wird. Alles hängt am seidenen Faden. Deshalb müssen wir am Ball bleiben und uns weiterhin dafür einsetzen, dass das Leitspital nach Rottenmann kommt. Die Landtagswahlen waren nur der erste richtige Schritt. Nun müssen wir schauen, dass sich die Landesvertreter auch an ihre Wahlversprechen halten.
Warum ist Rottenmann der richtige Standort?
Warum sollte man ein Krankenhaus, das – abgesehen von der Personalproblematik – gut läuft, ein paar Kilometer in Richtung Westen versetzen und hunderte Millionen Euro dafür ausgeben? Denn wenn man sich um Personal für Stainach bemühen kann, kann man das auch für Rottenmann tun. Dieses Argument funktioniert nicht nur in eine Richtung. Auch die Verkehrsanbindung ist in Rottenmann deutlich besser. Stainach hat keine Autobahn und vom Bahnhof aus würde man zu Fuß zwanzig Minuten bis zum vorgesehenen Standort brauchen.
Sie haben sich in puncto Leitspital klar gegen die Vorhaben der eigenen Landespartei gestellt. Könnte dies in der weiteren Zusammenarbeit ein Stolperstein sein?
Die Landesvertreter haben damit rechnen müssen, dass wir das in Rottenmann nicht einfach so hinnehmen. Wie das in Aussee möglich war, ist ein anderes Thema. Doch dieses Rätsel ist keines, das ich lösen muss. Ein Problem in der künftigen Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark hätte es vielleicht dann gegeben, wenn der neue Landeshauptmannstellvertreter Christopher Drexler gewesen wäre. Doch auch im Land hat es personelle Veränderungen gegeben. Somit würde ich meinen, dass wir ein gutes Gesprächsklima haben und auch der größere Koalitionspartner sicher froh über unsere Aktivitäten ist. Wenn es um Bedarfszuweisungen geht, bin ich sicher, nun mehrere Ansprechpartner zu haben.
Neben vielen positiven Alleinstellungsmerkmalen hat Rottenmann auch ein negatives: die illegale Müllablagerung. Wie stark ist das Ausmaß und wie wollen Sie dagegen vorgehen?
Besonders betroffen sind die Müllinseln entlang der Hauptstraße. Das Ausmaß ist so katastrophal, dass wir in den letzten Jahren über 40.000 Euro für Aufräumarbeiten aufwenden mussten. Daher wurde nun eine Kameraüberwachung veranlasst und es gibt auch Strafen über die BH. Ich hoffe, dass das Problem mit diesen Maßnahmen in den Griff zu bekommen ist. Die Alternative wäre nämlich, dass es keine Müllinseln mehr gibt.
Beim vergangenen Stadtparteitag haben Sie auch über ein neues Tourismusprojekt gesprochen, das man in Zusammenarbeit mit dem Radsportverein andenkt. Worum geht es hierbei?
Benedikt Oswald und Ronald Barth vom Radsportverein haben mir ein Projekt präsentiert, durch das unser Skilift auch eine Sommernutzung erhalten würde. Durch ein spezielles System kann das Rad in den Schlepplift eingehängt und nach oben gezogen werden. In Kombination mit einem Trail durch den Wald wäre das sowohl für den Radsportverein als auch für die Gemeinde Rottenmann eine interessante Neuerung. Damit könnten wir den Skilift finanziell besser absichern, etwas für unsere Jugend tun und gleichzeitig einen touristischen Ausbau realisieren. Natürlich werden wir nicht mit Schladming-Dachstein konkurrieren können. Aber wir könnten eine preisgünstige Alternative bieten und damit ein anderes Publikum anziehen.