Über den Versuch, die Hoffnung nicht zu verlieren
23.01.2026 Junges EnnstalDie Nachrichten werden immer negativer – die Welt gefühlt nur grauer. Warum es trotzdem wichtig ist, Hoffnung zu bewahren.
„Alles, das du nicht ändern kannst, lasse nicht zu nahe an dich ran.“ Dieser Satz stammt von meiner Yogalehrerin ...
Die Nachrichten werden immer negativer – die Welt gefühlt nur grauer. Warum es trotzdem wichtig ist, Hoffnung zu bewahren.
„Alles, das du nicht ändern kannst, lasse nicht zu nahe an dich ran.“ Dieser Satz stammt von meiner Yogalehrerin und trägt viel Wahrheit in sich. Auch wenn sie recht hat – die Umsetzung gestaltet sich bis jetzt eher holprig. Denn zurzeit habe ich das Gefühl, gar nichts ändern zu können – und es geht mir alles ziemlich nahe. Es fühlt sich an, als wäre man dem Weltgeschehen hilflos ausgeliefert, während die Überschriften in den Medien immer düsterer werden. Die Flut an „Kopfweh-News“ trifft einen mit voller Wucht. Schon wieder ein Femizid. Den Klimawandel konnten wir auch 2025 nicht stoppen. Und die Inflation spukt längst nicht mehr nur in Statistiken, sondern auch in unseren Köpfen. Irgendwo herrscht ständig Krieg und das Säbelrasseln diverser Staatsoberhäupter wird täglich lauter. Und allein die Tatsache, dass sich laut aktueller Studie jeder neunte Österreicher mit einer Diktatur anfreunden könnte, bereitet mir Magenbeschwerden.
Manchmal fühlt es sich so an, als würde die Sonne immer seltener scheinen – und das nicht nur im Winter. Da hilft nicht mal mehr die Tageslichtlampe, die vorsorglich am Schreibtisch steht.
Natürlich könnte man jetzt einfach damit aufhören, die Nachrichten zu konsumieren. Keine Zeitungen mehr lesen, soziale Netzwerke deinstallieren. Headlines ignorieren und mit Scheuklappen durchs Leben gehen. Das Absurde daran ist: Es würde vermutlich sogar funktionieren. Wir leben in der privilegierten Situation, von den schlimmsten Katastrophen noch verschont zu sein. Krieg kennen die meisten Menschen in Österreich nur aus dem Internet. Und vergleicht man das Leben am Land mit jenem in der Großstadt, könnte man fast meinen, wir leben im Schlaraffenland. Auch wenn jeder sein Päckchen zu tragen hat, haben wir insgesamt wohl das leichtere Gepäck erwischt. Doch die Weltlage zu ignorieren wird sie am Ende des Tages leider trotzdem nicht besser machen.
Da die Option der Nachrichtenvermeidung – auch aus Interessensgründen – also wegfällt, suche ich nach anderen Methoden, um trotz allem die Hoffnung nicht zu verlieren. Denn das ist es, was zählt. Als junge Frau ist es oftmals alles andere als leicht, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Auch wenn es uns so gut geht wie nie zuvor, bin ich immer noch regelmäßig mit Ungerechtigkeiten und Diskriminierung konfrontiert. Sie sind Teil meines Alltags – auch wenn oft versucht wird, mir das Gegenteil einzureden. Immer mehr Berufsfelder werden Stück für Stück durch KI ersetzt und ein wenig zu oft kann ich mir anhören, Teil einer Generation ohne Perspektive zu sein. Doch wenn mir von außen die Perspektive genommen wird, muss ich sie mir eben selbst zurückholen.
Ich hole die Hoffnung zurück in mein Leben und versuche bewusst, sie Teil meines Alltags werden zu lassen. Denn die Menschheit hat im Laufe der Geschichte noch nie die Hoffnung verloren – sonst würde es uns alle nicht geben. Hoffnung war immer da. Und sie ist bis heute nicht verschwunden. Im Gegenteil: Sie ist allgegenwärtig. Wir müssen nur lernen, sie wieder zu sehen. In jedem Sonnenstrahl, den wir spüren, in jedem Lachen, das wir hören. Die Hoffnung steckt in jeder Umarmung, jedem Herzklopfen und in jedem Winter, der irgendwann zum Frühling wird. Sie ist wie unser Schatten ein ständiger Begleiter. Sie kann überall sein, denn am Ende ist sie immer dort, wo wir entscheiden, sie zu sehen.
Das Weltgeschehen bedrückt mich oft, und an manchen Tagen fällt es mir schwer, die Hoffnung nicht zu verlieren. Doch wie alle Menschen vor uns dürfen auch wir nicht aufhören zu hoffen – für uns und für alle Generationen, die noch kommen. Allein werden wir die Welt nicht retten. Aber jeder kann sein Bestes geben, sie jeden Tag ein Stückchen besser zu machen.
Elisa Schütz

