Wenn der Frühling Einzug hält, beginnt auch eine Zeit voller gelebter Traditionen. Rund um Ostern werden Bräuche gepflegt, die seit Generationen weitergegeben werden – und auch für junge Menschen wieder an Bedeutung gewinnen.
Den Auftakt ...
Wenn der Frühling Einzug hält, beginnt auch eine Zeit voller gelebter Traditionen. Rund um Ostern werden Bräuche gepflegt, die seit Generationen weitergegeben werden – und auch für junge Menschen wieder an Bedeutung gewinnen.
Den Auftakt bildet der Palmsonntag. Er erinnert an den Einzug Jesus in Jerusalem und wird in der Region mit dem Binden von Palmbuschen begangen. Die kunstvoll gestalteten Zweige werden in der Kirche gesegnet und anschließend im Haus oder Garten aufbewahrt. Dort gelten sie als Schutz- und Segenszeichen für das ganze Jahr. Form und Größe variieren – von schlicht bis aufwendig ist nahezu alles möglich.
Gefärbte Eier mit praktischem Ursprung
Was wäre Ostern ohne bunte Eier und das traditionelle Eierpecken? Das Färben der Eier hat seinen Ursprung im Fastengebot. Über sechs Wochen hinweg durften keine Eier gegessen werden. Um sie haltbar zu machen, wurden sie gekocht und gefärbt. So konnte man ältere von jüngeren Eiern unterscheiden. Heute ist das Eierfärben ein fixer Bestandteil der Osterzeit und gehört ebenso dazu wie das anschließende Suchen und Pecken. Naturmaterialien wie Rote Rüben, Schwarzbeeren, Rotkraut und Kurkuma sorgen zum Beispiel für besonders schöne Farben.
Antlasseier: Ein fast vergessener Brauch
Ein weniger bekannter Brauch sind die sogenannten Antlasseier. Dabei handelt es sich um Eier, die am Gründonnerstag oder Karfreitag gelegt wurden. Sie gelten als Schutz- und Segensbringer für Heim und Familie. Überlieferungen zufolge wurden ihnen besondere Kräfte zugeschrieben: Am Dachboden gelagert sollten sie vor Blitzschlag schützen, im Feld vergraben für eine gute Ernte sorgen, im Stall aufgehängt vor bösen Hexen bewahren und ihr Verzehr sollte vor Krankheiten schützen. Noch heute wird vereinzelt ein Antlassei beim Neubau eines Hauses oder Stalles in die Mauer eingearbeitet. Der Begriff „Antlass“ bedeutet Entlassung, Ablass oder Lossprechung und verweist auf die frühere Tradition, dass Büßer am Gründonnerstag nach der Fastenzeit wieder am Gottesdienst teilnehmen durften.
Fleischweihe als kulinarischer Höhepunkt
Am Karsamstag steht die Fleischweihe im Mittelpunkt. Sie markiert das Ende der Fastenzeit und ist tief in der katholischen Tradition verankert. In sorgfältig vorbereiteten Körben werden Speisen wie Geselchtes, Brot, Eier, Kren, Käse und Butter zur Segnung in die Kirche gebracht. Im Anschluss versammelt sich die Familie zur gemeinsamen Osterjause – ein Moment, der Genuss und Gemeinschaft verbindet.
Osterfeuer prägen das Bild im Ennstal
Ein besonders sichtbarer Brauch sind die Osterfeuer. Wenn am Karsamstag die Nacht hereinbricht, sind von den Berghängen bis ins Tal zahlreiche Lichtpunkte zu sehen. Die traditionellen Brauchtumsfeuer sind oft mehrere Meter hoch und dienen als Anlass für das Zusammenkommen von Familien und örtlichen Vereinen. Großteils werden sie entzündet, sobald es am Karsamstag dunkel genug ist, auch wenn überlieferte Bräuche ein Entzünden erst spät in der Osternacht vorsehen. Bereits in der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag muss das vorbereitete Feuer gut bewacht werden. Denn der Brauch erlaubt es, dass es vorzeitig angezündet wird.
Tradition im Wandel
Auch wenn sich manche Bedeutungen im Laufe der Zeit verändert haben, bleibt ihr Kern erhalten: das gemeinsame Erleben und Weitergeben von Tradition. Gerade darin liegt ihre anhaltende Relevanz – über Generationen hinweg.
Simone Prüggler