Studieren ist bald schon in Liezen möglich
03.07.2026 RegionalesWirtschaftskammer und Regionalmanagement holen die Fachhochschule Campus 02 in den Bezirk. Das Ausbildungsangebot soll in den kommendne Jahren erweitert werden.
Nach drei Jahren Vorbereitung fand am vergangenen Montag die erste offizielle Präsentation der neuen ...
Wirtschaftskammer und Regionalmanagement holen die Fachhochschule Campus 02 in den Bezirk. Das Ausbildungsangebot soll in den kommendne Jahren erweitert werden.
Nach drei Jahren Vorbereitung fand am vergangenen Montag die erste offizielle Präsentation der neuen Kooperation zwischen der WKO Ennstal/ Salzkammergut, dem Regionalmanagement Bezirk Liezen (RML) und der Fachhochschule Campus 02 statt. Das Ergebnis: „Ein niederschwelliges Hochschulangebot, das sich sowohl an Menschen, die bereits im Berufsleben stehen, als auch an Maturantinnen und Maturanten richtet“, sagt Wirtschaftskammer-Regionalstellenleiter Christian Hollinger. Diesen Herbst startet die Anmeldung für das Bachelorstudium „Automatisierungstechnik“, das im Oktober 2027 beginnt. Die Dauer der berufsbegleitenden akademischen Ausbildung umfasst 6 Semester. Präsenztermine finden freitagsnachmittags und samstags statt, vieles kann online vermittelt werden. Auch ein Standort für die Au- ßenstelle wurde mit dem WKO-Gebäude in Liezen bereits gefunden. „Für die Lehrveranstaltungen stellen wir Räumlichkeiten im ersten Stock kostenlos zur Verfügung“, so Hollinger.
Umfrage ging voraus
Dass die Wahl des akademischen Ausbildungsangebots gerade auf das Bachelorstudium „Automatisierungstechnik“ fiel, ist auf eine bezirksweite Umfrage zurückzuführen. Denn „bevor wir akademische Bildungsangebote in die Region holen, wollten wir wissen, ob dafür überhaupt Bedarf besteht“, sagt Eva Stiermayr, Geschäftsführerin RML. Die Fragen zielten auf das generelle Interesse sowie auf die Wahl konkreter Studienrichtungen und Zertifizierungslehrgänge ab. Damit habe man eine solide Grundlage geschaffen, um gemeinsam mit der FH Campus 02 die passenden Bildungsangebote für die Region auszuwählen, so Stiermayr. Denn die 361 Rückmeldungen sprechen eine klare Sprache: 183 Personen sind an einer akademischen Ausbildung interessiert; 83 Prozent konkret an der Studienrichtung „Innovationsmanagement“, 78 Prozent an „Automatisierungstechnik“ und 73 Prozent an „Marketing & Sales“. Daher wolle man nächstes Jahr im Herbst mit Automatisierungstechnik starten, parallel dazu strebe man Überlegungen an, auch Innovationsmanagement künftig anzubieten. Als dritte Studienoption wolle man den Bedarf im Bereich Tourismus prüfen, um ein dementsprechendes Angebot vorbereiten zu können, so Hollinger. Das Auftaktstudium „Automatisierungstechnik“ richte sich jedoch nicht nur an Personen, die in Industriebetrieben tätig sind. Es sei für alle geeignet, „die in der Fertigung tätig sind oder sein wollen. Das beginnt in der Lebensmittelproduktion und geht hin bis zu Robotik“, so Hollinger.
Vier Zertifizierungslehrgänge
Neben einem Bachelorstudium werde man auch Zertifizierungslehrgänge anbieten, die bereits heuer im Herbst starten. Konkret handelt es sich dabei um „Digitale Innovation in der Produktion“, „KI-Strategin/Stratege“, „Digital Marketing“ und „Zukunft des Tourismus“. Auch hier zeigte die vorausgegangene Umfrage ein klares Bild: 166 Personen können sich vorstellen, in den kommenden Jahren einen dementsprechenden Lehrgang zu absolvieren. Im Gegensatz zum Bachelorstudium sind für einen mehrmonatigen Zertifizierungslehrgang zwischen 4.000 und 5.000 Euro zu berappen. Hollinger sehe hier auch eine Chance für Betriebe, sich durch finanzielle Unterstützung als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, wie er sagt.
Zustimmung aus Wirtschaft und Bildung
Wie hoch das Interesse von Seiten der Wirtschaft ist, zeigt die Kooperation mit dem regionalen Leitbetrieb MFL, der im technischen Support unterstützen wird und als Partner für Diplomarbeiten zur Verfügung steht: „Die Kompetenz der Mitarbeitenden ist ausschlaggebend für den Erfolg jedes Unternehmens. Mit dieser Initiative schaffen wir die Möglichkeit, Aus- und Weiterbildung direkt in der Region anzubieten – orientiert an den Bedürfnissen der Menschen und der Wirtschaft“, sagt MFL-Geschäftsführer Herbert Decker. Neben der Wirtschaft hat man auch die heimischen Schulen im Boot. Für Wolfgang Lechner, Bundes-Schulclusterleiter in Liezen, hole man „akademische Weiterbildung direkt zu den Menschen und Betrieben der Region“, wie er betont.
Abwanderung entgegenwirken
15 Studierende lautet die vorläufige Zielsetzung für das im nächsten Jahr startende Bachelorstudium, wie Hollinger vorausschickt. Am besten „zur Hälfte mit Personen aus der Wirtschaft und zur anderen Hälfte mit Maturantinnen und Maturanten besetzt“, umreißt er die angestrebte Zusammensetzung. Denn neben der akademischen Weiterbildung sei es wesentlich, junge Menschen in der Region zu halten, wie Hollinger betont.



