Bisher war das Trinkgeld eine einfache Sache: Es wurde vom Kunden in bar übergeben und der Mitarbeiter freute sich über ein Zusatzeinkommen, das er sich durch Freundlichkeit und gutem Service verdient hat. Durch die vermehrt bargeldlosen Zahlungen wurde die Begehrlichkeit der ...
Bisher war das Trinkgeld eine einfache Sache: Es wurde vom Kunden in bar übergeben und der Mitarbeiter freute sich über ein Zusatzeinkommen, das er sich durch Freundlichkeit und gutem Service verdient hat. Durch die vermehrt bargeldlosen Zahlungen wurde die Begehrlichkeit der Behörden geweckt, die vermehrt Trinkgelder nachträglich mit Abgaben belastet haben. Jetzt wurde klargestellt, dass Trinkgeld steuerfrei ist, an sich eine unbürokratische und gute Lösung. Wenn da nicht die Sozialversicherungsabgaben wären.
In der Gastronomie hat man sich auf Pauschalen geeinigt, andere Branchen werden wohl folgen. Allerdings wird uns dabei vor Augen geführt, was steuerfrei in Österreich bedeutet: Von 100 Euro Trinkgeld muss der Arbeitnehmer 18,50 Euro an Sozialversicherung zahlen, der Arbeitgeber zusätzlich noch 22 Euro (wofür eigentlich?). Für das seitens der Politik hochgelobte „steuerfreie“ Trinkgeld sind also über vierzig Prozent an Abgaben zu bezahlen.
Dass diese Skurrilität auf einer Forderung der Gewerkschaft beruht, zeigt einmal mehr, wie weit die politischen Eliten inzwischen von der Bevölkerung entfernt sind. Es geht scheinbar nur mehr darum, möglichst hohe Abgaben zu erfinden, die man dann wieder verteilen kann. Dabei wäre es wohl jedem nur recht, auch zukünftig das Trinkgeld einfach guten Gewissens in die Tasche zu stecken. Der Staat hat dabei rein gar nichts verloren, und wenn jetzt durch die Hintertüre neue Abgaben erfunden werden, ist das eigentlich eine Sauerei.
Franz Wallig