Sprache formt Realität – warum „Mann“ nicht alle inkludiert
01.05.2026 Junges EnnstalWie Sprache helfen kann, alle Menschen sichtbar zu machen und zu repräsentieren.
Geschlechtergerechte Sprache zerstört den Lesefluss. Das ist eine häufig getätigte Aussage im Sprachgebrauch, um geschlechtergerechter Sprache die Relevanz und ...
Wie Sprache helfen kann, alle Menschen sichtbar zu machen und zu repräsentieren.
Geschlechtergerechte Sprache zerstört den Lesefluss. Das ist eine häufig getätigte Aussage im Sprachgebrauch, um geschlechtergerechter Sprache die Relevanz und Notwendigkeit abzusprechen. Weit verbreitet ist auch das Argument, dass mit nicht geschlechtergerechten Sprachformen trotzdem alle Menschen inkludiert und angesprochen werden. Die Wahrheit ist: bei Verwendung nicht geschlechtergerechten Formulierungen werden auch nicht alle angesprochen und repräsentiert.
Geschlechtergerechte Sprache versucht genau dem entgegenzuwirken. Es werden sprachliche Formen etabliert, die alle Menschen repräsentieren, sichtbar machen und inkludieren. Wenn alle Menschen angesprochen werden sollen, muss das auch in der Sprache, die verwendet wird, sichtbar sein. Denn Sprache ist mehr als nur ein Werkzeug zur Kommunikation, Sprache formt Realitäten, beeinflusst Gedanken und reproduziert gesellschaftliche Normen.
W as bedeutet geschlechtergerechte Sprache?
Geschlechtergerechte Sprache, auch als gendersensible, gendergerechte, inklusive oder neutrale Sprache bezeichnet, zielt darauf ab, alle Geschlechter sprachlich sichtbar zu machen. Es geht darum, nicht nur die männliche Form zu verwenden und alle Personen zu inkludieren. Aktuell am häufigsten werden dafür das Sternchen (*) oder der Doppelpunkt (:) verwendet. Weiters ist es auch möglich anstatt beispielsweise das Wort Studenten (nicht geschlechtergerechte Sprache) zu verwenden, das Wort Studierende zu nutzen. Wenn das Wort Studenten geschlechtergerecht ausgedrückt wird, würde es mit dem Sternchen als Student*innen geschrieben werden. Auch in der Aussprache ist es wichtig eine kleine Pause beim Sprechen, den sogenannten Glottisschlag, zu berücksichtigen.
Historische Entwicklung
Geschlechtergerechte Sprache ist kein neues Phänomen. Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren gab es erste Bemühungen, die in der Sprache liegende männliche Dominanz zu hinterfragen und dieser entgegenzuwirken. Zu dieser Zeit wurde auch das Binnen -I verwendet, um Frauen sichtbar zu machen. Danach folgten das Sternchen und der Doppelpunkt.
Diese beiden Formen gendersensibler Sprache sind heute am weitesten verbreitet.
Die Relevanz zur Nutzung
Ein allseits bekanntes Sprichwort lautet „Wissen ist Macht“ und so ist es auch mit Sprache der Fall. Sprache prägt das Bewusstsein. Studien zeigen, dass gendersensible Sprache bereits Kinder beeinflusst. Ein Beispiel: 2013 gab es eine Erhebung in einer Grundschule. Es wurden Berufe zuerst in nicht gendersensibler Sprache vorgetragen (Beispiel: Erfinder) und danach in geschlechtergerechter Sprache (Erfinder*innen). Vor allem unter den Mädchen wurde sichtbar, dass sie sich nach Verwendung von geschlechtergerechter Sprache auch vermehrt vorstellen konnten in Berufen tätig zu sein, die stereotypisch eher Männern zugeschrieben werden. Dieses Beispiel zeigt, wie viel Einfluss und Macht in unserer Sprache liegen. Außerdem wenn nur eine Gruppe sprachlich repräsentiert wird, fühlen sich andere unsichtbar und nicht gleichberechtigt, denn Sprache sendet Signale. In diesem Fall, du gehörst dazu und du nicht. Außerdem stärkt geschlechtergerechte Sprache das Selbstwertgefühl und ist ein wichtiger Schritt hin zur Gleichberechtigung aller Menschen. Eine Frage, die man sich stellen muss: Kann Gleichberechtigung überhaupt gelingen, wenn bereits Sprache selbst Menschen unsichtbar macht und eine Barriere schafft?
Ein Appell: Gendersensible Sprache lässt Menschen zugehörig fühlen. Sie ist keine Barriere und stört nicht den Lesefluss, sondern ist eine Bereicherung, eine Einladung dazu, das Umfeld inklusiv zu gestalten. Die Entscheidung gendersensible Sprache zu nutzen, ist eine Entscheidung für Inklusion, Wertschätzung und Vielfalt.
Christina Gösweiner


