„Solange ich abliefern kann, höre ich nicht auf“
20.02.2026 RegionalesDer Deep-Purple-Schlagzeuger Ian Paice ist morgen, Samstag, zu Gast in Öblarn. Der „Ennstaler“ führte mit der Rocklegende vorab ein exklusives Interview.
Sie touren derzeit mit der Band Purpendicular durch Europa. ...
Der Deep-Purple-Schlagzeuger Ian Paice ist morgen, Samstag, zu Gast in Öblarn. Der „Ennstaler“ führte mit der Rocklegende vorab ein exklusives Interview.
Sie touren derzeit mit der Band Purpendicular durch Europa. Wie liefen die ersten Konzerte?
„Wir haben sehr viel Spaß. Und das ist das Wichtigste. Es gibt – so wie bei jeder Tour – sehr viel ,tote Zeit‘, aber ich fokussiere mich auf die neunzig Minuten, wo ich mit Freunden auf der Bühne stehe und das Publikum unterhalte. Und das läuft bisher sehr gut. Für mich ist es wichtig, dass ich auf der Bühne bin. Wenn ich das nicht mache, verschwinden meine Fähigkeiten. Deep Purple hatte die letzte Show vor Weihnachten und wir starten erst im April in Japan unsere nächste Tournee. Vier Monate ohne Auftritt sind eine lange Zeit. Es ist egal, ob ich vor 200 oder 20.000 Menschen spiele, ich möchte einfach richtig gut abliefern. So halte ich meine Stage-Fitness aufrecht.“
Wie fühlt sich das Leben als Rockstar nach all den Jahren an?
„Wenn du als junger Mensch – mit 19, 20 Jahren – unterwegs bist, ist natürlich alles einfacher.
Du musst dich nur um dich selbst kümmern. Wenn zu dir jemand sagt, steig jetzt ins Flugzeug und spiele morgen in Los Angeles, dann kannst du das machen. Später wird es komplizierter und du musst dich mit all dem Erwachsenen-Zeug herumschlagen. Dennoch sehe ich es als ein Geschenk, es ist wie zwei verschiedene Leben zu haben. Wenn ich zuhause bin, bring den Müll raus und gehe in den Supermarkt einkaufen. Doch dann bin ich wieder für drei, vier Wochen unterwegs, wo ich der Jugendliche sein kann, der an nichts anderes denken muss als an sich selbst.“
Was erwartet die Fans beim Konzert, morgen Samstag? Nostalgie oder frischer Wind? Ist es guter, alter Rock‘n‘Roll oder ein neuer Stil?
„Mit Purpendicular kann ich Songs spielen, die ich wirklich liebe und die ich schon in verschiedenen Versionen mit Deep Purple und White Snake performt habe. Es sind aber auch einige Stücke von anderen Bands sowie neues Material dabei. Ich würde sagen es ist ein Mix aus allem. Wir sind fünf Musiker auf der Bühne und wir wollen die Leute unterhalten und gemeinsam eine gute Zeit verbringen.“
Das Tour-Leben kann mühsam und kräfteraubend sein. Wo nehmen Sie die Energie und Motivation her?
„Die Leute kommen, um uns zu sehen. Wir wissen, die sind hier, weil sie das wirklich wollen. Mein Zugang zum Entertainment ist: Sei gut. Versuche aufregend sein und liefere eine gute Show ab. Das treibt mich an.“
Wann muss ein Rockstar kürzer treten? Schafft man es, überhaupt in Rente zu gehen?
„Die Uhr tickt und die schickt dich irgendwann in den Ruhestand. Das ist aber sehr individuell. Es gibt Leute, die sind mit fünfzig alt, andere sind es mit achtzig noch nicht. Es stellt sich die Frage wie es dein Körper aushält und wie du ihn behandelst.
Speziell als Schlagzeuger spielt der physische Aspekt eine Rolle. Du musst deine schwindende Muskelkraft kompensieren und dein Gehirn trainieren. Dabei gilt es stets eine Show abzuliefern, ohne deinen Körper zu ruinieren. So lange du so abliefern kannst wie du es dir vorstellst, gibt es keinen Grund damit aufzuhören. Wenn das nicht mehr geht, solltest du es bleiben lassen. Ich möchte nicht als ein Schatten meiner selbst enden. Ich möchte, dass die Leute heimgehen und sagen: ,Er ist noch immer richtig gut.‘“
Das einzige Österreich-Konzert dieser Tour geben Sie morgen Samstag in Öblarn, einem Dorf in den Alpen. Das ist für Ihre Verhältnisse eine kleine Bühne. Was denken Sie, wenn Sie das hören?
„Solange mein Schlagzeug Platz auf der Bühne hat, ist mir das egal. Das Drumkit braucht sehr viel Platz und meine Bandkollegen müssen damit klarkommen (lacht). Wir haben als Jugendliche Konzerte in kleinen Kaffs gespielt. In den Lokalen hatten vielleicht 50, 60 Leute Platz, insofern sind mir kleine Veranstaltungsorte nicht neu. Wir bringen guten Rock‘n‘Roll zu den Leuten hin, die vielleicht so ein Konzert nicht besucht hätten.“
Was möchten Sie jungen Musikern mitgeben, die am Beginn ihrer Karriere stehen?
„Erwarte nichts. Versuche alles, aber erwarte dir nichts. Wenn du Herz und Seele reinpackst und Talent hast, kannst du Erfolg haben. Wenn es passiert, nimm es nicht für selbstverständlich hin und bedenke: Je mehr Erfolg du hast umso härter wird es. Und je mehr du ihm nachjagst, umso schneller läuft er dir weg. Das einzige, dem du nachjagen sollst, ist täglich besser zu werden und dabei Spaß zu haben.“
