Schladmings letztes Baby
03.07.2026 RegionalesDie Geburtenstation in Schladming steht vor dem Aus. Das Personal wurde bereits gekündigt. Der Hebammenstützpunkt ist ab Oktober nur an zwei Tagen pro Woche besetzt.
Dass die Geburtenstation in Schladming ein Ablaufdatum hat, war spätestens ...
Die Geburtenstation in Schladming steht vor dem Aus. Das Personal wurde bereits gekündigt. Der Hebammenstützpunkt ist ab Oktober nur an zwei Tagen pro Woche besetzt.
Dass die Geburtenstation in Schladming ein Ablaufdatum hat, war spätestens seit der Präsentation des „Plan B“ Anfang Juni 2026 klare Sache. Zu gering sei die Auslastung. Stattdessen präsentierte die Kommission ein nicht näher definiertes Hebammenzentrum am Standort, „um werdende Mütter vor und nach der Geburt zu begleiten“, wie es damals hieß. Anfang Mai enthüllte der „Ennstaler“, dass der Betreiber dieses Zentrums nicht unbedingt die Diakonie sein muss. Laut neuesten Recherchen steht mittlerweile die KAGes als Betreiberin fest. Und auch ein Zeitpunkt ist bereits fixiert: Mit Ende September wird die Geburtenstation geschlossen. Im Regionalen Strukturplan Gesundheit ist als Nachfolgeabteilung noch von einem Hebammenzentrum die Rede, zwischenzeitig hat sich der Begriff zu einem Hebammenstützpunkt geändert. Weitere Details sollen heute bei einer Pressekonferenz in Schwarzach vorgestellt werden.
Kollektive Online-Kündigung
Sieben Kinderkrankenschwestern, sieben Schladminger Hebammen und fünf Ärzte erhielten vergangene Woche ihre Kündigung. Das habe sie unvorbereitet getroffen, berichtet eine Hebamme im Gespräch mit dem „Ennstaler“: „Wir sind davon ausgegangen, dass wir bleiben können. Man hat uns sogar gefragt, ob wir uns vorstellen können im Hebammenzentrum zu arbeiten, weil man dort auch Personal brauche.“ Im Auftrag der Diakonie entwickelte das Team der Geburtshilfe ein Konzept für die Nachfolgeabteilung. „Wir haben uns eine solche Abteilung in Voitsberg angesehen und mehrere Varianten mit unterschiedlichem Angebot ausgearbeitet und nach Graz geschickt. Darin enthalten waren die klassische Geburtsvorbereitung, Stillberatung, bis hin zu Bilirubinkontrolle (Neugeborenengelbsucht) und Wochenbettbetreuung“, sagt die Geburtshelferin. Umso größer war die Verwunderung, als sie und ihre Kolleginnen die Nachricht der kollektiven Kündigung bei einer kurzfristig einberufenen Online-Konferenz erfuhren. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate – solange bleibt die Geburtenstation noch geöffnet. Laut Diakonie werden die Kinderkrankenschwestern künftig in anderen Bereichen der Klinik eingesetzt. Mit dem nachfolgenden Angebot einer gynäkologischen Terminambulanz an der Klinik werde auch ein Teil der bisherigen Gynäkologen die ambulante gynäkologische Versorgung sicherstellen. „Darüber hinaus stehen wir mit unseren Partnern im Austausch, um weitere Beschäftigungsmöglichkeiten – insbesondere für Hebammen – zu schaffen“, sagt der ärztliche Direktor der Klinik Diakonissen, Karl Wohak. Die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz wird für die Schladminger Geburtshelferinnen dadurch nicht leichter: In ganz Österreich gibt es derzeit einen Überschuss. Das bestätigt auch die Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums, Lisa Rakos. Sie spricht von rund hundert ausgebildeten arbeitslosen Geburtshelferinnen.
Zwei Halbtage und Telefondienst
Die Schladminger Hebammen sind von ihrem bisherigen Arbeitgeber enttäuscht. „Wir hätten uns mehr Unterstützung oder ein Entgegenkommen erwartet. Ein Wille dazu ist für uns kaum erkennbar. Es gab kein Angebot, keine längere Übergangszeit. Da fragt man sich schon, wo der diakonische Gedanke der Nächstenliebe geblieben ist“, so die einhellige Meinung der Frauen. Neben ihren persönlichen Konsequenzen sehen sie und ihre Kolleginnen diese Entwicklung für die Region kritisch. Die KAGes wird sich in der Klinik Diakonissen einmieten und die Anlaufstelle von Rottenmann aus betreuen. Geplant seien zumindest zwei Wochentage, an denen der Stützpunkt besetzt ist. Während Gesundheitsfonds und KAGes betonen, dass die genaue Stundenanzahl noch nicht festgelegt sei, sickerten bereits konkretere Pläne durch: Demnach soll der Stützpunkt zweimal vier Stunden pro Woche besetzt sein. Der Gesundheitsfonds hat – bis vorerst 2029 – ein jährliches Budget von knapp 170.000 Euro veranschlagt. Nach Bedarf könne die Leistungserbringung sowohl vor Ort als auch telemedizinisch erfolgen. Die Hebammen bezweifeln, dass dadurch eine „kontinuierliche Betreuung“ sei: „Telefonisch ist eine Gelbsucht oder eine Brustentzündung schwer zu bewerten. Unsere Befürchtung ist, dass das spärliche Angebot des Hebammenstützpunktes im Laufe der nächsten Jahre ganz verschwinden wird. Wer soll sich dorthin wenden, wenn es die meiste Zeit unbesetzt ist?“ Der zeitliche Fahrplan ist jedenfalls beschlossene Sache. Ab Oktober gibt es anstatt der Geburtenabteilung einen Hebammenstützpunkt. Das letzte Baby wird in Schladming vermutlich im September zur Welt kommen.

