Ritterschläge für Schauspieler
26.06.2026 RegionalesVom Italien-Dreh mit Thomas Stipsits zum Filmfest München: Für den Gröbminger Schauspieler Lukas Walcher geht es aktuell um einen großen Preis.
Sie verweilen derzeit in Italien, sind dort aber nicht im Urlaub. An welchem ...
Vom Italien-Dreh mit Thomas Stipsits zum Filmfest München: Für den Gröbminger Schauspieler Lukas Walcher geht es aktuell um einen großen Preis.
Sie verweilen derzeit in Italien, sind dort aber nicht im Urlaub. An welchem Projekt arbeiten Sie?
Ich bin gerade in Conegliano und es stehen die letzten Drehtage für „Non mio Esolo“ bevor. Das ist der neue Film von Thomas Stipsists.
Worum geht es in dem Film?
Die Handlung spielt in der Schlagerwelt. Stipsits stellt einen heruntergerockten Schlagerstar dar und ich bin Edi, sein neuer Manager, der versucht, ihn wieder aufzubauen. Die Rolle hat er mehr oder weniger für mich geschrieben.
Das heißt er hat Ihnen Edi auf den Leib geschneidert?
Thomas und ich haben zum ersten Mal bei den Stinaz-Krimis zusammengearbeitet und uns sofort sehr gut verstanden. Wir passen humoristisch und menschlich perfekt zusammen. Für den Italien-Film sind der Regisseur und Thomas an mich herangetreten. Er meinte, er hätte schon beim Schreiben an mich gedacht. Natürlich musste ich den Casting-Prozess durchmachen, aber ich hatte ein paar Vorschusslorbeeren und hab im Endeffekt die Rolle bekommen. Das ist schon eine Art Ritterschlag für mich.
Wie kann man sich die Arbeit am Set dort vorstellen? Gibt es den typischen Drehtag?
Nein, den typischen Drehtag gibt es nicht. Besonders dieses Projekt ist geprägt von vielen Ortswechseln. Es sind zehn Tage in Italien anberaumt, davor drehten wir in rund 15 Tagen die Innenaufnahmen in Wien ab. Insbesondere die Außenaufnahmen sind sehr kräftezehrend. Es hat gefühlte 39, 40 Grad und wir sind den ganzen Tag in der prallen Sonne.
Wie beschreiben Sie die Zusammenarbeit mit Thomas Stipsits? Ist er hinter der Kamera ebenso lustig wie davor?
Thomas ist total humorvoll und arbeitet zugleich sehr konzentriert. Wir haben irrsinnig viel Spaß. Ich hab eine sehr lustige Figur: Total nervös, ein Hypochonder, stehe ständig unter Strom und versuche Gery, den Schlagerstar, wieder auf Spur zu bringen. Gemeinsam arbeiten wir daran, wie wir manche Szenen noch besser herausarbeiten können. Wir fragen uns: Wo sitzt die Pointe? Da hilft natürlich seine Erfahrung. Bei den Aufnahmen ist es mitunter hin und wieder schwierig, denn er lacht viel und lässt sich gern dazu verleiten. Ich seh‘s ihm schon in den Augen an, wenn er nicht mehr kann. Nach den ersten Tagen meinte er, er bewundere mich, wie ich es schaffe konzentriert zu bleiben, während alle anderen vor Lachen schon wegbrechen. Selbst die Teammitglieder drehen sich weg und verstecken sich.
Wie schaffen Sie es, fokussiert zu bleiben?
Mich schmeißt es auch oft aus der Kurve, aber ich weiß, wie kompliziert das Setting ist. Alle müssen viel beitragen und ich möchte es als Schauspieler nicht versauen. Deswegen versuche ich, so gut es geht, in der Situation zu bleiben und Sachen auszublenden. Thomas hat sich schon oft bei mir für seine Lachanfälle entschuldigt.
Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle als Schlagerstar-Manager vorbereitet?
In diesem Fall hab ich mich in die Schlagerwelt hineinrecherchiert, denn ich bin kein Fan dieser Musik. Ich mag zwar alte Schlager, aber im Genre meiner Figur kannte ich mich nicht aus. Also hab ich viele Videos geschaut
– von „Musikantenstadel“ bis zum ZDF-„Fernsehgarten“ und studierte Interviews mit Schlagerstars. Unser Regisseur hat mir Filmtipps gegeben, die den Stresslevel meiner Figur ähneln sollten. Und ich hab mir eine Musikplaylist zusammengestellt, mit Nummern, die mich in Stress versetzen und die zum Rhythmus der Figur passen. Wenn ich während der Dreharbeiten aus der Rolle falle, setz ich mir die Kopfhörer auf und bin sofort wieder drinnen.
Kommende Woche findet das Filmfest München statt. Es ist nach der Berlinale das zweitgrößte Filmfestival Deutschlands und Sie sind mit dem Film „Erinnerungen eines Waldes“ als bester Schauspieler nominiert. Was bedeutet das für Sie als österreichischer Künstler?
Als ich den Weg zur Schauspielerei einschlug, waren solche Nominierungen ein großer Traum. Wenn man dann in der Branche tätig ist und sieht, wie viele Menschen diesen Beruf machen, wie viele Filme es gibt, scheint dieser Traum immer unerreichbarer. Man denkt sich: Das wird nie was. Als mich die Regisseurin Katharina Rabl angerufen hat, dass der Film und ich als Schauspieler nominiert sind, war kurz Sendepause für mich. Ich musste das erst einmal verarbeiten. Allein die Nominierung bedeutet mir sehr viel, ein Sieg wäre das Sahnehäubchen oben drauf.
Der Film hatte absolut kein Budget. Umso mehr freut es uns, dass er bei einem so bedeutenden Filmfestival angenommen wurde. Das ist eine Riesen-Anerkennung für das ganze Team, das für wenig Geld arbeitet.
Sie sind berufsbedingt viel unterwegs. Kommen Sie auch gern in ihre Heimat zurück?
Mein familiärer Lebensmittelpunkt ist in München und arbeitsbedingt verbringe ich die meiste Zeit in Wien. Nach den Dreharbeiten in Italien und dem Filmfest hab ich vor, eine Zeit lang im Ennstal zu sein. Das ist für mich ein Entspannungsort, wo ich alle fünf gerade sein lassen kann.
Sind schon weitere Projekte in Aussicht oder ist dann erstmal Urlaub angesagt?
Ich hab noch ein Projekt gegen Ende des Sommers. Das ist ein kleiner Fernsehfilm, mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Dazwischen hab ich vor durchzuatmen und die Ruhe vor dem Sturm zu genießen, denn im Herbst wird wahrscheinlich der Premieren-Reigen losgehen. Ich hoffe auch, dass dabei ein Stopp im Kino Gröbming klappt.
Lukas Walcher ist 1990 in Schladming geboren und aufgewachsen in Gröbming. Nach der Matura in Stainach war er als freier Schauspieler in Graz tätig. Später absolvierte er die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, war Ensemblemitglied im Schauspielhaus von 2019 bis 2023. Walcher hatte Engagements u. a. in Tatort, Soko Kitzbühel, Landkrimi, Uhudler-Verschwörung, Eierkratz Komplott uvm. Der letzte Drehtag für „Non mio Esolo“ war gestern, Donnerstag, dem 25. Juni, die Premiere des Kinofilms ist am 4. März 2027 anberaumt.

