Replik zum Bericht „Mehr Platz für die Enns“, vom 27. März.
24.04.2026 LESERBRIEFEReplik zum Bericht „Mehr Platz für die Enns“, vom 27. März.
Volkswirtschaftlicher Unsinn
Beim „Life Iris“-Projekt handelt es sich um ein von der EU gefördertes, österreichweites Projekt mit Schwerpunkt auf die ...
Replik zum Bericht „Mehr Platz für die Enns“, vom 27. März.
Volkswirtschaftlicher Unsinn
Beim „Life Iris“-Projekt handelt es sich um ein von der EU gefördertes, österreichweites Projekt mit Schwerpunkt auf die ökologische Sanierung unserer Gewässer bei gleichzeitig verbessertem Hochwasserschutz. Erfreulicherweise wurde der obere Abschnitt der Enns als einer von acht Flussabschnitten in das Programm aufgenommen. Eine Initiative, die helfen soll, die in den letzten 150 Jahren kanalisierte Enns wieder in einen ökologischen Zustand zurückzuführen.
Bereits in den letzten Jahren haben kleinere Aufweitungen an der Salzamündung, in Aich, Haus und Schladming bei den Äschenbeständen zu erstaunlichen Erfolgen geführt. Daher ist es sehr erfreulich, dass nun in Stainach ein größeres Projekt zur Renaturierung der Enns umgesetzt wird.
Das darüber hinaus anstehende Millionenprojekt von Stein/ Enns abwärts nach Trautenfels soll mittels Aufweitungen weiteren Lebensraum schaffen. Ebenfalls mittels Steuergeldern (EU, Bund und Land) versucht man ökologische Schäden und nahezu verschwundene Fischbestände als Folge des Schwall- und Sunkbetriebs der Kraftwerke in den Zubringerbächen wiederherzustellen. Die externen Folgekosten der energetischen Nutzung werden nun offensichtlich – Wasserkraft hat einen hohen Preis.
Wenn nun gleichzeitig seitens der Energiewirtschaft angestrebt wird, die mittlerweile letzten freifließenden Strecken an der Enns rund um Schladming mit neuen Kraftwerken zu zerstören, ist das nicht nur ökologischer Wahnsinn, sondern auch volkswirtschaftlicher Unsinn. Diese Kraftwerke dienen dank hoher Subventionen weitgehend dem betriebswirtschaftlichen Gewinnstreben der Kraftwerksbetreiber, um in dreißig oder mehr Jahren die ökologischen Folgekosten wiederum mit Steuergeldern zu Lasten der Allgemeinheit zu bereinigen.
Wie auch die verantwortlichen Manager der Energiekonzerne bekräftigen, liegen die Herausforderungen zur Energiesicherheit angesichts des raschen Ausbaus von Photovoltaik und Windkraft im Ausbau von Speicherkapazitäten und des Leitungsnetzes. Der weitere Raubbau der letzten unverbauten Gewässer hat für die Versorgungssicherheit wenig bis gar keine Bedeutung.
Die letzten Naturschätze sind Grundlage unserer Lebensqualität wie auch einer nachhaltigen touristischen Entwicklung der Region. Die Verbauung und Zerstörung ist daher abzulehnen.
Franz Zefferer, Schladming
Obmann
Verein Lebenswerte Region