„Plan B gefährdet die Gesundheit“
11.07.2025 RegionalesFachleute rund um Ex-Med Uni-Rektor Hellmut Samonigg kritisieren Plan B für die Gesundheitsversorgung des Bezirkes. Freiheitliche orten „Anti-FPÖ-Show“.
Der ehemalige Rektor der Med Uni Graz, Hellmut Samonigg, gilt als Verfechter des „Plans ...
Fachleute rund um Ex-Med Uni-Rektor Hellmut Samonigg kritisieren Plan B für die Gesundheitsversorgung des Bezirkes. Freiheitliche orten „Anti-FPÖ-Show“.
Der ehemalige Rektor der Med Uni Graz, Hellmut Samonigg, gilt als Verfechter des „Plans A“ – der Errichtung des Klinikums in Stainach. Vergangene Woche lud er zu einer Pressekonferenz, wo er gemeinsam mit dem Gesundheitsökonomen Ernest Pichlbauer und dem Krankenhausmanager Nikolaus Koller die Pläne der Landesregierung aufs Schärfste kritisierte. Auslöser war die Veröffentlichung des Berichts der Expertenkommission für den „Plan B“ – also den Ausbau von Rottenmann und den Erhalt der Häuser in Schladming und Bad Aussee.
„Raus aus den Emotionen“
„Wenn man das genau liest, hat das Papier den Beweis erbracht, dass das nicht funktioniert“, resümiert Samonigg nüchtern. Der Krankenhausmanager Nikolaus Koller sagte, dass die „politisch motivierten Lösungen“ auf Kosten der Patientensicherheit gehen würden. In Schladming werde die Hälfte „amputiert“, und sich in Bad Aussee rein auf Akutgeriatrie zu konzentrieren, sei „für Patienten geradezu gefährlich“. Insbesondere bei älteren Menschen wären andere Disziplinen wie Neurologie, Chirurgie, Urologie und dergleichen unter dem selben Dach wichtig. Eine Sanierung von Rottenmann würde mindestens bis 2040 andauern und dann habe man „eine homöopathische Lösung herbeigeführt“, bekrittelt Koller und appelliert: „Raus mit den Emotionen! Wir müssen auf die Sachebene kommen.“
Liezen hat die meisten Epileptiker
Das war gleichzeitig das Stichwort für den Gesundheitökonomen Ernest Pichlbauer, der die Gesundheitsversorgung anhand von Zahlen analysierte. Sein Fazit: Um den Bezirk Liezen ist es schlecht bestellt, mit dem Plan B würde es noch schlechter werden. So würde die Bevölkerung in der Region schon jetzt zu einem Drittel mehr an den Folgen von nicht richtig behandelten Schlaganfällen zu leiden haben, weil sie nicht in sogenannte „Stroke Units“ überwiesen werden. Irreparable Lähmungserscheinungen und Epilepsie seien die Konsequenz davon. Der Bezirk Liezen weise österreichweit die höchste Zahl an Epileptikern aus. Auch bei Bypass-Operationen zeige sich ein ähnliches Bild. Jetzt hätte man die Möglichkeit, mit einem neuen Konzept die Versorgung zu verbessern, doch „das was da geplant ist, ist massiv gesundheitsgefährdend“, sagt Pichlbauer.
Operationen aus Langeweile
Die Geburtenstation in Schladming sei aufgrund der niedrigen Fallzahlen eher ein „Hobbybetrieb“. Deswegen liege das durchschnittliche Alter der Fachärzte dort auch bei 71 Jahren. „Da kommt kein junger Arzt mehr hin, weil es dort nichts zu lernen gibt“, so Pichlbauer. Die einzige Abteilung, die in Schladming auf eine vernünftige Auslastung komme, sei die Orthopädie – allerdings nur im Winter. Die saisonale Verdichtung durch Skiunfälle würde zu einem Phänomen der Überversorgung im restlichen Jahr führen, denn die Liezener kriegen am häufigsten von allen Österreichern künstliche Hüften eingesetzt. Hier liege man um fast einem Viertel über dem bundesweiten Schnitt. „Der Hintergrund ist simpel. Die Chirurgen in der Skiregion langweilen sich im Sommer, deswegen operieren sie elektiv (nicht dringlich, Anm.)“, so Pichlbauer.
Unklare Positionen der Opposition
Die Neos haben sich vor der Wahl lautstark gegen das Klinikum Stainach gestellt. Nun attestieren sie der FPÖ ein gebrochenes Wahlversprechen. Plan B sei kein echter Plan, sondern ein Placebo. Es brauche umfassende Reformen, sagt Klubobmann Niko Swatek. Wie genau die aussehen sollen, bleiben die Neos schuldig. Swateks Replik auf die Pressekonferenz klingt wie ein Kurswechsel: „Das hohe Durchschnittsalter an den Standorten ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein deutliches Warnsignal: Es fehlt an Personal, um drei Spitäler aufrechtzuerhalten.“ Auch die SPÖ kritisiert die Vorgangsweise der Landesregierung. „Anstatt, wie vor der Wahl versprochen, die Gesundheitsversorgung im Bezirk Liezen zu verbessern, gefährdet die FPÖ mit ihrem in Auftrag gegebenen Plan die Versorgung massiv“, sagt SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz, der erneut dringend eine Abkehr von Plan B fordert. Gleichzeitig fordert Schwarz die Erhaltung aller drei Spitäler mit zumindest einer stationären Akutambulanz an jedem Standort.
„Ideologisch motiviert“
Der Freiheitliche Klubobmann Marco Triller ortet „Stimmungsmache gegen die FPÖ in der Landesregierung“. Samonigg, Pichlbauer und Koller würde es nicht um „seriöse Argumente, sondern um ideologisch motivierte Angriffe“ gehen. Einen persönlichen Termin zwischen Hellmut Samonigg und Landeshauptmann Mario Kunasek hat es bisher nicht gegeben, sagt Samonigg. Er habe zwar schon vor längerer Zeit angefragt, doch aus dem Büro des Landeshauptmannes hieß es damals, dass derzeit kein Bedarf bestehe.