Neuer Anstrich für Schloss Trautenfels
04.07.2025 RegionalesIn enger Abstimmung mit dem Denkmalamt wird in Trautenfels eifrig gewerkelt. 122 neue Fenster, Naturschiefer statt Holzschindeln und eine neue Farbe.
Seit Jahrhunderten thront das Schloss Trautenfels am Fu- ße des Grimmings und gilt als Wahrzeichen des mittleren ...
In enger Abstimmung mit dem Denkmalamt wird in Trautenfels eifrig gewerkelt. 122 neue Fenster, Naturschiefer statt Holzschindeln und eine neue Farbe.
Seit Jahrhunderten thront das Schloss Trautenfels am Fu- ße des Grimmings und gilt als Wahrzeichen des mittleren Ennstales. Das exponiert liegende Bauwerk bildet einen markanten Landschaftspunkt im Herzen der Region. Seit März ist es eingehüllt mit einem Gerüst und ein Baukran überragt den Schlossturm.
Vom Verfall gerettet
Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1260. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten mehrmals die Besitzer. 1959 verkaufte die Republik Österreich das Schloss um einen Erinnerungsschilling an das steirische Jugendherbergswerk. Zusätzlich stellte sie 750.000 Schilling zu Verfügung, um die Wehrbasteimauer zu sanieren. Im selben Jahr eröffnete das Heimatmuseum als Abteilung des Joanneums. Als die Jugendherberge 1982 auszog, gab es Überlegungen, das Schloss dem Verfall preiszugeben. Alle politischen Vertreter sprachen sich für den Erhalt des geschichtsträchtigen Bauwerks aus. Es sollte ein Kulturzentrum für die Region entstehen und so folgten umfassende Sanierungsarbeiten.
Umfassende Sanierungen
In den Achtziger-Jahren wurden Dach und Fassade saniert, Anfang der Neunziger-Jahre folgte eine Generalsanierung im Inneren des Gebäudes, später nahm man die Basteimauer und den Schlosshof in Angriff. „Schon 2010 stand ein Fenstertausch zur Diskussion“, sagt Museumsleiterin Katharina Krenn. Das morsche Holz der Rahmen zerbröselte teilweise unter den Fingern, die finanziellen Mittel dafür konnten jedoch nicht so schnell gesichert werden. Es sollten noch fast 15 Jahre vergehen. In der Zwischenzeit begann die Fassade an mehreren Stellen zu bröckeln und das Holzschindeldach geriet an das Ende seiner Lebensdauer. Bislang wurden Wassereintritte nur provisorisch repariert, um größere Schäden zu verhindern, doch diese Notlösung war weitgehend ausgeschöpft. Im Dachboden gelagerte Exponate liefen Gefahr, beschädigt zu werden. Man erstellte einen Sanierungsplan und kam zu dem Schluss, Fenster, Dach und Fassade gleichzeitig in Angriff zu nehmen. „Auf mehrere Jahre aufgeteilt, hätte alleine das Eingerüsten hunderttausende Euro an zusätzlichen Kosten verursacht“, sagt Katharina Krenn. Das Land Steiermark, die Gemeinde Stainach-Pürgg und das Universalmuseum Joanneum haben in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt die Finanzierung gemeinsam übernommen. Das Gesamtbudget dafür beläuft sich auf 1,5 Millionen Euro.
Denkmalschutz und bauliche Ansprüche
Der Startschuss erfolgte im März dieses Jahres, im Oktober soll die Sanierung abgeschlossen sein. „Bauarbeiten bei einem denkmalgeschützten Gebäude bedeuten immer einen Spagat zwischen der Bewahrung des Denkmalcharakters und gleichzeitig der Einhaltung von gesetzlichen und baulichen Ansprüchen“, sagt Katharina Krenn. Doch man sei in der glücklichen Lage, sehr konstruktiv und lösungsorientiert mit dem Amt zusammenarbeiten zu können. Einmal pro Woche ist ein Vertreter vor Ort, der sich mit Bauleitung und der Museumsleitung abstimmt. Insgesamt sind 122 Fenster zu tauschen. Es handelt sich dabei um keine historische Bausubstanz, doch jedes einzelne Stück ist eine Individualanfertigung. Die Fensterbänke werden originalgetreu aus Blei angefertigt.
Alte Handwerkstechniken
Die Bauleitung hat Thomas Baumegger inne. Er betreibt ein Planungsbüro im Bezirk Weiz. Zuvor war der gelernte Maurer in der Bauabteilung des Museums Joanneum beschäftigt. Die Baustelle sei für ihn und seine Leute etwas Besonderes, sagt er: „Wenn du Glück hast, kannst du einmal in deiner Karriere an einem Schloss arbeiten. Wir wissen, dass wir eine gewisse Verantwortung dem Denkmal gegenüber haben. Das ist Kulturgut, wenn wir es zerstören ist es weg.“ Umso behutsamer geht er mit der Bausubstanz um und schwört die Bauarbeiter auf die sensiblen Gegebenheiten ein. „Das Handwerk ist nicht alltäglich. Vielfach müssen sich die Handwerker mit alten Techniken wieder vertraut machen und an Lösungen tüfteln“, so Baumegger.
Neben den alten Techniken sind auch nur bestimmte Baumaterialien erlaubt. Beim Dach standen nur Holz- oder Steinschindeln zur Auswahl, Blech wäre undenkbar gewesen und Tondachziegel waren aufgrund des Gewichtes nicht möglich. In Abstimmung mit dem Denkmalamt hat man sich für einen Naturschieferstein entschieden. Die Kosten im Vergleich zu Lärchenschindeln belaufen sich gleich. Die Haltbarkeit schätzt Baumegger aber auf das Zwei- bis Dreifache der Zeit.
Neuer Anstrich
Gleichzeitig mit dem Fenstertausch und dem neuen Dach wird auch die Fassade saniert. Nach dem Abschleifen wurden Schadstellen ausgebessert. Eine Grundierung wurde bereits aufgetragen. Zuvor hat ein Restaurator Proben entnommen, die derzeit in einem Labor ausgewertet werden. Daraus lässt sich ableiten, wie das Schloss in den letzten Jahrhunderten ausgesehen haben könnte. Im Oktober werden Gerüst und Kran verschwinden und das Schloss Trautenfels wird wieder als Wahrzeichen das Landschaftsbild prägen. In welchem Farbton das sein wird, entscheidet man in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Fest steht: Der neue Anstrich greift eine Farbgebung auf, die das Schloss in seiner 900-jährigen Geschichte bereits einmal getragen hat.