Drei kleine Seitenarme an der Enns sind derzeit bei Stainach in Bau. Während das Land dieses Projekt umsetzt, plant der Verbund eine noch größere Renaturierung.
Wo der rauschende Verkehr der B 320 auf das ruhige Plätschern der Enns trifft, mischt sich ...
Drei kleine Seitenarme an der Enns sind derzeit bei Stainach in Bau. Während das Land dieses Projekt umsetzt, plant der Verbund eine noch größere Renaturierung.
Wo der rauschende Verkehr der B 320 auf das ruhige Plätschern der Enns trifft, mischt sich seit vergangenen September ein neues Geräusch unter die Kulisse: das stetige, monotone Brummen von Baggern und Traktoren. Unmittelbar neben der Umfahrung Stainach herrscht rege Betriebsamkeit. Hier setzt das Land Steiermark ein „Life Iris“-Projekt der Europäischen Union um, das der einst begradigten Enns ihren Freiraum zurückgibt. „In Summe werden zwischen 60.000 und 65.000 Kubikmeter Material bewegt“, erklärt Gerald Schachner von der Baubezirksleitung. Die Gesamtkosten liegen bei 1,5 Millionen Euro.
Flussläufe statt Ennsnahe Trasse
Exakt dort, wo die Enns-Trasse verlaufen hätte sollen, wird ein vollkommen gegensätzliches Projekt realisiert. Statt Beton bekommt der Fluss Raum zurück. Im Rahmen der „Life Iris“-Initiative werden begradigte Abschnitte renaturiert. „Wäre die Trasse gebaut worden, wäre eine Renaturierung hier nicht möglich“, sagt Baubezirksleiter Martin Reiter-Puntinger. Nun entstehen in Stainach auf einer Länge von 1,2 Kilometern drei Initialgerinne. Damit verdoppelt sich die Breite des Gewässers stellenweise von 50 auf 100 Meter. Grundablöse war dazu keine notwendig. Das ist schon im Zuge der Planungsarbeiten für die Enns-Trasse geschehen. Strategisch platzierte Buhnen am gegenüberliegenden Ufer lenken die Strömung gezielt in diese neuen Seitenarme. Hinter diesen Strömungslenkern entstehen zudem beruhigte Zonen, die Fischen und ihrem Laich wichtigen Schutz bieten. Ein wertvoller Nebeneffekt: Diese Buchten helfen dabei, die negativen Auswirkungen des Schwallbetriebs der Kraftwerke in den oberen Zubringerbächen abzufedern. Ein Damm an der Nordseite der Enns schützt die dahinterliegenden Nutzflächen vor Hochwasser.
Vom Sumpfland zur Nutzfläche
Vor rund 150 Jahren wurde die Enns in ein enges Korsett gezwungen. Damals stand die Gewinnung von landwirtschaftlichen Flächen im sumpfigen Ennstal an oberster Stelle. Insgesamt 40 Durchstiche verkürzten den Flusslauf massiv – um insgesamt 19 Kilometer. In der Folge verlor der Flussraum rund 55 Prozent seiner ursprünglichen Fläche und schrumpfte von 600 auf nur noch 270 Hektar; etwa 1500 Hektar Feuchtwiesen wurden trockengelegt. Diese radikale Begradigung führte zu einer starken Eintiefung des Flussbettes. Mit dem „Life Iris“-Projekt wird dieser Prozess nun punktuell umgekehrt. Auch wenn die aktuellen Maßnahmen im Vergleich zur historischen Gesamtlänge gering erscheinen mögen, entstehen hier entscheidende Rückzugsräume für Fische, Amphibien, Vögel, Insekten und Pflanzen.
Weiteres Millionenprojekt
Während in Stainach die Arbeiten des Landes Steiermark voraussichtlich im Juni abgeschlossen sein werden, plant der Verbund bereits den nächsten großen Wurf: Eine groß angelegte Renaturierung von Trautenfels flussaufwärts bis nach Stein an der Enns. Rund 30 Millionen Euro fließen in diesen Rückbau, der dem Fluss insgesamt 35 Hektar Raum zurückgeben soll. Die Einreichung des Projekts ist für diesen Sommer geplant; mit der Umsetzung wird frühestens im kommenden Winter begonnen.
Übergabe an die Natur
Noch gleicht der Uferbereich in Stainach einer gewaltigen Baustelle. Berge von Wurzeln und von schweren Baumaschinen durchzogene Erdflächen prägen das Bild. Die ausgegrabenen Wurzeln und Baumstämme werden gezielt wieder im Uferbereich eingebaut. Gemeinsam mit Totholz und Steinen an den Böschungen sollen sie eine fließende Übergabe an die Natur erleichtern.
Sobald die Bagger abgezogen sind, übernimmt die Natur wieder die Gestaltung der Landschaft. Flusslauf, Pflanzen und Tiere haben in dem Mini-Biotop dann wieder freie Hand.