Mehr als Bett und Piste
06.03.2026 RegionalesTourismus-Speerspitze im Gespräch mit dem „Ennstaler“: Reichweitenstarke Saisoneröffnungen im Winter und im Sommer, Millioneninvestitionen in Radwege im Gelände.
Die Wintersaison neigt sich dem Ende zu. Wie zieht der ...
Tourismus-Speerspitze im Gespräch mit dem „Ennstaler“: Reichweitenstarke Saisoneröffnungen im Winter und im Sommer, Millioneninvestitionen in Radwege im Gelände.
Die Wintersaison neigt sich dem Ende zu. Wie zieht der Tourismusverband Bilanz?
Schattleitner: Wir bewegen uns auf einem hohen Niveau, dieses konnten wir auch in diesem Winter halten - darauf sind wir stolz. Von November bis Jänner gerechnet haben wir den stärksten Winter der Geschichte und laut unseren Prognosen wird die aktuelle Saison der stärkste Winter aller Zeiten. Nicht nur bei den Nächtigungen, sondern auch in der Wertschöpfung.
Keinprecht: Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass zwar die Aufenthaltsdauer kürzer geworden ist, die Gäste aber bereit sind mehr Geld auszugeben. Das ist ein Plus für die Wertschöpfung im Allgemeinen. Das Nächtigungsplus im Jänner zeigt, dass wir kein Jännerloch mehr haben.
Der Winter hat fulminant mit einem dreifachen Backstreet Boys-Konzert begonnen. Robbie Williams, Bryan Adams-Sting und Simply Red konnten nochmals getoppt werden. Im Sommer steht ein fünffaches Konzert an. Möchte sich Schladming auch als Party-Destination positionieren oder lieber der Gegenentwurf von Ischgl sein?
Schattleitner: Gegenentwurf ist zu hart formuliert. Wir positionieren uns durch die Wahl der Künstler. Weg von sehr laut, hin zu qualitativ hochwertig. Dabei achten wir auf einen guten Medienwert. Schladming-Dachstein ist eine Destination, die im Alpenraum und darüber hinaus sehr bekannt ist. Da helfen Skiopenings auch mit. Zudem machen wir aus einer toten Zeit eine Hauptsaison.
Wer wird heuer den Winter eröffnen?
Schattleitner: Es sind schon Namen gefallen, aber es ist noch nichts fixiert und es wäre noch zu früh, darüber zu sprechen.
Warum braucht die Region zusätzlich zum Winter-Opening auch ein Sommer-Opening?
Keinprecht: Wir verfolgen die selben Ziele wie beim Winteropening. Damit läuten wir die Saison ein. Die Sommeröffnungszeiten unserer Betriebe waren bisher sehr durchwachsen. Manche öffneten im Mai, andere im Juni, wieder andere erst mit Ferienbeginn im Juli. Wir merken nun, dass sehr viele den 3. Juni als Start für den Sommer definieren. Daneben generieren wir einen starken Werbeimpuls. Durch die Künstlerauswahl sprechen wir wieder Gäste an, die im besten Fall ein paar Tage anhängen und auch wieder kommen.
Der Tourismusverband spricht oft von Qualität statt Masse. Doch was heißt Qualitätstourismus?
Keinprecht: Qualität definieren wir nicht anhand der Anzahl von Fünf-Sterne-Hotels, sondern entlang der gesamten Dienstleistungskette. Dazu zählen die Investitionen der Seilbahnen in die Aufstiegshilfen und in Beschneiungsanlagen, dazu zählen die Veranstaltungen des Tourismusverbands, dazu zählt die Kulinarik.
Schattleitner: Bett und Skipiste reichen heute nicht mehr aus. Du brauchst als Tourismusregion eine weitere Produktpalette. Wir versuchen mit unseren Initiativen, genau das anzustoßen.
Welche Projekte treibt der Tourismusverband, um diese Produktpalette zu erweitern?
Keinprecht: Wir wollen zum Beispiel im Sommer nicht Wanderer mit Wanderer austauschen, sondern neue Zielgruppen erschlie- ßen. Dazu startet in Kürze der Bau der Sonnseiten-Trails.
Was sind die Sonnseiten-Trails?
Keinprecht: Hotels der Region und die 4-Berge-Bergbahnen haben sich zusammengeschlossen und entwickeln Radrunden im Gelände. Nun entsteht eine Runde von Schladming über die Klaus nach Ramsau, über das ganze Sonnenplateau und bei Pichl wieder ins Tal. Dann kann man bei der Reiteralm über die Strickbrücke in Richtung Talbach und über die Planai wieder nach Schladming. Dadurch erstreckt sich unser Portfolio für den Radtourismus von schroff bis sanft – von Downhill, Flowtrails über Singletracks bis hin zum Alltagsradfahren.
Schattleitner: Und wir füllen eine Lücke. Während die Bergbahnen im März ihre Trails noch nicht öffnen können, werden diese Strecken bereits befahrbar sein. Als Tourismusverband dürfen wir diese Infrastruktur nicht betreiben, aber wir beteiligen uns gemeinsam mit dem Land Steiermark an der Impulsfinanzierung. Allein heuer werden 2 Millionen Euro investiert, insgesamt werden es an die 4 bis 4,5 Millionen Euro werden. Die Sonnseiten Trails sind neue Wege und mit nur einem Meter Breite ein minimaler Eingriff in die Natur. Das Gefälle liegt zwischen 5 und 8 Prozent.
Sie stecken viel Energie in Überzeugungsarbeit in Richtung Bevölkerung und Beitragszahler. Muss man die Region bei Laune halten?
Schattleitner: Nur bei einem hohen Tourismusbewusstsein in der Bevölkerung floriert die Region. Tourismus ist kein Selbstzweck. Sogar die größten Kritiker wissen, dass es im oberen Ennstal ohne ihn finster wäre. Wir machen das nicht nur, damit sich der Hotelier und der Seilbahner freut – es sind auch die Auftragsbücher der Handwerker voll, wir unterstützen Vereine und bieten ein Freizeitangebot für Einheimische.
Bei der kommenden Generalsversammlung steht der Beschluss für die Beibehaltung der erhöhten Interessentenbeiträge auf der Agenda (plus 150 Prozent). Werden die Interessenten mitziehen? Gab es im Vorfeld Diskussionen?
Schattleitner: Westliche Tourismusregionen werden ihre Beiträge massiv erhöhen. Wir haben im Jänner in der Kommissionssitzung gesagt, dass wir mit dem bestehenden Budget auskommen werden. Wir denken nicht an eine Erhöhung, sondern eine Beibehaltung der Beiträge. Der Grundtenor in den unzähligen Gesprächen die ich führe lautet: „Danke für eure Arbeit“ und „das Gästeaufkommen passt“. Natürlich gibt’s auch kritische Stimmen und wir stellen uns gern der Diskussion. Im persönlichen Gespräch kann man viel erklären. Den bezahlten Beitrag verdient man in der Regel locker zurück.
Keinprecht: Wir müssen mit dem Geld auskommen, das wir haben. Mit weniger können wir die Qualität nicht halten und auch nicht mit anderen Regionen mithalten. Strategisch sind wir sehr gut aufgestellt und unsere Beitragszahler wissen, dass wir behutsam mit dem Geld umgehen. Wir müssen demütig bleiben und jenen Danke sagen, die diesen Weg mittragen – unseren Betrieben, Mitarbeitern und Gästen.

