Lebenshilfe Ennstal unter neuer Führung
17.01.2025 RegionalesGertrude Rieger wechselt von der Geschäftsführung als Obfrau in den Vorstand. Ihr Nachfolger ist Andreas Steer.
Gegründet im Jahr 1980, unterstützt die Lebenshilfe
Ennstal aktuell rund 1500 Menschen mit körperlicher und psychischer ...
Gertrude Rieger wechselt von der Geschäftsführung als Obfrau in den Vorstand. Ihr Nachfolger ist Andreas Steer.
Gegründet im Jahr 1980, unterstützt die Lebenshilfe
Ennstal aktuell rund 1500 Menschen mit körperlicher und psychischer Beeinträchtigung; 110 davon in Tageswerkstätten und in den Wohnhäusern. Ein Großteil der Kundinnen und Kunden wird von den Mobilen Diensten und dem Netzwerk berufliche Assistenz (NEBA), zwei Teilbereichen der Lebenshilfe Ennstal, betreut. Seit 1. Jänner dieses Jahres wird das Unternehmen von einem neuen Geschäftsführer geleitet. Andreas Steer heißt der Nachfolger von Gertrude Rieger, die nach über zehn Jahren als Geschäftsführerin mit Jahreswechsel als Obfrau in den Vorstand wechselte. Auch Steer ist seit langem mit dem Unternehmen verbunden. 2006 trat er als Zivildiener zum ersten Mal in Kontakt mit der Lebenshilfe Ennstal. Seither ist er für den Sozialdienstleister tätig, mit Ausnahme zweier kurzer Unterbrechungen. Im Laufe der Jahre hat der heute 48-Jährige viele Unternehmensbereiche durchlaufen, war sowohl als Betreuer für Menschen mit Beeinträchtigung als auch in der Verwaltung tätig und weiß, dass er mit der Übernahme der Geschäftsführung kein leichtes Erbe antritt. Denn als Sozialdienstleister ist das Personal auch bei der Lebenshilfe Ennstal ein brennendes Thema.
Neue Kampagne zur Personalakquise
Laut einer Studie der AK steht das Pflegesystem in der Steiermark kurz vor dem Kollaps. Demnach plant jeder zehnte Mitarbeitende aus diesem Bereich auszusteigen. Im Sozialbereich seien die Sorgen zwar um vieles geringer als in der Pflege, doch auch hier sei die Personalsuche eine Herausforderung, so Steer: „Im Vorjahr hatten wir monatelang Stellen ausgeschrieben, ohne sie besetzen zu können. Derzeit ist die Lage besser. Wir sind wieder gut aufgestellt.“ Einer der Gründe dafür sei eine neue Kampagne zur Personalakquise, die man im Herbst des Vorjahrs in Sozialen Medien gestartet habe. Erfreuliches Ergebnis: Die Videos verzeichnen tausende Zugriffe, wodurch „unsere Arbeit gut sichtbar wird“, so Steer. Neben der Social-Media-Kampagne will man noch einen weiteren neuen Weg in der Personalakquise beschreiten und im April an einer Job-Messe im Einkaufszentrum ELI in Liezen teilnehmen. Diese biete die Chance, direkt mit Menschen ins Gespräch zu kommen und im besten Fall für die Arbeit im Sozialbereich begeistern zu können, so Steer.
Gute Arbeitsbedingungen
Für Steer biete die Lebenshilfe Ennstal ihren derzeit rund 240 Mitarbeitenden zahlreiche Vorteile, wie er sagt. Dies sei auch beim Gehalt ersichtlich, denn „bei uns verdient man in Teilzeit das, was in manchen anderen Sparten in Vollzeit verdient wird“, so Steer. Darüber hinaus sei die Lebenshilfe Ennstal „ein beständiger Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitenden viel Flexibilität bietet“, wie der neue Geschäftsführer betont. Dem Bedarf an Personal steht der Bedarf an jener Leistung gegenüber, die die Lebenshilfe Ennstal Menschen mit Beeinträchtigung bietet. Besonders gefragt sind Tages- und Wohnplätze, wobei es für letzteres sogar eine Warteliste gibt. Wie lange Betroffene auf einen Wohnplatz warten müssen? „Oft jahrelang“, wie Steers Antwort lautet. Grund dafür: Die fehlende Genehmigung des Landes Steiermark für neue Wohnplätze.
Altersrochade in den Tageswerkstätten
Besser als im Wohnbereich gestaltet sich die Lage in der Tagesbetreuung. Hier stellt eine neue Leistungsart Aussicht auf freiwerdende Beschäftigungsplätze, denn seit 2024 können Menschen mit Behinderung, die in Tageswerkstätten betreut werden, auch in Pension gehen und müssen nicht weiterhin einer Beschäftigung nachkommen. „Das trifft auch auf unsere Seniorinnen und Senioren in den Lebenshilfe-Tageswerkstätten zu“, so Steer. Sobald diese über einen dementsprechenden Bescheid verfügen, um diese neue Leistung des Landes Steiermark in Anspruch nehmen zu können, sei es möglich, die Plätze in den Tageswerkstätten neu zu vergeben. Dadurch würde auch der Altersschnitt in den Einrichtungen deutlich sinken, so Steer. Die Herausforderung: „Einen guten Übergang für alle zu schaffen. Für unsere Seniorinnen und Senioren genauso wie für die jungen Menschen, die dann zu uns kommen werden“, wie der Geschäftsführer betont. Ändern würde sich in den Einrichtungen jedoch nicht nur der Altersschnitt. Da die Betätigungsfelder in den Tageswerkstätten dem Alter und den Interessen der zu Betreuenden angepasst sind, würden auch diese überarbeitet werden müssen, so Steer. Auch die Möglichkeit auf Praktikumsplätze innerhalb und außerhalb der Lebenshilfe Ennstal soll künftig erweitert werden. Besonders beliebt für Praktika: das Café Sowiedu, das von der Lebenshilfe Ennstal in Liezen betrieben wird. Aber auch Praktika bei anderen Betrieben sollen künftig forciert werden, weshalb man ein Netz an Partnerfirmen aufbauen möchte, so Steer. Neben Praktikumsplätzen bietet die Lebenshilfe Ennstal auch Lehrstellen in Service und Küche des Tochterunternehmens „Benissimo“ für junge Menschen mit Förderbedarf an.
Psychische Beeinträchtigungen nehmen zu
Wie groß der Bedarf an Unterstützung für ausgrenzungsgefährdete Jugendliche ist, zeigt auch der Ausbau der Einrichtung VOPS. Diese soll junge Menschen im Alter zwischen dem 15. und 21. Lebensjahr durch ein spezielles Coaching an die Arbeitsfähigkeit heranführen. Neben einem Standort in Liezen und einem Standort in Gröbming hat die Lebenshilfe Ennstal vergangenen Herbst nun auch eine Niederlassung in St. Gallen eröffnet. Für Steer „eine Notwendigkeit“, wie er sagt, da psychische Beeinträchtigungen bei jungen Menschen immer öfter auftreten und der Bedarf an Unterstützung immer größer werden würde.

