Seit Jahrzehnten ist die Verteidigungspolitik in Österreich ein Stiefkind. Der Wehrdienst wurde verkürzt, die Milizübungen wurden abgeschafft und vor allem wurde mit allen Mitteln gespart. Folge dieser Entwicklung ist heute, dass das Bundesheer weder von der Mannstärke noch ...
Seit Jahrzehnten ist die Verteidigungspolitik in Österreich ein Stiefkind. Der Wehrdienst wurde verkürzt, die Milizübungen wurden abgeschafft und vor allem wurde mit allen Mitteln gespart. Folge dieser Entwicklung ist heute, dass das Bundesheer weder von der Mannstärke noch von der Ausrüstung her in der Lage ist, einer externen Bedrohung die Stirn zu bieten. Jetzt wurde dieser Befund von Experten nochmals unterstrichen, die zur Verbesserung der Situation zwei Forderungen stellen, nämlich eine längere Wehrdienstzeit und ein signifikant höheres Budget.
Beide Forderungen sind freilich wenig populär, das Geld fehlt ohnehin an allen Ecken und Enden und die Aussicht auf einen längeren Wehrdienst ist auch wenig erquicklich. Deshalb hat sich Österreich jahrzehntelang hinter der Neutralität versteckt und die Gefahr einer militärischen Bedrohung einfach beiseite geschoben. Und wann immer das Geld knapp wurde, hat man als erstes beim Heer gespart, man erinnere sich etwa an den berühmten Wahlkampfslogan zur Zeit der Abfangjägerbeschaffung („Hier fliegt ihre Pensionserhöhung“).
Jetzt hat uns die Realität eingeholt, die geopolitische Lage ist explosiv wie lange nicht und an einer Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit wird kein Weg vorbeiführen. Egal ob alleine oder im europäischen Kontext werden wir deutlich mehr Geld und Soldaten aufbringen müssen. Das ist unerfreulich, wenig populär und trotzdem am Ende des Tages alternativlos. Und die Hoffnung, dass wir unsere Wehrhaftigkeit nicht unter Beweis stellen müssen, können wir in österreichischer Manier ja weiterhin pflegen.
Franz Wallig