Patrick Dirninger bietet im Kino Gröbming eine Alternative zu Hollywood-Blockbustern. Den Charme des geschichtsträchtigen Hauses hat die Familie beibehalten.
Wenn man sich zwischen der geschwungenen Bar aus Holz, den samtenen Vorhängen, dem matten Schein ...
Patrick Dirninger bietet im Kino Gröbming eine Alternative zu Hollywood-Blockbustern. Den Charme des geschichtsträchtigen Hauses hat die Familie beibehalten.
Wenn man sich zwischen der geschwungenen Bar aus Holz, den samtenen Vorhängen, dem matten Schein der Tischlampen und den kleinen Sitzgelegenheiten im Foyer bewegt, fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt. Ein Effekt, der durchaus gewollt sei, sagt Patrick Dirninger, der das Kino Gröbming von seinen Eltern Karin und Reinhold übernommen hat. Zwar sei das Ende der 1930er-Jahre erbaute Filmtheater immer wieder renoviert worden, doch dabei habe man bewusst darauf geachtet, den Stil vergangener Jahrzehnte miteinander zu verbinden. Daraus entstanden ist ein Kino, dessen nostalgischer Charme ebenso begeistert wie die Filme, die hier gezeigt werden. Die Eintrittskarten verkauft der Chef höchstpersönlich oder seine Eltern, die man nach wie vor an der Kasse antrifft. „Wir sind eben noch ein echter Familienbetrieb“, betont Dirninger. Mitarbeitende gibt es folglich keine, außer der Kartoffelkatze, die es sich meist in einer der Logen gemütlich macht. Ihren Namen hat sie wohl ihrem trägen Gemüt zu verdanken. Vielleicht auch ihrer Körperhaltung, die sie einnimmt, wenn sie auf einem der roten Kinostühle selig vor sich hin döst.
Aus Wien zurück nach Gröbming
Vergangenen November wurde das Kino Gröbming in den Kreis der Europa Cinemas aufgenommen – ein Verband von mehr als 1200 Kinos, verteilt auf über 40 Länder, die sich der Förderung der europäischen Filmkultur verschrieben haben. „Für ein kleines, unabhängiges Kino im ländlichen Raum ist die Aufnahme bei Europa Cinemas eine große Anerkennung“, zeigt sich der Betreiber erfreut. Schließlich bestätigt diese, dass Filmkultur auch außerhalb der großen Ballungsräume wahrgenommen wird. Dirninger selbst hat einem dieser Ballungsräume vor ein paar Jahren den Rücken gekehrt und ist nach Gröbming zurückgekommen. Wien zu verlassen, sei keine leichte Entscheidung gewesen, sagt Dirninger. Wohl aber eine richtige, wie sich am Erfolg des Kinos zeigt. Nach einer anfänglichen Testphase hat der heute 35-Jährige nach und nach ein Angebot auf die Beine gestellt, das „es hier bei uns nur im Kino Gröbming gibt“, wie er betont. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, wie viele Filmschaffende bereits zu Gast im Kino Gröbming waren. Neben Bernhard Wohlfahrter und Reiner Riedler haben auch Adrian Goiginger, David Ertl und Volkskulturpreisträger Christoph Huber Premieren und Sondervorstellungen in dem heimischen Filmtheater gegeben. Besonderes Augenmerk lege man auf den regionalen Bezug: „Wir sehen unsere Leinwand als Bühne für regionale Regisseure, Kunstschaffende und Musiker“, so Dirninger.
„Machen nur Hochwertiges“
Trotz eines dichten Programms und Öffnungszeiten zwischen vier und sieben Tagen die Woche sei die Planung der Vorstellungen nicht länger als zwei Monate im Voraus möglich, denn „vieles ergibt sich spontan und wir wollen flexibel bleiben, um darauf reagieren zu können“, erklärt Dirninger, der als Beispiel eine Kooperation mit ServusTV heranzieht. Nachdem der Sender eine Folge von „Hoagascht“ über Gröbmings Bergretter gedreht hatte, wurde die Vorpremiere samt der Hauptdarstellenden Ende November im Kino Gröbming gefeiert. Für besondere Vorstellungen wie diese ist das kleine Filmtheater mit seinen 124 Sitzplätzen mittlerweile bekannt. Doch bei der Auswahl seiner Events zeigt sich Dirninger wählerisch: „Wir erzwingen nichts, sondern machen nur das, was wirklich hochwertig ist“, beschreibt er den Qualitätsanspruch der Veranstaltungen. Dieser zeigte sich auch beim ersten Doppelevent, das Ende September stattfand. Nach einem von Sky Club begleitenden Flug mit einem Paragleitschirm vom Michaelerberg und dem Stoderzinken lud das Kino Gröbming zum reich bebilderten Vortrag von Paul Guschlbauer, Athlet der Red Bull X-Alps.
Ein Tag in Mittelerde
Obwohl Dirninger auch der Familienunterhaltung Platz in seinem Programm schenkt, sieht er das Kino Gröbming nicht als Konkurrenz zu anderen Einrichtungen, wie etwa dem Starmovie Liezen. Schließlich spreche man ein komplett anderes Publikum an, wie Dirninger betont. Apropos Familienunterhaltung mit Eventcharakter: Am 10. Jänner zeigt das Kino Gröbming Dirningers Lieblingsfilm, wie dieser verrät: Der Herr der Ringe. Die Trilogie startet um 9 Uhr morgens und endet um 23 Uhr abends. Der Tag in Mittelerde ist voll bepackt mit filmischen Abenteuern, thematischem Essen und einem bunten Rahmenprogramm. Und die Kartoffelkatze? Sie wird die legendäre Saga im Gegensatz zu den anderen Gästen wohl nur im Halbschlaf erleben.