KAGes-Chef spricht Machtwort
13.02.2026 RegionalesAkut-Patientin wurde abgewiesen. Jetzt sind geplante orthopädische Eingriffe im LKH Bad Aussee untersagt. Ausseer sprechen von „verdrehten Tatsachen“.
Ein Aufschrei hallte vergangene Woche durchs Ausseerland. Seit Mittwoch, dem 4. ...
Akut-Patientin wurde abgewiesen. Jetzt sind geplante orthopädische Eingriffe im LKH Bad Aussee untersagt. Ausseer sprechen von „verdrehten Tatsachen“.
Ein Aufschrei hallte vergangene Woche durchs Ausseerland. Seit Mittwoch, dem 4. Februar, dürfen auf Anweisung des KAGes-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Stark keine geplanten orthopädischen Operationen im LKH Bad Aussee mehr durchgeführt werden. Anlassfall für das abrupte Ende war eine Patientin, die mit einem Oberschenkelhalsbruch nach Rottenmann weitergeschickt wurde. Das hätte nicht passieren dürfen, heißt es vonseiten der KAGes. Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt kein geeignetes Personal anwesend gewesen sei, hätte man am folgenden Tag operieren können. In Bad Aussee habe man stattdessen von Privatordinationen übermittelte Patienten den Vorzug gegeben, so der Vorwurf.
Zeitnahe Ersatztermine
„In jedem Fall ist die Versorgung von Akutpatienten der Behandlung von geplanten orthopädischen Leistungen vorzuziehen. Dies war am Standort Bad Aussee nicht immer die Regel, weshalb sich der Vorstand der KAGes dazu veranlasst sah, diese Dienstanweisung zu erteilen“, so der Krankenhausbetreibers. Patienten, für die bereits ein Operationstermin in Bad Aussee eingetaktet war, verspricht die KAGes einen zeitnahen Ersatztermin. Binnen sechs bis acht Wochen sollen Betroffene im gesamtsteirischen Orthopädienetzwerk operiert werden. Insgesamt handelt es sich um 31 Eingriffe, acht davon sind Athroskopien, die weiterhin am Standort Bad Aussee durchgeführt werden können.
Schlagabtausch
Im Ausseerland trifft die Argumentation auf völliges Unverständnis. Laut einer informierten Quelle die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, habe man sich strikt an eine Dienstanweisung aus 2022 gehalten. Nachdem in Bad Aussee kein Unfallchirurg im Dienst war, wohl aber in Rottenmann, habe man die Patientin nach Rücksprache weitertransportiert. Dass nicht am selben Tag operiert wurde, sei nicht im Einflussbereich der Bad Ausseer gelegen. „Am folgenden Tag waren in Bad Aussee vier Operationen eingetragen. Wäre die Patientin bei uns geblieben, hätte man sie selbstverständlich nach vor gereiht“, so der Insider. Das Forum Pro LKH Bad Aussee ortet eine „persönliche Fehde“ von KAGes-Chef Gerhard Stark, der „einen langgedienten Orthopäden am LKH Bad Aussee zum Bauernopfer macht“. Auch drei pensionierte Ärzte aus dem Ausserland springen dem Krankenhaus zur Seite und lieferten sich einen öffentlichen Schlagabtausch mit der KAGes. In einem offenen Brief spricht von einem „Todesstoß für ein aktives betriebsbereites Krankenhaus“ und einer „Verdrehung von Tatsachen“. Die unvermittelte Anweisung und der Streit zwischen Bad Aussee und Graz ist Wasser auf den Mühlen der Leitspitalsbefürworter. Man spricht von „Chaos in der Umsetzung“ und sieht den Bezirk Liezen als „Spielball der Politik und Opfer von Streitereien im steirischen Gesundheitswesen“.
Kein Versorgungsauftrag
Dass sich Patienten privat beraten und für eine Operation in ein öffentliches Krankenhaus einweisen lassen, ist gelebte Praxis in Österreich. Das bringt Auslastung und damit Umsatz für die Krankenhäuser. Andererseits können Privatärzte, die zusätzlich im Krankenhaus angestellt sind, ein Komplettservice bieten. Dieses Service kann in Bad Aussee nun nicht mehr geboten werden. Die KAGes erklärt, dass laut aktueller sanitätsbehördlicher Genehmigung, derzeit weder in Rottenmann noch in Bad Aussee ein Versorgungsauftrag aus dem Bereich des Sonderfachs Orthopädie und Traumatologie besteht. Die „überschaubaren Fallzahlen“ aus dem Standort Bad Aussee würden Kapazitäten des LKH Murtal auffangen können. Die Versorgung im allgemein-viszeralchirurgischen
Bereich (Bauchchirurgie) bleibt aufrecht.
RSG kürzt Chirurgie komplett
Laut dem kürzlich beschlossenen Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) ist es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Abteilung Geschichte ist. Der Standort Bad Aussee soll zu einem Zentrum für Geriatrie und Remobilisation werden, also ein Schwerpunkt für die Versorgung von älteren Menschen. Die Chirurgie wandert in Richtung Rottenmann und Bad Ischl.

