Hilfe, es sind Sommerferien!
10.07.2026 Junges EnnstalWie Ferien mit wenig Medienkonsum gelingen und warum Langeweile für Kinder und Jugendliche wichtig ist.
An diesem Wochenende starten sie auch für die steirischen Schülerinnen und Schüler: die lang ersehnten Sommerferien. Was für die Kinder ...
Wie Ferien mit wenig Medienkonsum gelingen und warum Langeweile für Kinder und Jugendliche wichtig ist.
An diesem Wochenende starten sie auch für die steirischen Schülerinnen und Schüler: die lang ersehnten Sommerferien. Was für die Kinder oft die besten Wochen des Jahres sind, wird für Eltern oftmals zur Geduldsprobe – ganz abgesehen von den organisatorischen Herausforderungen. Wenn vor allem junge Kinder neun Wochen lang betreut werden müssen, ist gute Planung gefragt. Denn der elterliche Alltag macht nur selten Pause, wenn die Kinder Ferien haben. Besonders während langer Ferien werden Kinder oftmals mit dem Konsum von Medien ruhiggestellt. Die Versuchung ist groß, die freie Zeit überwiegend mit Smartphone, Tablet und Spielkonsole zu verbringen. Genau hier beginnt jedoch das Problem.
Dass Medienkonsum überwiegend negative Auswirkung auf die Entwicklung von Kindern hat, ist schon länger keine Überraschung mehr. Eine aktuelle deutsche Studie zeigt jedoch, dass der Konsum von Social Media, Gaming und Streaming an schulfreien Tagen stark ansteigt. Durchschnittlich acht Stunden verbringen Kinder und Jugendliche oft vor Bildschirmen. Auf neun Wochen Ferien hochgerechnet sind das rund 500 Stunden Bildschirmzeit. Diese Zahlen stammen aus Deutschland, dennoch wäre es naiv zu denken, dass die Sachlage in Österreich eine völlig andere ist. Auch hierzulande gehören Smartphone und Konsole längst selbstverständlich zum Alltag. Dabei geht es allerdings nicht darum, digitale Medien grundsätzlich zu verteufeln. Computerspiele können Spaß machen, Serien verbinden Freundesgruppen und soziale Netzwerke gehören für Jugendliche heute zur Lebenswelt. Das Problem beginnt dort, wo die Bildschirmzeit die Ferien bestimmt – und nicht mehr nur ein Teil davon ist.
Vor allem in Österreich bietet der Sommer unzählige Möglichkeiten, den Sommer abseits von Bildschirmen draußen zu verbringen. Sei es bei einem Sprung in den Badesee, auf einer Wanderung oder beim Eisessen. Trotzdem gewinnt oft das Display. Warum? Weil es einfacher ist. Natürlich ist das leicht gesagt. Die meisten Eltern arbeiten auch in den Ferien, neun Wochen Urlaub ist für den Großteil eine eher utopische Vorstellung. Das Tablet wird dann schnell zum Babysitter – nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Notwendigkeit. Dafür sollte niemand verurteilt werden. Umso wichtiger sind einfache Regeln, die den Alltag erleichtern. Statt täglich über Minuten zu diskutieren, können feste Bildschirmzeiten helfen: etwa nach dem Mittagessen oder am frühen Abend – aber nicht den ganzen Tag zwischendurch. Ebenso wichtig sind feste Offline-Rituale. Gemeinsam frühstücken, einmal täglich nach draußen gehen oder am Abend Karten spielen – oft sind es gerade die kleinen Gewohnheiten, die Struktur geben. Und diese Struktur hilft Kindern, sich auch zu Ferienzeiten von ihren Bildschirmen zu trennen. Fehlt der strukturierte Alltag, können Kinder und Jugendliche kaum abschalten und schneller als gedacht in ein suchtähnliches Verhalten rutschen. Werden Bildschirmzeiten drastisch reduziert, steigt dafür oft etwas anderes: Langeweile. Und das ist auch gut so. Denn aus ihr entsteht Freiraum und Kreativität. Wer jede freie Minute mit digitalen Reizen füllt, nimmt Kindern die Chance, selbst Ideen zu entwickeln. Denn am Ende sollten Ferien das sein, wofür es sie gibt: Eine Pause. Vom Schulalltag, vom Leistungsdruck und vom Alltagstress. Nicht jede Stunde vor dem Bildschirm ist problematisch. Doch wenn jede freie Minute mit digitalen Reizen gefüllt wird, bleibt von den Ferien am Ende oft gar nicht viel übrig.
Elisa Schütz

